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war sonach das Klügste, und indem er noch ängstlich ausrief: „Ihr seid verloren, wennihr nicht eiligst die Mauer sucht!" eilte er hinweg, sich in's Schloß zu schleichen uvd sssich in Sicherheit zu bringen.
Aber gerade am Ende des Parkes kam er der wüthenden Croatin in den Wurf.Sie war so eben mit entblößtem Dolch zu dem Gefängnisse Ludwig's geschlichen, weraber malt ihr Erstaunen, als sie das Gemach leer und den Gefangenen verschwunden fand.
„Ah, dieser Teufel von Georg ist mir zuvorgekommen," schäumte sie in höchsterErbitterung; „ich zermalme ihn, wenn er in meine Hände füllt, er hat ihm zur Fluchtverhelfen, weil er Unrath gewittert, wehe ihm!"
Einen Augenblick blieb sie starr und stumm, ihre Lippen zuckten krampfhaft, dannwarf sie sich auf ein Pferd, ließ so viel Leute aufsitzen, als nur in der Eile aufzutreiben,und jagte mit ihnen in den Park.
Dort traf sie zu ihrem unaussprechlichen Jubel auf Georg, der sich in Sicherheitzu bringen trachtete.
Sie wollte vom Pferde steigen und ihm den Dolch in's Herz stoßen, besann sichaber plötzlich und befahl Einigen ihrer Begleitung, den Schurken zu knebeln. Dann setztesie hinter den übrigen Flüchtlingen her, auf deren Spur sie bald gekommen.
Diese hatten bereits das Ende des Parks erreicht, — nur noch wenige Schritte biszur Mauer, und sie waren dem Bereiche jeder Verfolgung entrückt und in Sicherheit. —Jetzt hörten sie die Verfolger immer näher hinter sich, — und Wenzel so wie Hedwigdrangen ängstlich auf die größte Eile.
„Wenn wir nur die Mauer erreichen, dann sind wir gerettet," — sagte Wenzeldrängend und schritt in ungeduldiger Hast voran, während Ludwig durch seine schmerzen-den Wunden gehindert, nicht so rasch zu folgen vermochte, und mehr von Hedwig undihrem Diener getragen wurde, als sich selbst fortbewegte.
„Mein Gott, Ludwig, nur nicht untergehen, so nahe dem Ziele. Raffe deine letztenKräfte zusammen und wir sind gerettet!" ruf Hedwig in voller Seelenangst aus.
„Ich kann nicht weiter!" flüsterte Ludwig halb besinnungslos.
„Hedwig! ich ziehe dich und euch Alle nur mit in den Abgrund. Laßt mich hier.Allein könnt Ihr noch die Mauer erreichen."
„Nein, nimmermehr, nicht ohne dich, das hab' ich mir geschworen!" — entgegncteHedwig bestimmt.
Ludwig versuchte noch einmal sich aufzuraffen, brach aber sogleich wieder zusammen.Nur wenige Augenblicke Verzug und sie waren unrettbar verloren. Wenzel setzte schonden Fuß auf die Mauer, sie zu erklimmen, und beschwor Hedwig, ihm zu folgen, sichnicht unnütz zu opfern, vergebens!
Sie schüttelte schweigend das Haupt und beugte sich mitleidig nur noch tiefer überden Zusammengesunkenen.
„Nun denn, so muß ich dich deinem Geschicke überlasten, es mit dir theilen, darfich nicht. Dieser Croatin will ich nicht um alle Schätze der Welt in die Hände fallen."
Mit diesen Worten erklomm Wenzel in demselben Augenblicke, als die Verfolgerbei den Zurückgebliebenen angekommen, mit Leichtigkeit die Mauer, rief dann noch cr-muthigend zurück: „Ich rette dich!" — und erreichte glücklich die andere Seite, um sichauf das zurückgelassene Pferd zu schwingen und davon zu jagen.
Die Croatin rief jubelnd aus: „Das ist prächtig, wir fangen ja mehr ein, als«nS entflohen."
Sie hatte Hedwig sogleich erkannt, waren sie doch Beide in gewisser Hinsicht Riva-linnen, die sich schon im Kampfe gesehen. Denn Hedwig wurde im feindlichen Lager«beuso als Heldin gefeiert, wie dies in der Stadt mit der Croatin der Fall war. -
Sie mußte dem jugendfrischen Mädchen ihre Schönheit neiden und freute sich, sie i»ihrer Gewalt zu haben.