Ausgabe 
29 (19.9.1869) 38
 
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Und der Name des Professors?"

Roonay!"

Da hätte ich große Lust, einen Cursus mitzumachen und die Früchte hinterhersofort schriftstellerisch zu verwerthen."

Thun Sie das!"

Ich werde mich aber beeilen müssen!"

Warum? Glauben Sie, die Plätze werden rasch vergriffen und belegt sein?"

Das weniger, aber die Polizei wird die Akademie so rasch wie möglich schließen!"

Die Polizei? Gott bewahre, Noonay wird sich schon vorgesehen haben, um mitden Gesetzen nicht in Conflict zu gerathen."

Schon am andern Morgen suchte ich den Professor Roonay auf. Ich glaubte nichtim Mindesten an seine Existenz, sondern rechnete einfach die Anzeige hinsichtlich derEröffnung der Bettler-Akademie zu jener Unsumme von frechen Annoncen, wie sie dieThemsestadl täglich in die Spalten der Zeitung fördert. Ich sollte aber dieses Malnichts weniger als hinter's Licht geführt werden. Nach einigen Kreuz- und Qucrfahrtenstand der Professor Roonay in eleganter Tracht leibhaftig vor meinen verwundertenBlicken.

Womit kann ich dienen?" fragte er bei meinem Eintritt und erhob sich vonseinem Sitze.

Die plötzliche Frage machte mich befangen.

Ich wünsche an den Borlesungen über die Kunst, mit Erfolg zu betteln, Theil zunehmen," sagte ich nach einigem Besinnen.

Bei den Worten: mit Erfolg, mußte ich unwillkürlich lächeln.

Roonay fixirte mich scharf, dann sagte er streng und monoton:Sie sind nichthierher gekommen, um das Betteln fortan zu ihrer Lieblingsaufgabe zu machen, um cSals eine Kunst in vollster Bedeutung des Wortes zu üben. Nur die Neugier hat Siezu mir geführt. Ist cs nicht so?"

Ja, es ist so!" erwiderte ich.Dennoch" setzte ich rasch hinzuhabe ichSie mit dem festen Entschluß aufgesucht, die Vorlesungen zu besuchen und einen Platz zubelegen. Ich kann sofort die nöthige Summe deponircn."

Bei diesen Worten zog ich meine Börse.

Lasten Sie das Geld nur in der Tasche," sagte Noonay fast verächtlich, undmachte eine abwehrende Bewegung mit der Hand.Ich kann Ihnen mchc gestatten,Ihren Namen in meine Register einzutragen, weil ich nur Diejenigen in mcuw Akademieaufnehme, welche mit dem festen Willen zu mir kommen, fortan nur auf dem Wege, denich ihnen vorzcichne, zu wandeln."

Ich will aber," fuhr Roonay fort,einmal, ich sage einmal, eine Ausnahmemachen und Ihnen mein Institut zeigen, damit Sie zu der Einsicht gelangen, daß derHumbug in London doch nicht so großartig ist, wie ihn die ausländische Presse wohlhinstellen möchte. Bitte, folgen Sie mir."

Ich hatte gar keine Zeit, mich von meinem Erstaunen zu erholen. Noonay öffneteeinen umfangreichen Saal, die Aula der Bcttlerakademie. An dem hinten reich decorirtenEnde stand unter einem Caudclaber das Pult des Redners. An den Wänden hingenrings trefflich ausgeführte Bilder, welche die Art und Weise des Bettelns darstellten, wiees in den verschiedensten Ländern von der frühesten Zeit bis auf die Gegenwart geübtwurde. Die Sammlung machte fast auf einen bedeutenden historischen Werth Anspruch.

Jene Breitseite des Saales umfaßt allein London, " sagte Noonay und deutete aufdas bettelnde London in Bildern.

Daran reiht sich Irland in einer nicht minder reichen Bezifferung," fuhr er fort,und deutete mit Wohlgefallen nach den betreffenden Bildcrreihen.

Roonay öffnete jetzt einen zweiten Saal; er enthielt erst die eigentlichen Hilfsmittel