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daß alle Anwcscndeu in tiefster Rührung und mit Seelenfrieden im Herzen die Kirche»erließen!
* (Ander und Rossini.) In dem jüngst erschienenen Buche ^Rils ok Rossini"wird erzählt, wie Ander zum ersten Male mit Rossini bei einem Diner zusammentraf,das Carafa seinem berühmten Landsmannc zu Ehren gegeben hatte. Nach aufgehobenerTafel setzte sich der „Maestro" auf Ersuchen des Gastgebers an das Piano, und sangFigaro's Cavatine „D-»-AO nl lnototum äolln cito." „Ich werde — erzählt Auber —nie die Wirkung vergessen, welche sein gediegener Gesang auf mich ausübte. Rossiniharte eine wunderschöne Baritonstimme — und er sang mit einer Begeisterung und einerKraft, welcher in derselben Parthic weder Pcllcgrini noch Galli oder Lablache sich genäherthaben. Seine Kunst zu accompagnircn war gleich wundervoll, nicht auf Tasten, sondernauf einem Orchester schienen die geläufigen Hände deS gewandten Pianisten zu gallopiren.Als er geendigt, sah ich mechanisch auf die Elfcnbcintasten; es schien mir, als sähe ichsie rauchen. Bei meiner Nachhausckunft bezeugte ich große Lust, alle meine Partiturenin's Feuer zu werfen. „Vielleicht erwärme ich sie dadurch," sagte ich zu mir selbst, —„überhaupt, was nützt das Schassen von Musik, wenn mau nicht componiren kann —»ie Rossini!"
* (Warum nimmt man beim Grüßen den Hut ab?) In einer Ab-handlung über dieses Thema in Dickcn's Wochenschrift tlio Voar Rönne!" wirdhervargchoben, daß die alten Brittanier und Gallier ihr Haar ungestört wachsen ließen,so daß es öfter die Hüfte erreichte. Den Römern, welche später die Länder der beidenBölkerstämmc eroberten, war dieser lange Haarwuchs ein Gräuel, und sie unterzogen dieGallier und Britten einer schimpflichen Schur. Zum Beginne des fünften Jahrhundertsgründete Pharamond sein Königreich in der Provinz, welche seither den Namen Frank-reich trägt Die Gallier wurden bis zur Knechtschaft herabgewürdigt und die Erobererlegten unbarmherzig die Schecrc an die Häuptern ihrer Opfer. Seitdem wurde es inganz Europa zur Regel, daß langes Haar die ausschließliche Apanage der Großen undEdlen des Landes sei. Nicht nur Leibeigenen und Vasallen, sondern freien Bürgern undBauern wurde nicht gestattet, ihr Haar lang zu tragen. Den Leibeigenen eines adeligenGutsbesitzers schecrte man sogar während des fünften, sechsten und siebenten Jahrhun-derts gänzlich den Kopf kahl, und von dieser Zeit datirt sich die Sitte desHutabnehmens beim Grüßen. DaS Entblößen des Hauptes hieß so viel als:„Sehen Sie, mein Herr, ich bin ihr Diener, ich habe kein Haar."
* Im Themse -Polizei-Gcricht wurden drei Matrosen wegen Einschmug-gelnd von acht Pfund Tabak zu der üblichen Geldbuße, dem dreifachen Werthe und Zolledes consiScirten Gutes vcrurtheilt. Sie zahlten die Strafe und baten um Rückgabe deSTabaks. Auf die Erwiderung des Richters, daß die Confiscation des Tabaks einenTheil der Strafe bilde, und derselbe Ihrer Majestät der Königin verfallen sei, — sagteeiner der Matrosen: „Raucht denn die Königin? — Wenn, so möge ihr der Tabakwohl bekommen."
(Aller guten Dinge sind drei.) Gast: „Ei, Herr Wirth, Sie bringen ja meinemFreunde drei Schnäpse auf einmal?" — Wirth: „Ja, der Herr Verwalter trinktim«» b»r dem Schnaps einen Schnaps, und nach dem Schnaps wieder einen Schnaps!"
Auflösung der Charade in Nr. 30:
_ „Handwerk."
Druck, Verlag und Redaction des Litcrarischen Instituts von vr. M. Huttlcr.