Ausgabe 
29 (29.8.1869) 35
 
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Ohne Arbeit ist das Dasein kein Leben, es ist nur ein bloßes Bcgetircn.

Die Arbeit entwürdigt den Menschen nicht, die Arbeit adelt ihn. Der Adel derGeburt ist ein nichtsbedeutendes Diplom, das man mit auf die Welt bringt, ohne imGeringsten dabei ein Verdienst zu haben. Nur die Arbeit und die Intelligenz undist diese nicht eine Folge der Arbeit? sind die wahren, die einzigen Adels-Diplome,die die ganze weite Welt als gültige Dokumente anerkennt! Im Nord und Süd, inOst und West, soweit die Spuren des menschlichen Seins reichen, kennt man die Arbeit,und wo man arbeitet, lernt man auch die Arbeit würdigen.

Die Arbeit ist für den Menschen keine Erniedrigung, sie ist seine Würbe; nur>durch die Arbeit wurde Großes bewirkt; die Arbeit ist der allmächtige, alle Welten be-wegende Odem der Menschheit.

In England und Amerika , den Ländern der rastlosen Thätigkeit, ist nur die Arbeitder allgemeine Maßstab des menschlichen Werthes.

Die Arbeit, jede Arbeit, und sei sie die Arbeit des letzten Holzkncchtes oder desersten Maschinenarbciters ist an sich gleich, daher keine unehrenhafte. Vor der Natursind alle Menschen gleich, Allen wurden Kräfte verliehen; gebraucht diese ein Jeder in derrechten, angemessenen Weise, dann wäre es des Menschen unwürdig, deßhalb Einen vor-ziehen und den Andern zurücksetzen zu wollen, weil seine Arbeit nicht so kunstvoll ist,als die des Ersten.

Die Arbeit im Vereine mit der Intelligenz ist der mächtigste Hebel zur Hebung derstaatlichen Bedeutung und des nationalen Wohlstandes. Lernt daher die Arbeit achten,und die Männer, durch die sie bewirkt wird, ehren!

Sowie die Arbeit des Menschen Beruf und seine Würde ist, so ist sie auch seinGlück; das Gefühl, zum allgemeinen Nutzen thätig gewesen zu sein, beglückt den Men-schen. Wäre das Bewußtsein, nützlich zu arbeiten, nicht ein süßer Lohn für die Mühenund Drangsale, mit denen die Arbeit verbunden ist, wie hätten Männer wie Gutenberg,Seunefcldcr, Watt, Jaquard und viele Andere ihre großen Aufgaben erfüllt, die Tau-sende von Hindernissen, mit denen ihr Weg versperrt war, überwunden?! Ohne diesesberuhigende und belohnende Gefühl mären sie es,zu erreichen nie im Stande gewesen.

Gewiß, das Loos der Arbeiter ^st schwer, schwer durch.die Unnatur der Verhältnissegemacht: aber desto größer ihr Lohn, wenn sie treu und redlich ihre Aufgabe erfüllen.

Ihr Männer der Arbeit, ihr Frauen und Mädchen der anstrengenden Thqjigleit,die ihr mit Noth, mit Entbehrungen kämpfen müßt, die ihr vielleicht auf die Schätze desReichen, des durch Zufall Reichen, mit Neid blickt; die ihr kummervoll durch Arbeit euerLeben erhaltet, Tage und Nächte darauf verwendet: die Hand auf's Herz! Wart ihrdabei nie glücklich? Sagt euch nie eine geheime Stimme den Lohn für all' die Leidenund Drangsale? Und wart ihr es nicht, dann beherzt das, daß ihr an der hohenAufgabe der Menschheit thätig seid, und das beglückende Gefühl wird nicht ausbleiben.Ehret die Arbeit, achtet euch in ihr! Auch bei uns wird die Stunde schlagen, wo manden Menschen nicht mehr darnach beurtheilen wird, was er jährlich zu verzehren Hat,oder wie viel Pferde er sich hält, nicht seinen Werth darnach messen wird' was er nichtthut, sondern darnach, was er gethan!

2 (Concerte für Pferde.) Englische LordS zeigen gewöhnlich viel Neignngzu excentrischen Einfällen, aber die übcl^pakknicsten Ideen besaß unzweifelhaft Lord Hol-land, ein Zeitgenosse William des Dritten. Eine seiner Licblings-Gewohnheitcn war es,seinen Marstall von Rennpferden einmal.in der Woche mit einem Concert zu regaliren.Zu diesem Behufe ließ er eigens eine Gallcerie erbauen, und er behauptete, daß dieMusik das Gemüth der Thiere erheitere unrd deren Temperament veredle.

Druck, Verlag und Redaction des Litcrarischen Instituts von itr. M. .yuttlcr.