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leider aber konnte man ihn eben doch nicht abweisen. Der Grund, warum? klärte sichalsbald auf, wie er in den Speisesaal eintrat — die Tafel bestand nämlich größtentheilsaus oommis vo7NAeur8, — die sich sogleich über ihn hermachten, mit dem Tagesthema,der Krakauer Klostcrgcschichte, beginnend.
Der Pfarrer, die Absicht derselben merkend, daß man ihn nur harranguircn undin Harnisch bringen wolle, nahm sich jetzt extra vor, nichts zu erwidern und ruhigdabei zu bleiben.
Als alle möglichen Versuche der Handelsbeflissenen, seine Ruhe und seinen Appetitzu stören, nichts halfen, kannte ihr Aerger keine Grenzen und man reichte ihm nicht ein-mal mehr die Platten. Endlich sagte ein Anwesender: „Hören Sie, geistlicher Herr,Ihren Gleichmuth muß ich doch bewundern." „Ja, wissen Sie, sagte der Pfarrer, ichhabe eben tagtäglich solche Gesellschaft um mich, wie diese da und da istGleichmuth sehr nöthig."
„Ja, wer sind Sie den, mit Verlaub? welche Stellung bekleiden Sie?"
„Nun, das kann ich Ihnen jetzt doch nicht gerade sagen", erwiderte der Pfarrer.
Während dieses Gespräches hatte die ganze zahlreiche Tischgesellschaft nach und nachzugehorcht und immer mehr wurde in ihn gedrungen, sich zu erkennen zu geben. Endlichauf langes Zureden that er es:
Ich bin, sagte er, der kath. Hausgeistliche der Irrenanstalt N. und nannte dabeiden Namen einer weithin bekannten Heilanstalt für Geisteskranke. Ein schallendes Geläch-ter war natürlich die Antwort der übrigen Gäste und der Eindruck auf die zudringlichenCommis war ein solcher, wie wenn man einen Stein in einen Teich voll Quack oderFrösche wirft. (Bad. Beob.)
Würde der Arbeit.
Es ist ein großes, erhabenes Wort, die Arbeit. Die Arbeit, und sei sie die Phy-sische oder die des Geistes, umfaßt das Streben nach Erfolgen, und in dem Moment,wo man zu streben anfängt, beginnt man erst ein Mensch, ein Mitglied der Gesellschaftzu werden. Erst beim Streben entwickeln sich die verschiedenen Fähigkeiten und Eigen-schaften des Menschen. » *
Und der Pjensch ist auch zur Arbeit erkoren. Arbeit ist sein Beruf, Thätigkeitseine Bestimmung. Nur durch die Arbeit sein Glück zu begründen, durch ununterbrocheneThätigkeit ein schönes, glückliches Loos zu erreichen, das ist der Zweck des menschlichen Daseins.
Wer sich vor der Arbeit fürchtet, in Unthätigkeit seine Tage zubringt, schließt sichselbst aus der Gesellschaft aus; denn in den Kreis derselben gehört nur Jener, der seineAufgabe als Mensch treu und redlich erfüllt.
Die Arbeit ist also der Beruf des Menschen; sie ist aber auch eine Nothwendigkeitzu seiner Existenz.
Wenn man nicht arbeitet, seine natürlichen Kräfte und Anlagen nicht gebraucht, —müssen diese erschlaffen und endlich den Dienst, zu dem sie ursprünglich bestimmt waren,gänzlich versagen. Ein solcher Mensch ist stumpf gegen jede bessere Regung, nur mitstupidem Blick kann er seine Umgebung betrachten; das Leben muß ihm verdrießlich vor-kommen, in seinem Wesen bleibt immer eine große Leere, die nur zu oft zu seiner Peinwird, und wird er plötzlich der Mittel, sein Leben zu erhalten, beraubt, ist er das un-glücklichste Wesen auf der Erde! Den« nichts ist furchtbarer für einen Menschen, dernie die Arbeit gekannt, als plötzlich zu dieser seine Zuflucht nehmen zu wüsten!
Und wie beim Einzelnen, so auch bei. ganzen Staaten zeigen sich die furchtbarstenFolgen des Müssiggangs . Staaten, in denen die Arbeit nicht gepflegt und unterstütztwird, sind nur Schattcnstaaten, ihr Untergang ist eine Nothwendigkeit. Blicken wir nurdie Türkei an, die von Natur zum Paradies bestimmt ist, was ist sie heute? Ein Laud,das der leiseste Hauch der Zeit in Tausende von Splittern zerschmettern wird!