Ausgabe 
29 (21.11.1869) 47
 
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schwindelhasten Aberglauben früherer Zeit gehört auch das, was ein deutscher Arzt Cohauscuin seinem Hormippus rvclivivus oderdes Weisen Triumph über hohes Alter und Grab"behauptet hat. Elodius Hermippus soll nämlich 115 Jahre geworden sein, und diesesKunststück ausgeführt haben zufolge einer dem Aeskulap geweihten Tafelpuellnrumiinlwlilu", oder wie andere lesen ,.puvioruu> Iislitu", was so ziemlich auf dasselbehinauskommt. Von einem reichen Banguier in Deutschland wußte die ganze Stadt, inder er lebte, daß er,um sich jung zu erhalten," immer junge frische Mädchenlionni«oit qui mal v peusu neben sich schlafen ließ, folglich hielt er sich an die Lesartpuollrirum nnlx'lllu. Der gute Mann hätte aber jedenfalls bester gethan, ganz alleinin einem hohen Zimmer zu schlafen, denn jede ausgcathmctc Lust, auch die Luft jungerund frischer Mädchen ist Gift im Vergleich zu reiner Luft. Der Minorit Roger Baco und sein Namensnachfolgcr Lord Baron glaubten beide an die Möglichkeil von Lebcnselixiren.Paracelsus (1493 im Conton Schwyz geboren) soll auch einen solchen Trunk besessenhaben, und würde, wenn er in seinem Gebrauch nicht gestört worden wäre, wahrscheinlichnoch jetzt leben, so aber ist er erst 48 Jahre alt am Fieber gestorben. Thomas Baughan,geboren 1612, verordnete eine Kost von Hühnchen, die mit Vipern gemästet, dann gegeißelt,geköpft und gelinde in einem Topf mit Rosmarin und Fenchel gekocht werden sollen.

Fragen wir nun die Physiologie, was den eigentlich das Altern sei, so sagt die einfachund bündig: Ausartung der Zcllcubildung. Würde heute ein Elixir gegen diese Ausartunggefunden werden, sicherlich möchte der Zlauuf zu dem Wunderdoktcr sehr groß sein. Nungehe man aber herum und frage der Reihe nach, wer wohl sein Leben noch einmal vomAnfang bis Ende durchzuleben wünsche. Junge Leute freilich wohl viele, ältere vielweniger, sehr alte vielleicht gar nicht. (Nach d. Ausland.)

Sonntags

O heiß ersehnter Sonntags-Morgen!

Wie eine Mutter sanft umfängt

Den Sohn, der fern, gehetzt von Sorgen,

Zur Heimath seinen Schritt gelenkt:

So breitest du mit mlldem LächelnDen Arm um mich zur süßen Ruh',

Und deine thau'gcn Lippen fächelnDer heißen Stirne Kühlung zu.

Der ird'schcn Sorgen Furien jagenDen Sohn der Arbeit fort und fort.

Und das Gemüth, gehetzt, zerschlagen.Ersehnt umsonst den Fricdensport

Da hauchst du, gold'ncr Sonntags-Morgen,DeinFriede mit Euch!" in die Welt,

Und das Gemüth fühlt sich geborgen;

Die es umschloß, die Kette fällt.

- Morgen.

O welches Glück, sich selbst gehören.Wenn wir entronnen rauhem Zwang,

In das Gemüth tief einzukehren,

Zu lauschen seiner Glocke Klang.

Da sprießt die Quelle hoher Freuden,

Die nie versiegt in Lebens Gluth,

Sprießt Balsam auch für herbe Leiden,

Zu neuen Kämpfen frischer Muth.

Sei, SonntagS-Morgen, mir gcgrüßet.Du Bote Gottes, licht und hehr.

Der mich mit weichem Arm umschließet.Wenn mir das Haupt von Sorgen schwer,Der von dem ew'gen Sonntags-MorgenDem Herzen sel'ge Kunde thut.

Da es, vor jedem Sturm geborgen,

In Gottes Vaterschooße ruht.

(Eine gesegnete Familie.)Billets für fünfzehn Personen und neunund-drcißig Billets für Kinder unter sieben Jahren," sagte neulich ein Reisender, der vomSalzsee kam (dem Lande der Mormonen), zu dem Billeteur einer Eisenbahn-Station inMassashusets.Wenn es für eine Pension oder sonst eine Anstalt gehört, so darf ichIhnen einen Rabatt am Preise der Billets bewilligen!" sagte der Beamte zuvorkommend. »Ach, was Pension, was Anstalt! Ich habe die Billets für mich, meine Frauenund meine Kinder verlangt!" rief der entrüstete Jünger Brigham Poungs