Ausgabe 
29 (21.11.1869) 47
 
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Dem konnte der Herzog nicht länger widerstehen, und er gab rasch und flüchtigwie um sich Ruhe zu verschaffen, seine Einwilligung.

Die Croatin triumphirte jetzt war sie am Ziel und ihre Opfer für immer ver-nichtet. Sie ließ mit dem Grauen des Morgens alle Anstalten treffen und verkündeteden Gefangenen ihr Urtheil.

In Ludwig's Augen leuchtete es wunderbar auf, als lösten sich mit diesem Wortedie Ketten und er würde dennoch frei. Sterben war ja sein heißester, sehnlichster Wunsch,er begrüßte den Tod mit Freuden.

Die Croatin bemerkte dies, und um ihm wenigstens die letzten Augenblicke zu ver-gällen, wendete sie sich an die schweigend dastehende Hcdwig und sagte:Du magstZuschauerin des Schauspiels sein und ihm das Haupt zurecht legen, daß es der Henkersicher trifft."

Der Pfeil prallte ab. Hedwig's Lippen verzogen sich nur zu einem verächtliche»Lächeln, stolz und kalt ruhte ihr Auge auf der Croatin und schien zu sagen:Was dumir zur Straf' ^usgesonnen, ist mir eine Wohlthat, ich bin stark genug, ihn sterbe»zu sehen."

Nur Georg war von dem Urthcilsspruch wie niedergedonnert.

Er wollte um Gnade flehen, aber er sah dies steinerne, felsenharte Gesicht, dierachefunkelnden Augen und fühlte, daß jede Bitte an einem solchen Stahlpanzcr abprallenmußte; dann dachte er ihrer Forderung zu trotzen und lieber den Tod zu suchen, alsdiese Schmach auf sich zu laden.

Aber sterben! vielleicht unter den gräßlichsten Martern sterben, wie's ihm daeiskalt über den Rücken lief; er war nicht der Mann dazu, um seiner Ehre willen denMärtyrer zu spielen!

Daß die Croatin ihn dessen ungeachtet zum Tode bestimmt hatte, daran dachte ernicht. Bleich und zitternd, halb mechanisch, befolgte der Eingeschüchterte die Befehle derCroatin.

So viel der Schloßhof Leute fasten konnte, so viel standen neugierig umher, umauf das ungewohnte Schauspiel zu sehen. Alles war jetzt vorbereitet zur schmachvolle«That; die Herzogin gab ein Zeichen^ von zwei Henkersknechten begleitet, schwankteGeorg auf den Richtplatz, und wenn man nicht in seiner Hand das blanke, funkelndeSchwert gewahrt, man würde versucht gewesen sein, ihn für das Opfer und den soruhig dastehenden Ludwig für den Vollstrecker des Urtheils zu halten.

Ein lautloses, tiefes Schweigen trat ein; aller Augen ruhten erwartungsvoll aufdie in der Mitte Stehenden.

Hcdwig trat noch einmal an den Geliebten heran und sah ihm fest und ruhig in'sAuge. Kein Zucken ihres Mundes verrieth den wilden Schmcrzens - Aufschrei ihres Her-zens, und sie sagte mit weicher, klangvoller Stimme, die nicht das mindeste Zittern ver-rieth:Leb' wohl, Ludwig! Verzeih', daß ich dich nicht retten, nicht glücklich mache»konnte, trotz meiner heißen, unendlichen Liebe!"

Leb' wohl, Hcdwig! Wie ist der Tod so süß, wo's keine, keine Hoffnung gab!"erwiderte Ludwig.

Mit eisigem Lächeln blickte die Croatin auf die Scene, während von manch' ge-bräunter Wange eine Thräne der Rührung hcrniederfloß; denn gerade solch' festes, ruhigesAusharren im Unglück, das packt und erschüttert die starren Herzen.

Jetzt an dein Werk, Herr Ritter!" herrschte die Unbeugsame Georg zu, der i»Verzweiflungs-Qual vergeblich nach Haltung und Fassung zu ringen versuchte.

Ludwig kniete auf den Holzblock nieder, den Todcsstreich zu empfangen, nachdem erseinem Henker vorher die Hand geschüttelt und lächelnd gesagt:So thust du mir dochnoch einen Freundschaftsdienst, redlicher, lange verkannter Mann, nun säume nicht!"

Die Croatin lächelte über den Irrthum des Verurtheilteu dämonisch, und hätte ihm