Ausgabe 
29 (8.8.1869) 32
 
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Du hast recht, alte Brummkehle, est tompus llormioncü! Zch bin auch schonlaß und ganz trümlich."

Nach diesen Worten stand der Kleine auf und reichte dem Silbermüller die Hand.»Na, schlaf' in Frieden, und der liebe Herrgott und seine Heiligen behüt' Euch Allezusammen!"

Hierauf erfaßte er den Wirth und sprach:Du, führe mich jetzt in das Ratten-loch, das Ihr Schlafkammer nennt, und bringe mir sodann noch einenSchnapps" zumSchlaftrunk hinüber."

Mit diesen Worten zog er ihn mit sich zur Thüre hinaus.

»Hm! Der Teufel ist er wohl nicht," sprach nach einigen Minuten der Silber-müller, welcher ihm, wie seine Tochter und der junge Schütze verwundert nachgesehenhatte, »aber wer er ist, das mag der Teufel errathen!"

(Fortsetzung folgt.)

Gesundheitspflege in Schulen.

Von allen Gebäuden, in denen sich größere Menschenmengen regelmäßig versammeln,sind die Schulen unter dem Gesichtspunkt der Gesundheitspflege die wichtigsten und zu-gleich die am meisten vernachlässigten. Von den Lehrern abgesehen, haben ihre Besucherweder die Fähigkeit noch die Mittel, sich selbst zu helfen. Die verhültnißmäßig hohedurchschnittliche Bildung der Lehrer aber hat von praktischer Hygiene noch nichts in sichaufgenommen. So kommt es. daß, wenn die Wissenschaft einmal die Luft, oder dasLicht, oder die Tische und Bänke einer Schule ihrer Prüfung unterwirft, die nachthei-ligen Einflüsse in stärkerer Thätigkeit begriffen vorgefunden werden, als in Krankenhäusern,Gefängnissen, Kasernen u. s. f., die meistens alle schon sowohl beim Bau wie währendihrer Benutzung einer gewissen eindringenden hygienischen Kontrole unterworfen werden.

Die Verderbtheit der atmosphärischen Luft für menschliche Athmungszwecke mißt sichbekanntlich an ihrem Kohlensauregehalt. Kohlensäure ist das Exkrement des Athmungs-prozesses, wie Sauerstoff sein Unterhalter. Man nimmt an, daß die Beimengung derKohlensäure, wenn die Luft eines Raumes athembar-gesund bleiben soll, das Verhältnißvon Eins auf Tausend nicht übersteigen dürfe. Nun fand aber der englische Arzt Ros-<oc in Schulzimmern 2.z bis 3., auf 1000, Professor Pcttenkofer zu München in einer Mädchenschule 7.^ auf 1000, Dr. Baring zu Ccllc in einem Gymnasium2 bis 5, in Volksschulen 9 bis 12 auf 1000 u. s. f. Dagegen konstatirte Roscoe inMilitärhospitälcrn nur O.g bis l.z und in nnventilirtcn Kasernen nur 1., bis 1.,Theile Kohlensäure auf 1000 Theile Luft. In England ist man bekanntlich sehr vielfeinfühliger für frische und gesunde Luft; daher die geringere dort beobachtete Luftvcrderb-niß überhaupt. Aber der Nachtheil zu Ungunsten der Schulen zeigt sich dort so gut alsin Deutschland .

Auf das erste Vernehmen wundert man sich vielleicht daß kleine Knaben undMädchen ein so verhängnißvolleS Vermögen besitzen sollen, sich selbst die Luft zu verder-ben. Sie bringen doch immer nur einen kleinen Theil der täglichen vicrnndzwanzigStunden in ihren Klassen zu; und halbwüchsige Menschen werden doch nicht so viel ihresSauerstoffs beraubt wie erwachsene? Das ist aber eben nur ein wenn auch noch so plau-sibler und landläufiger Irrthum. Was erwachsene an Körperumfang voraushaben, dasgleichen Kinder durch ihren stärker» Stosfumsatz so ziemlich aus. Im Verhältniß zumKörpergewicht athmen wachsende Menschen, nach Pcttenkofer die doppelte Menge Kohlen-säure aus wie ausgewachsene. Was aber die Leerheit der Schulzimmer während dreierViertel des Tages betrifft, so kommt natürlich Alles darauf an, welchen Gebrauch manvon derselben macht. Sie gewährt die Möglichkeit gründlicher Erneuerung der Luft,