Ausgabe 
29 (24.10.1869) 43
 
Einzelbild herunterladen

Ni-O. 43.

24. Octbr. 1869.

Gibt nicht der Hagedorn einen süßern SchattenDem Schäfer, der die fromme Heerd erblickt,

Als wie ein reich gestickter BaldachinDem König, der Verrath der Bürger fürchtet.

Shakespeare , Heinrich VI., Z Theil Akt 2. Scene 5.

D i e H a n d.

Historische Novelle von Ludwig Habicht .

(Fortsetzung.)

Georg wurde durch das schroffe Auftreten Ludwig's seine eigentliche Mission in'sGedächtniß gerufen, die er über einer so heftig aufgeloderten Leidenschaft beinahevergessen hatte.

Jetzt, da ihm Ludwig feindlich in den Weg trat, mahnte es ihn doppelt, daß esseine Aufgabe fei, sich des Burschen zu entledigen.

Es war nicht seine Art, Auftrüge gewissenhaft zu erfüllen, er behandelte gern Allesso obenhin, und nur so lange ein beobachtend Auge auf ihm ruhte, rüstete er mit uner-müdlichem Eifer und großer Umsicht, aber wenn er auf dem Sattel saß und dem Späher-blicke entschwunden, überließ er sich völlig seiner leichtsinnigen Natur, die ihn in gedanken-zloser Laune, ganz wo anders, nur nicht au das ihm gestellte Ziel hintricb.

Zurückgekehrt, wußte er dann mit beredter Zunge die fabelhaftesten Berichte abzu-statten, und diese so früh geübten Pagenstreichc waren ihm endlich zur zweiten Naturgeworden.

Diesmal hatten ihn die Flammenaugcn der Croatin auf längere Zeit an seinenAuftrag gefesselt, aber als er in die blauen, freundlichen Augen Ulrikens geblickt, warihm Alles rasch in Vergessenheit gerathen. Für ihn gab es keine Vergangenheit, keineZukunft, nur die Gegenwart war sein, und er besaß jene liebenswürdige Sehnsucht, dieso eifrig für das eigene Wohl zu sorgen weiß, daß kein fremdes, wenn auch nur Augen-blicke lang, sich Geltung zu verschaffen vermag.

Ihm fehlte eine Cardinaltugend, die vor leichtsinnigem Versinken in das Schlechteschützt Gewissenhaftigkeit.

Aber jetzt, der Gedanke an die unliebsame Erscheinung Ludwig's, die entfernt werdenmußte, brachte ihn auf die Herzogin, deren Wunsch es ja eigentlich auch war, wie ihmeinfiel und welcher heiße Wunsch! er sah wieder die dunkeln Augen, hörte diebrennenden Lippen flüsternAlles" und wie Feuer stürmte es durch sein Blut.

Ah, ich Thor," rief er lebhaft aus,wie konnte ich vergessen, was mir winkt!Du stolze Herzogin, wüßtest du, wie sich jetzt unsere Wünsche vereinigen, du würdestweniger freigebig gewesen sein. Ich kühle mir mein Müthchcn au dein hartnäckigenBurschen und dann wird es mir noch zum Schlüssel für ein anderes köstliches Glück,es gilt rasch handeln, ehe der gute Gedanke verdampft!"

Es war im Walde wieder Holz einzukaufen und da sich der Schmied nicht ganzwohl fühlte, so beeraute er Ludwig mit dem Geschäft.

Du kannst dann die Stelle wieder aufsuchen, wo wir dich im Frühstückskorbefanden!" sagte er scherzend zu Ludwig, denn er hatte sie ihm schon früher gezeigt.

Ludwig mochte mehr Spott als Scherz darin finden und schwieg.