Ausgabe 
29 (21.11.1869) 47
 
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Den mannigfachen Bestrebungen unserer Zeit gegenüber, welche auf eine Eman»zipationder Frauen (und zwar selten in der edlen Richtung, welche die ebenerwähnten amerikanischen Lehranstalten zum großen Theil hicbei verfolgen) hinzielen, isteS vielleicht nicht uninteressant, auch einmal die Stimme einer Frau zu hören, die sichim entgegengesetzten Sinne ausspricht. Eine amerikanische Dame, Miß Emma Webb,hielt kürzlich in Brooklyu einen Vortrag überdas wahre Rittcrthum des Weibes."Dieß Ritterthum ist nach ihrer unmaßgeblichen Meinung in der Liebe, im Zander derächten, edlen Weiblichkeit enthalten, und sie sagt unter Anderem:Ich kenne keinenwiderlicheren, keinen abstoßenderen Anblick als den eines Mannes, der sich zum Weibe zumachen sucht wenn es nicht etwa der eines WeibeS ist, das sich zum Manne zumachen bestrebt. Solche geistige, sittliche und berufliche Verirrungen sind stets wider dieNatur, und wo sie nicht der Thorheit entspringen, da müssen sie ihren Grund in derVerdcrbniß haben. Die zarte, sanfte, überzeugende Gewalt der Anmuth macht das Weibtausendmal mehr fähig, den starren Sinn des Mannes zu beugen, als die klobigenArgumente der starkgeistigcn oder vielmehr starkzringigcn Weiber, welche sich jetzt in derWelt breit machen. Die Zunge eines zornigen Weibes ist in der Gesellschaft dem Mannegegenüber so machtlos, wie das Lächeln der Liebe, und Bescheidenheit allmächtig ist. DasWeib übt mindestens eben so viel Despotismus über dtn Mann aus, wie der Mannüber das Weib. ES gibt auf der Welt keinen solchen Gewalthaber, wie die Frau essein kann, wenn sie will. Aber ihre Herrschaft muß sie mit Sanftmuth und Liebens-würdigkeit ausüben. Gelüstet es den Frauen nach einer noch weiteren Ausdehnung ihrerfast schon unumschränkten Gemalt? Durch Theilnahme an öffentlichen Bersammlungenkönnen sie nicht dazu kommen, sondern nur die Macht verlieren, welche sie jetzt besitzen.Durch den Stimmzettel wird das Weib nie eine solche Macht über den Mann ausübenkönnen, wie sie es jetzt durch den Zauber der Weiblichkeit thut. Ein einziges gebildetes,bescheidenes, hingebendes Weib wird im häuslichen Kreise, wenn sich ihr die Gelegenheitdazu bietet, mehr auf die Gesetzgebung des Landes influiren können, als zehntausendBlaustrümpfe, welche ihrem Herzen auf Konventionen Luft machen."

Störe nicht

Siehst du den Schlaf auf einem Angenlidc,O, stör' ihn nicht, wenn deinen Feind er auchUmweht mit seinem sanften Balsamhauch,

In des Vcrgefsen's Wunderqucll ihn badet!

O, stör' ihn nicht, und hemme deine Schritte!Verscheuch' ihn nicht! mit dieser frommenBitte

Spricht jeder Athemzug des Schlaf's dich an.Leis', auf den Zehen schleich an ihm vorüber.Und wünsch' ihm, daß kein Traum, keinbanger, trüber,

Eich neidisch möge feinem Frieden nah'n.

im Schlaf.

Bei jedem Schlafe hält ein Engel Wacht,Der legt die Finger auf die Lippen sachtUnd winket schweigend dir: Sei stille! zu.Auch selbst bei dem entschlaf'ncn MissethäterWacht er, ein ernst versöhnungsvoller BeterUm Fricdcn für die Seele ohne Ruh.

Ja, heilig ist der Schlaf, wie die Natur,Wie das geheime Wachsthum auf der Flur,Das leise webt im Blatt und in der Blüthe;So ist auch er ein still geheimes Weben,Und keine Waff' ist ihm zum Schutz gegeben.Hast du vor ihm nicht Ehrfurcht im Gemüthe.

Wenn Geliert bei irgend Jemand zur Tafel geladen war, so erschien er immermit unter den ersten Gästen.Ich thue dies aus Politik," sagte er,denn dieViertelstunde, die Jemand in Gesellschaft auf sich warten läßt, wird leicht zur Auf-suchung oder Andichtung von Fehlern angewandt!"

Druck, Vorlag und Redaction des litterarischen Instituts von t)r. M. ^»ttlec.