Ausgabe 
29 (19.9.1869) 38
 
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auf einen Punkt, die E-scrsucht trat diese in's Spiel, dann war ihr Blick befangen,ihr ganzes Wesen der Argwohn selbst. Der Gedanke, daß ihr Mann treulos sein könne,und jetzt die Frucht eines verbrecherischen Verhältnisses geschickt in sein Haus einführenwolle, nagte weit tiefer an ihrer Brust, als es der sie hierin falsch beurtheilende Schmiedahnen konnte.

Und diese im Vertrauen auf das kindlich harmlose Gemüth seines WeibeS vernach-lässigte gründliche Erörterung der Sache, die allein alle Zweifel zerstreuen konnte undüberall im ganzen Leben der allein rechte, klar machende Weg, sollte für sie die Quellemanch' selbstquälerischer Stunden werden, weil sie niemals zu einem bestimmten festenResultate kam, und doch all' diese Zweifel-Gedanken vor ihrem Manne sorgfältig ver-schließen mußte, um ihn nicht aus's Tiefste zu verletzen.

Dem kleinen Ludwig ihren Argwohn entgelten zu lasten, hätte ihr warmes, gutesHerz nicht vermocht, vielmehr hegte und Pflegte sie ihn mit der vollsten, mütterlichstenSorgfalt, die selbst dann nicht den mindesten Abbruch erlitt, als sie nach einigen JahrenMutter eines lieben, hübschen Mädchens wurde.

Da hatte denn der herauswachsende Ludwig an der kleinen Ulrike, wie sie getauftworden, eine Spielgenossin, der er seine ganze Anhänglichkeit zuwenden konnte.

Der Garten war groß'genug für ihre kindlichen Träumereien, und da die verstän-dige Mutter so gern auf das Nützliche hinlcitete, so gab es für die Kleinen vollauf zusäen und zu pflanzen, und sie verträumten darüber das KriegSgetümmcl, das wieder involler Wuth durch die Lande zog.

Auch Sprottau war nicht davon verschont geblieben, denn der junge Herzog Boles-laus von Brieg lag mit dem Glogauer Herzog in arger Fehde, und kämpfte gerade indiesem Theile Schlesiens seinen harten Strauß glücklich zu Ende, so daß ihm sein Gegnerbedeutende Länderstrecken abtreten mußte.

Der Schmied hatte dabei auch viel Sorge und Unruhe gehabt, dennoch aber weni-ger gelitten, als viele Andere, weil seine Kunst in solch' unruhiger Zeit am Meisten inAnspruch genommen und geschätzt wurde.

(Fortsetzung folgt.)

Auch ein Bild aus dem Alpeuleben.

U. Vorn Wendelstein . Den vielen Bcstcigern des Wendelsteines sind diebeiden großen sogenannten Wette rlöcher, deren eines nahe der Spitze, das andeream Fuße des Kessels sich befindet, wohl bekannt. Am 5. September nun wollten zweiSennerinen von der Neinloch- (Reindler) - Alm in den Heimgartcn nach den Audorfcr-Almen gehen. Als sie an dem unteren Wctterloch vorbeikamen, hörten sie aus der Tiefeein jämmerliches Geschrei, und ihr geübtes Ohr erkannte sogleich die Stimme eines seiteinem Tage vermißten Kitzböckleins. Die jüngere Sennerin (aus Branncnburg) warrasch entschlossen, das Böcklein zu retten. Sie kehrte sogleich um, vertauschte das Sonntags-kleid mit der Arbeitshose, und rief die beiden andern Nachbarinnen der Rcinloch-Alruund zwei kräftige Bursche, die zufällig in der Nähe waren, zur Hilfeleistung herbei.Mit einem starken, 16 Klafter langen Seil gingen sie nun zusammen zum Wetterloch.Da der abschüssige Rand desselben auf drei Seiten mit kurzem Gras bewachsen war,wo die das Seil Haltenden keinen festen Fuß fassen konnten, so mußte das Hinablassenüber die Felsen, hart am Steige, geschehen. Unbedachtsamer Weise legte man dermuthigen Sennerin das Seil in einer Schlinge mitten um den Leib, statt eine Artfliegenden Sessels, wie ihn die Dachdecker haben, herzustellen. Als daher das ganzeGewicht des Körpers frei in der Luft schwebte, schnitt das Seil stark ein, und die Sennerinrief den oben Stehenden zu, rascher nachzulassen. In einer Tiefe von etwa 30 Fuß kamsie auf festen Boden, der aber eine steilc, mit altem Schnee bedeckte schiefe Ebene bildete.