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Nicht so hitzig, der Hohn soll Ernst werden. Ich stelle Dir den Brautwerber. Nocheins, wo ist dermalen der Alte mit seiner Tochter?"
„Sie müssen heute gegen Mittag das Dörfchen Straß erreichen," antwortete Franzl.
„Gut," — kicherte der Kleine wieder, »heute noch soll der Maximilianus für Dichwerben. Mein Wart darauf."
„Wie?" — fragte Franzl erstarrt, „der Erzherzog?"
„Nun ja, der Erzherzog von Oesterreich soll für Dich werben. Jetzt folge mirnur, und kümmere Dich um nichts weiter. Dachte ich's doch gleich, daß eS solch' eine
Kleinigkeit sei. Wenn aber Euch Menschenkindern das Geringste über die Quere--
Sieh' da," rief er Plötzlich, indem er vor einer Alpenschnecwurz am Wege stehen blieb,»eine wunderschöne pinc;uioulu ulpinu, ein prachtvolles Exemplar, das kann ich hier«icht stehen lasten."
»Aber Herr," fragte jetzt Franzl, „wie willst Du es anfangen?"
„Abschneiden," antwortete der Kleine.
„Ach, ich rede nicht von der Pflanze hier, sondern von dem Erzherzog —" versetzteFranzl ärgerlich.
„Ja so," — fuhr der Kleine fort, während er mittelst eines Messers die Pflanzevon dem Stengel trennte, und sie in seinen Folianten legte. „Nichts leichter, als das.Der Erzherzog ist eben auf der „Gemsjagd" in dieser Gegend, und bleibt heute überMittag in Straß. Horch, hörst Du die Jagdhörner?"
In der That vernahm Franzl die Klänge von fernen Hörnern, lustig durch da»Gewälde schallen.
„Aber — sag' mir nur, Alter, Du bist doch nicht ein Herr aus des Erzherzog '»Gefolge?" fragte Franzl.
„Stellenweise zur Unterhaltung, ja, — doch laß uns jetzt lieber die Füße als dieZunge in Bewegung setzen," ermähnte der Kleine, „damit wir noch zu rechter Zeit unserZiel erreichen."
„Nun, in des Himmels Namen," rief Franzl, indem er die Armbrust wieder überdie Schulter warf, und seinem spindeldürren Gelcitsmanne folgte, der mit einer wunder-baren, seinem Alter kaum zuzumessenden spinncnartigen Behendigkeit den Pfad, welchersich Hinwand, vorauseilte.
Während dieses in dem öden Felsenthale vorgefallen, hatte der alte Silbermüllermit seiner Tochter bereits die Herberge in Straß erreicht, wo derselbe aber viele Waid-mannsleute und Ncitcrbuben mit ihren Rossen angetroffen. Er zog gar höflich den Hutvor ihnen und befragte sie, was sie hier vorhätten?
„Wir erwarten den Erzherzog von einer Gemsenjagd," sprachen Einige.
„Den Erzherzog?" fragte Silbermüller.
„Ja," antwortete der Befragte, „er wird hier seinen Mittags-Jmbiß nehmen."
„Da kömmt er schon! Da kömmt er schon!" riefen die Anderen, während laute»Hörnergetön vernehmbar wurde und auf der Bergstraße Staubwolken aufwirbelten.
Freudig überrascht, den geliebten Landesherr», den er vor vier Jahren das ersteMal bei einem Rennen zu Innsbruck gesehen hatte, jetzt wieder zu erblicken, drängte sichSilbermüller, den Hut unter'm Arm, — mit seiner'Tochter an das Thor der Herbergewelches Jener passiren mußte.
Die Jagdhörner waren indeß immer näher gekommen, deutlich erschallten die mun-teren Weisen.
Jetzt kam der herzogliche Jäger hcrangebraust, neben ihm Graf Falkcnstcin, Frei-herr Hendl von Goldrain und noch gar viele andere vornehme Ritter und Herren, Allein grünen Jagdwämscrn mit wehenden Federbüschen auf den Hüten.
Mit freudigem Jubel umdrängte das Landvolk seinen geliebten Landesfürsten, dereS mit freundlicher Herablassung begrüßte.