Ausgabe 
29 (21.11.1869) 47
 
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Daß nur eine glühende Liebe Hedwig zu einem solchen rücksichtslosen Streiche ver-leitet haben konnte, durchschaute die Croatin augenblicklich, und so stand es bei ihr fest,Ludwig mußte als Flüchtling gerichtet werden, das war das einfachste, sicherste Mittel,ihn für immer aus dem Wege zu schaffen, und auch Hedwig, die schöne Feindin, wurdedamit in's Herz getroffen.

Für Georg hatte sie etwas ganz Besonderes ausgesonnen; der Blutscheue sollteseinem Schicksale nicht entgehen und er selbst an Ludwig die Hand anlegen seinHenker werden.

Hatte er sich zu diesem schmachvollen Werke brauchen lasten, dann wurde auch erbei der ersten passenden Gelegenheit beseitigt und Alles war für immer in Nacht gehüllt.

Zunächst galt es, von Boleslaus dasTodcsurtheil" seines so lange ersehnte»Sohnes zu fordern.

Sie eilte, ganz mit der Ausführung ihres Planes beschäftigt, zu ihm und erzählteihm den Vorfall.

Dieser hörte kaum darauf, erst als sie von der Gefangennehmung Hedwig's sprach,wurde er aufmerksam und jubelte:Hedwig gefangen, ist es wahr?"

Als die Croatin es noch einmal bejahte, athmete er hoch auf, als sei ihm eiuc rechtschwere Last vorn Herzen genommen und sagte:Nun ist Alles gut."

Er knüpfte daran die Hoffnung nahen Friedens, denn mit diesem Pfand in Händenmußte der Glogauer seine Forderung bedeutend hcrabstimmcn.

Die Croatin wollte die gute Laune des Herzogs schnell benutzen, ihn zur Bewilligungihres Urtheils zu bewegen und sagte:Aber der flüchtig gewordene Gefangene mußgerichtet werden und der Schurke Georg soll das Henkeramt übernehmen."

Warum das?" fragte der Herzog erstaunt.

Du fragst? Zu ihrer strengen, gerechten Strafe!"

Weil der Arme die Flügel geregt, als sich ihm der Käfig geöffnet? Katharina,das wäre hart und grausam!" °

Jetzt in seiner glücklichen Stimmung fühlte der Herzog so ganz den Werth derFreiheit, war's ihm doch in der belagerten Stadt zu eng geworden und er solltees Jemand verargen, der die Kette seines Gefängnisses glücklich abgestreift und fliehe«gewollt? Er wußte einen solch' kühnen Streich zu schätzen und fügte deßhalb hinzu:

Das ist ja ein kecker, tüchtiger Bursche und für's Richtbeil zu gut, wir könne«ihn selbst noch brauchen."

Die Croatin crschrack, eine solche Wendung durfte die Sache auf keinen Fall nehmenund sie entgegnete deßhalb fest und entschieden:Boleslaus, sollen wir die Verräthernutzlos füttern, während unsere Bürger leiden?"

Ach, zwei Magen mehr oder weniger, was thut das?"

Wohl thut es viel, es weckt Entrüstung über solch' thörichte Schwäche."

Sie müssen unsern Leuten zur Genugthuung fallen," fuhr sie scharf und schneidendfort,ließ doch der Glogauer jüngst die armen Bursche auch hängen, die ich ihm zuge-schickt. Wir wollen nur Vergeltung üben!"

Laß das! stacheln wir den Feind nicht mehr auf, als nöthig ist," war diebeschwichtigende Antwort des Herzogs.

Nein, wir müssen zeigen, daß wir ihn nicht fürchten, und ihn durch den Todeines seiner geschicktesten Feldhauptleute entmuthigen."

Boleslaus war schon halb besiegt. Die Croatin fügte schmeichelnd hinzu:Sieh,du weißt, daß ich immer das Rechte treffe. Du bist oft zu gut, das taugt nicht; habe«sich nicht meine Anordnungen stets bewährt? Laß mir nur freie Hand; ich bringe dirjetzt diese Freudcnpost, und du trittst mir so schroff dort entgegen, wo es sich um bei»eigenes Wohl handelt?"