Ausgabe 
29 (28.11.1869) 48
 
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Nach diesen Worten sank Georg zurück, ein Blutstrom quoll aus seinem Munde,ei» heftiges Aufzucken und er hatte die schuldbeladene Seele ausgehaucht.

Plötzlich hörte man heftiges Sturmläuten; der bestürzt dastehenden Croatin war esMusik das mußte den Herzog aufrütteln, zu anderen Gedanken bringen und dasGeschehene vergessen machen.

Sie trat auf ihn zu und sagte hastig:Der Feind dringt in die Stadt, laß hierdie Thorheit, handle, kämpfe!- jeder Augenblick bringt dir Verderben."

Er hörte sie nicht, der alte, seit Langem von weicheren, zarteren Empfindungenbewegte Mann hielt den Sohn innig umschlungen und vergaß darüber die Welt.

Nun, so will ich wenigstens mich nicht wehrlos niederhauen lasten, feiger Tropf!Mir nach!" rief die Croatin und stürmte dann mit ihren Leuten fort, sich Vergessenheitim Kampfgewühl zu holen. Der Herzog blieb mit Ludwig und Hcdwig fast allein zurück.

O, wenn Margareth noch lebte, welche Seligkeit wäre das für sie!" seufzteBoleslaus.

Sie lebt!" mit diesen Worten trat jetzt Hedwig, die bisher schweigend den selt-samen Auftritten zugesehen, auf den Herzog zu, der, sich selbst und Alles vergessend, nurauf die Erzählung seines Sohnes hörte, um jedes Wort zu merken, das ihm sein Glück,den Sohn vor sich zu haben, vergewissern mußte.

Sie lebt?" rief Boleslaus glücklich überrascht aus,mein Gott, ein solches Glückwird ja ihr schwaches Herz nicht fasten, und ist sie wieder gesund?"

Hcdwig schüttelte traurig das Haupt. Aber Boleslaus entgcgncte mit Zuversicht:Dann wird sie es werden, ich hoffe es!"

Und du hast meinen Sohn retten wollen?" wandte er sich wieder an Hcdwig.O, das ist groß, das ist schön! Ludwig, das darfst du ihr nie vergessen, und nun istAlles gut, wir sind im Hafen!"

Ludwig machte ihn jetzt darauf aufmerksam, daß vielleicht der Feind wieder stürmenund es Zeit zum Kämpfen sei.

Wozu, Ludwig?" entgcgncte der Herzog,schade um jeden Tropfen unnütz ver-gossenen Blutes. Ihr Beiden sichert mir den Frieden. Ich will hinaus und demKampfe ein Ende machen."

Er wollte fort, aber schon stürzte die Croatin, bleich und blutend auf ihn zu undrief:Wir sind verloren!" um dann erschöpft zusammen zu sinken.

Ihr folgte auf dem Fuße eine Schaar Gewappneter, Herzog Heinrich und Wenzelan der Spitze. Der Letztere hatte nach seiner Flucht sogleich dem Herzog Heinrich vondem Unglücke berichtet, der Anfangs darüber erbittert, Wenzel der Ermordung seinesKindes anklagte, dann aber wohl einsah, daß er nicht anders gekonnt und nur ritterlichgehandelt. Schnell entschlossen, gab er sogleich Befehl zum Angriff, und als dazu Allesvorbereitet war, ritt er an seinen Leuten vorüber und rief ihnen zu:Es gilt meineHedwig; haltet Euch wacker!" Thränen rannen ihm dabei an den Wangen herunter.

Hei, das war ein Ringen so toll, so verzweifelnd hatten die Briegcr den Feinduie anstürmen sehen.

Eine Todcsbcgeisterung hatte sie erfaßt und die Mauern wurden trotz der wüthigstenGegenwehr genommen. Und nun hinunter in die Stadt der alte Herzog mit Wenzelund eine Schaar Auserlesener, Getreuer immer voran da kam die Croatin angebraust.Gift und Galle im Herzen, in toller Verzweiflung Tod oder Freiheit suchend.

Ha!" rief ihr Wenzel entgegen,treffen wir uns hier? Mutter, jetzt gilt es,deine Rechnung zahlen," und rasch und muthig drang er auf die Croatin ein, die nochwüthend von dem Iüngsterlebten hier zum Unglück wieder auf ihren gefährlichsten Gegnerstieß und sich daher verzweifelt zur Wehr setzte.

Wenzel schien Anfangs mit seiner Gegnerin spielen zu wollen, und als er ihr «ine