Ausgabe 
29 (22.8.1869) 34
 
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Vor der Herberge angelangt, sprang Max mit der Leichtigkeit eines gewandtenReiters von dem schäumenden Rosse, und wandte sich zu dem Grafen Falkenstein unddem Freiherr» Heindl von Goldrain, welche ebenfalls abgesessen waren, und sich ihm mitentblößtem Haupte näherten.

Nachdem er einige Worte mit ihnen gewechselt, grüßte er noch einmal Alle freund-lich, mit seinem Adlerblicke die Anwesenden überfliegend, und trat in die Herberge, auswelcher ihm der Eigenthümer derselben unter fortwährenden Bücklingen entgegen kam.

Die beiden erwähnten Herren und noch vier andere, welche sich in dem Gefolgebefanden, folgten dem Erzherzoge. Silbcrmüller hatte kein Auge von Max verwendet,und stand noch immer, wie Leni, in freudiger Aufregung an der alten Stelle, als sichihm Dreißler näherte und hämisch lachend zuflüsterte:Na, wenn das der Franz!wüßte, so könnte er gleich den herzoglichen Herrn um seine Fürsprache bei Euch bitten."

Keinen Scherz mit der Person unseres Max!" cntgegnete der Silbermüllcr ent-rüstet, faßte sodann die Hand seiner Tochter und folgte der Menge, welche sich in dieallgemeine Schenkstubc drängte.

Hm!" brummte Dreißler, dem Alten einen bösen Blick nachwerfend,das Eisenist noch nicht heiß genug geschmiedet, aber Geduld, an den Schmied-Gesellen soll esnicht fehlen!" (Forts, f.)

(Eine äsopische Fabel.) Es kamen einmal der Thiere mancherlei in einemgroßen Walde zusammen, ohne sich aufzufressen, obschon sie sonst.Todfeinde waren. Dawaren zu sehen der Fuchs und der Schakal, der Affe, das Kamcel und der Wolfsondcrhcitlich aber viele Esel. Und es redete der Fuchs und sprach: Meine Herren!Sehr würdige Gcsinnungs - Genossen und Freunde! Wir Alle huldigen der zeitgemäßenBildung, wir Alle wandeln im Lichte der höchsten Aufklärung, und unsere erste Aufgabeist und bleibt, die ultramontancn Geistcssinstcrnisse, so aus vergangenen Zeiten noch inunser Jahrhundert hereinragen, mit allen Mitteln zu verscheuchen, und den Tag herbei-zuführen, an dem die Sonne vollgcrcifter Intelligenz die Ricscngräber überwundenenAberglaubens triumphirend beleuchtet! (Die ganze Versammlung fühlt sich gehoben;zwei alte Esel umarmen sich.) Sie haben gehört, meine Herren, von der KrakauerGeschichte! Gelegener, ich versichere, konnte nichts in diesen Tagen uns kommen, indiesen Tagen, wo bereits durch verunglückte Arbeiten Vieler das große Werk Gefahr zulaufen im Begriffe war. Aus dieser Klostcraffaire muß darum möglichst Kapital geschla-gen werden. Das Kamecl: Ja, ja, da muß Etwas geschehen um jeden Preis!Ich weiß zwar nicht, was aber Etwas muß geschehen, so viel sage ich! DerAffe: Das macht man einfach so, man muß diesen Fall sofort nach unserer Art pikantzurichten, das Fenster der bewußten Zelle gänzlichvermauern", eine Masse Todten-schädel, Gerippe, Folterwerkzeuge ringsum anhäufen, die Grüuelthatcu der letzten sechsJahrhunderte sammt allen mitternächtlichen Leihbibliothek-, Schand- und Schauer-Geschichten nach Spieß, Krämer und Dellarosa dem Ultramontanismus beherzt in dieSchuhe schieben; mit einem Worte: das Ganze zu einem derartigen Bissen präpariren,daß für zeitgemäße Kost auf wenigstens zwei Monate gesorgt ist. Der Schakal:Der Affe hat Recht, so muß die Sache angefaßt werden. Was mich betrifft, so werdeich als Corrcspondcnt derverwunschenen Stalllatcrne" das Erreichbare leisten.Ein Esel: Aber, wenn wir zu Viel sagen, kommen unliebe Berichtigungen. DerSchakal zum Wolf in's Ohr: Diese Esel wissen noch nicht, daß wir Berichtigungenuns grundsätzlich verschließen. Der Wolf: Zählen Sie, meine Herren, auf meinevolle Mitwirkung. Als Redakteur derSchaftrünke" werde ich nichts versäumen.Der Fuchs: Meine Herren, ich danke Ihnen im Voraus für die rege Theilnahme, dieSie der angeregten Arbeit zu widmen gedenken. Auf diese Weise können wir noch Vielwirken für unsern Zweck. Ich halte die Sitzung für geschlossen! (Nachdem sie noch