Ausgabe 
29 (21.11.1869) 47
 
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so gern auch diesen süßen Wahn benommen, wen» sie gedurft, doch die Zeit drängte

^ und sie herrschte jetzt dem Ritter zu:Nasch, rasch, wir haben nicht Lust zu warten!"

Georg hob gedankenlos das Schwert, blickte noch einmal auf, wie ein Ertrinkender,! der nach einem Strohhalm ausspäht, und ließ den Arm wieder sinken.

Bist du toll?" wüthete die Herzogin,soll ich dich mit Ruthen peitschen lasten?"I Es mußte geschehen er faßte entschlossener, kräftiger das Schwert da plötzlich

< erblickte er Boleslaus aus dem Thore des Schlosses tretend, und sogleich schoß ih«blitzschnell ein Gedanke, der sie Alle retten mußte, durch den Kopf.

Der Herzog hatte von einem Fenster seines Schlosses aus dem Schauspiel zugesehen,und kam jetzt in der Absicht, dem auf's Höchste getriebenen Spiel ein Ende zu machen.

> Für einen Fluchtversuch war der Tod doch allzu grausam und schon diese ernste

Drohung Strafe genug. Dem Willen seiner Frau war Genüge gethan, und er wollte

> jetzt dem Gefangenen unter dem Beding, in seine Dienste zu treten, Leben und

k Freiheit schenken.

(Fortsetzung folgt.)

Beispiele hohen Lebensalters in Großbritannien . Busfon undHaller haben behauptet, das theoretische Lebensalter der Menschen sei 90 bis 100 Jahre.Ein Hund nämlich erreiche in 2 Jahren die Altersreife und lebe dann 5- bis 6mal solang als seine Entwickelung dauerte. Das Pferd sei mit 4 Jahren ausgewachsen undgenieße eine Lebensdauer von 25 bis 26 Jahren. Folglich, meint Busfon, wenn demMenschen kein Unfall sein Dasein verkürze, so mäste er 6 bis 7mal so lange leben, alsseine Entwickelung dauere, nämlich 90 bis 100 Jahre. Den Untersuchungen über hohesLebensalter haben die Engländer großen Geschmack abgewonnen, und das Beste, was ihreältere wie neuere Literatur enthält, ist jetzt von einem Essayisten des Quarterly Reviewzusammengestellt worden.

^ Gewiß ist eins: wer hundert Jahre alt werden will, darf eine Krone nicht trage»

und nicht Prinz von Geblüt sein, denn seit Christi Geburt kennt die Geschichte nicht eine»beglaubigten Fall, daß irgend ein Glied irgend eine Dynastie das Alter van l 00 Jahre»erreicht hätte. Die drei ältesten Leute der englischen Geschichte sind die Gräfin von DeSmond,deralte Parr" und Henry Jenkins. Der Mädchenname der genannten Dame war KatharinaFitzgcrald. Sie soll im Jahre 1465 geboren worden sein und zählte 124 Jahre, als SirWalter Naleigh 1589 ihre Bekanntschaft machte. Daß sie von 1599 bis 1608 in Irland lebte, steht fest, und daß sie 140 Jahre alt wurde, darf noch mit Beruhigung angenom-men werden, ebenso daß ihr im hohen Alter frische Zähne nachwuchsen. Unbeglaubigtdagegen ist, daß sie in einem Alter von 150 Jahren nach London reiste und ebenfallsnur eine ausgeschmückte Ueberlieferung scheint es zu sein, daß sie schließlich ihr Ende durcheinen unglücklichen Fall von einem Nußbaume fand. Ueber Henry Jenkins Alter herr-schen leider Zweifel. Er war ein Zeitgenosse von Thomas Parr , welcher letztere, geboren1483, neun Jahre zählte, als Amerika entdeckt wurde und bis in die Mitte des 30jährigenKrieges lebte. Er hcirathete erst in dem reifen Alter von 80 Jahren und überlebte seineFrau nach 32jähriger Ehe. Nach achtjährigem Wittwerstand schritt er, 120 Jahre alt,zur zweiten Ehe mit einer Dame, für die er schon zu Lebzeiten seiner ersten Frau geschwärmthatte. Nach dieser zweiten Hochzeit lebte er 32 Jahre, im Ganzen 152 Jahre, und viel-leicht hätte er es noch weiter gebracht, wenn ihn nicht Carl von Arundcl als eine Art^ Curiosität nach London geschleppt und wie ein Menageriestück am Hofe Carls I. gezeigt

t hätte. Er wurde dort gefüttert mit dem Besten was zu haben war, und dadurch zog

^ er sich einverfrühtes" Ende zu, denn der berühmte Physiolog l>r. Harvcy (der Entdecker

' des Prinzips der Blutcirculationj der seine Leiche öffnete, versicherte, daß, wenn der Man»

* i» seiner ländlichen Lebensweise nicht unterbrochen, sei» tägliches Brod nach wie vor mit