Ausgabe 
29 (1.8.1869) 31
 
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zu fragen, ob er unter der heutigen Einnahme ein 40 Frankenstück gefunden habe. DarGoldstück" findet sich vor und wird seinem Eigenthümer auf einem chinesischen Tablettvornehm überreicht. Ehe dieser aber sich damit entfernt, sagte der Blinde:Pardo«,Monsieur, Sie vergessen etwas Sie haben mir zwei Sous zurückzuerstatten.'

Miseellen.

(Folgen eines Bienenstiches.) Die Ehefrau des Försters K., eine jugendlichaussehende, etwas fein gebaute, lebensfrohe Frau, die trotz einer starken Familie sich sowohl conservirt hatte, daß sie mehrfach von Fremden nicht für die Frau, sondern fürdie älteste Tochter im Hause angesehen wurde, zeigte sich jeder Zeit sehr empfindlichgegen den Bienenstich. Es wurden bei ihr durch einen einzigen Stich stets die bedenk-lichsten Affektioncn hervorgerufen. Namentlich war sie vor sechs Jahren in Folge eine»Stichs mitten auf den Kopf dem Ersticknngstode nahe, indem ihr ganzer Körper vomKopf bis zur Zehe verschwelt, und wahrscheinlich auch die Luftwege sich verengt hatten.Asthmatische Erscheinungen der beängstigendsten Art hielten mehrere Stunden an. Späterlöste sich die Krankheit in einen, den ganzen Körper bedeckenden Ncsselausschlsg auf.Da dieser Krankheit--Anfall ganz evident nur durch den Bienenstich hervorgerufen war,wollte der Förster, ein passionirter Züchter, (mein erster Lehrmeister) die Bienen ganzabschaffen, ließ sich aber durch die Frau selbst daran hindern. Am 28. Mai l. Js.früh Morgens hatte K., der noch immer einen Stand von 25 Völkern hält, an einige»Stöcken opcrirt, wobei der eine etwas in Aufregung gerathen war. Er mahnte deßhalbseine Familienglieder zur Vorsicht. Dessen ungeachtet erhielt die Frau, jetzt 44 Jahrealt, bis dahin völlig wohl und heiter, beim Betreten des Hofs einen Stich hinter daslinke Ohr. Sofort taumelte sie, halb ohnmächtig, von der Stelle, erreichte mit Mühedas Schlafzimmer, wo eine Tochter die Biene abnahm und den Stachel entfernte, wurdedemnächst von den Herzucilcnden völlig bewußtlos auf's Bett niedergelegt, und war nacheiner Viertelstunde - eine Leiche. Nach der Aussage des Arztes soll ein Gehirnschlagden Tsd herbeigeführt haben. Diese Darstellung ist völlig wahrheitsgetreu. Hoffent-lich wird sie keinem Leser der Dienen-Zeitung ein Schreckmittel sein, ihn der Bienenzuchtzu entfremden. Wir Bienenzüchter sind ja glücklicher Weise nicht so reizbare Naturen,sondern zumeist aus derberem Materialc gebaut. Bcachtenswerth aber dürfte der Fallsein, um zu constatircn, wie stark unter Umständen der Stich der Biene wirken kann.Zugleich möge er den Bienenzüchtern als Mahnung dienen, mit ihren Lieblingen nichtallzu sorglos zu sein, sondern ihre Stände möglichst zu verwahren und reizbaren Per-sonen, namentlich kleineren Kindern, den Zutritt zu verwehren. NüderSdorf, den10. Juni 1869. Becker, Oberförster. (Aus der Eichstüdtcr-Biencnztg.)

(Eine Predigt, die mit einem Fluch anfängt.) Der D'octor C . . .,einer der bekanntesten Prediger New-^orks, besteigt eines Sonntag Morgens, als dieHitze eine wahrhaft tropische war, die Kanzel und ruft der andächtig versammeltenGemeinde statt aller Anrede die Worte zu:Gott verdamm' mich, wir haben heut eineverfluchte Hitze!" Durch die bestürzten Mienen und die Aufregung seiner Zuhörer, dieihren Ohren nicht trauten, aufmerksam gemacht, wischt er sich den Schmeiß von derStirn und wiederholte dennoch, jedes einzelne Wort deutlich betonend, die oben erwähntePhrase. Darauf heftet er einen ruhigen, frommen Blick auf die nun erst recht empörteGemeinde, und fuhr fort:Diese Worte, meine theuren Brüder, entfuhren dem pro-fanen Munde eines jungen Mannes, als ich gerade über die Schwelle dieses Gottes-hauses ging." Und nun weiter predigend, nahm er das zweite Gebot: Du sollst nichtfluchen! zum Vorwande seiner Predigt, während er wohl vorher über einen anderen Textzu predigen gesonnen gewesen sein mochte. Sein Vortrug war übrigens so erbaulich.