Ausgabe 
29 (29.8.1869) 35
 
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In der Mitte der Stube war ein Tisch gedeckt, an welchem Erzherzog Max mitdem Grafen Falkenstein, Künigl von der Wart, dem Freihcrrn Handl und noch einigenHerren von seiner Begleitung saß. Hinter dem Erzherzog standen mehrere Knappen undJägersleute, die ihn bedienten.

Der Kleine war so eben von seinem Stuhle, der sich zunächst an jenem des Erz-herzogs befand, aufgestanden, als Franz! eintrat.

Lccs suZitarium!^ sprach zu Max gewendet der Kleine.

Aller Augen wandten sich nach Franzl, der einige linkische Verbeugungen machte,und dann, verlegen den Hut in den Händen drehend, stehen blieb.

Ei sieh'!" rief Maximilian, als er ihn eine Weile angesehen hatte,das istja, so ich nicht irre, eine alte Bekanntschaft. Hast Du nicht vor zwei Tagen einemGemsenjäger vom Gehänge am Hainzberge herabgeholfen?"

Wohl hab' ich das" stotterte Franzl.

Nun, dieser Gemsenjäger war ich und bin Dir noch dafür zum Danke verpflichtet,,denn ohne Deine Beihilfe wäre es mir etwas sauer geworden, von dem Exile herabzu-kommen. Freilich war's nur ein Kinderspiel gegen die Martinswand bei Innsbruck ,aber einige Quetschungen hätte es dennoch abgegeben.

Wie mir dieser kleine Herr hier sagte, hat Dir Dein künftiger Schwiegervater dieHand seiner Tochter verweigert," fuhr er nach einer Pause fort,weil Du bei ihmverleumdet worden, und hat geschworen, sie Dir nur dann zu geben, wenn der Erz-herzog von Oesterreich um sie für Dich wirbt."

So ist's, gnädigster Herr," antwortete Franzl.

Nun, ich will meinen Dank für Deinen Waidmannsdienst dadurch abtragen, daßich Dir die Dirne verschaffe. Wo hält sich jetzt der Alte auf?"

Er muß schon in Straß angelangt sein, oder ehestens hier anlangen."

Wie nennt er sich?"

Hans Silbermüller ist sein Geschlecht, aus"

Auf dieses flüsterte Max dem Grafen Künigl von der Wart, welcher ihm zurRechten saß, Einiges in das Ohr, worauf sich dieser sogleich entfernte.

Du bist aus Kleinboden," fuhr hierauf Max zu Franzl gewendet fort.

Aus Kleinboden im Unter-Jnnthal," antwortete dieser.

Kennst Du die Dirne schon lange?"

Ach ja," erwiderte Franzl.Es mögen schon drei Jahre sein, daß ich der Sil-bermüller Leni zu Gefallen auf die Kirmeß nach Stcrzingcn kam, und seit dieser Zeitkeine Kirmeß vorüber gehen lassen konnte, ohne hinüber zu kommen, um sie zu sehen."

Sie ist ein gar wackeres Geschöpf," fuhr Franzl fort,und treuherzig und ehrlich.Doch wagte ich es niemals, um sie anzuhalten, obgleich Vater und Mutter mir schonlange anliegen, zu heirathcn; denn ich glaubte immer, sie sei viel zu hübsch für micheinfachen Buben, obgleich wir sonst gar gut zusammen paßten.

Bor einigen Tagen erst führte mich der Zufall zu Zell mit ihrem Vater zusammen,und das Gespräch lenkte sich eben auf's Heirathen und ich ersah, daß der Alte nit ab-geneigt sei, mir seine Tochter zum Weibe zu geben. Da hielt ich um sie an und Silber-müller willigte ein aber das verdammte Scheibenschießen, welches hierauf folgte,machte Alles wieder zu Wasser."

In diesem Augenblicke trat Graf Künigl von der Wart wieder in die Stube undsprach zu dem Erzherzoge:Er ist bereits in Straß und befindet sich gegenwärtig sammtseiner Tochter in dem Gemeinde-Zimmer unserer Herberge."

Da hat der Zufall wieder einmal einen glücklichen Einfall gehabt, sie hieher zuführen," sprach Max.Man rufe den Alten zu mir sammt seiner Tochter!" befahl ersodann, und zwei Jäger eilten zur Thüre hinaus, während er sein Gespräch mit dem