Ausgabe 
29 (28.11.1869) 48
 
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I^ro. 48.

Augsburger

28. Novbr. 1869.

latt.

Wer klügelnd abwägt und dem Ziel entsagt,Weil er vor dem, was nie geschehn, verzagt,Erreicht das Grüßte nie.

Shakespeare , Ende gut, Alles gut.

Akt 1, Scene I.

Die Hand

(Fortsetzung.)

Noch ehe die Croatin den Herzog gewahrt, rief Georg, dem der drängende Augen-blick ungewöhnlichen Muth verlieh, mit lautschallcndcr Stimme:

Boleölaus, rette deinen Sohn! Der Vcrurthcilte ist Ludwig, den du solange gesucht."

Die letzten Worte schon erstarken auf seinen Lippen, denn der Dolch der wüthendauf ihn zugesprungenen Croatin saß ihm tief in den Rippen:Hier deinen Lohn, duelender Wurm!" schäumte sie ihrer Sinne kaum mächtig.

Das war so blitzschnell, so unerklärlich an den Zuschauern vorüber gegangen, daßdiese kaum den Vorgang wahrgenommen.

Der Herzog trat jetzt auf die Scene; zum ersten Mal überkam ihn ein tiefer Abscheuvor dieser blutgierigen Megäre.

Was ist hier vorgefallen?" fragte er finster und streng.

Der auf den Boden gesunkene Georg versuchte zu sprechen und stammelte:Nettedeinen Sohn!"

Die Croatin versuchte vergeblich ihn zu überschreien.

Der Herzog, aufmerksam geworden, gebot ihr rasch und entschlossen Schweigen undbeugte sich über den Sterbenden, um sein Geflüster zu verstehen. Dieser zeigte auf denbefremdet darein schauenden Ludwig und wiederholte:Es ist dein Sohn, dein verlorenerLudwig ich sollte ihn todten, die Croatin wollt's, o hätte ich sie nie gesehen!"Dann drückte er kramphaft die Hand auf die Brust, wie um den hervorquellenden Blut-strom zu stillen.

Georg, fasele nicht solch' dummes Zeug rede vernünftig das wäre meinSohn?" cntgegnete der Herzog halb zweifelnd, halb hoffend.

Ruf' ihn nur her und ziehe sein Hemd von der Brust," keuchte Georg mühsamhervor;das Mal!"

Haj wär' es möglich? Das Mal!" Mit diesem Ausruf stürzte Bolcslaus ausLudwig zu und jubelte gleich darauf, als er das Mal erblickte, mit tief auS dem Herzenkommender Stimme:Gefunden! mein Sohn, mein Sohn!" Er umarmte ihn unterThränen freudiger Rührung, kniete dann nochmals vor Georg nieder und fragte wieder-holt:Ist er auch wirklich mein Sohn?"

Zweifelst du noch? Ich hab's genau erforscht uud schwöre dir bei Allem,was heilig."

Ja, es ist wahr, mit einer Lüge auf den Lippen geht man nicht aus der Welt!"erwiderte BoleslauS, und fügte, zu Ludwig gewendet, hinzu:Dank es dem armenBurschen, daß ich dich gefunden, du längst verlorener, theurer Sohn!

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Nein, mir nicht jetzt büße ich meine Schuld,größer, als du geahnt."

o verzeihe, Ludwig, sie war