Ausgabe 
29 (28.11.1869) 48
 
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ticfklaffendc Wunde in die Achsel beigebracht, sagte er lachend: »Nicht wahr, ich zahlein blanker Münze für den Peitschenhieb?"

Die Croatin, durch den Spott aufgestachelt, drang toll und unbesonnen auf ihn einund rannte sich fast selbst, so viel sie auch Wenzel schonen gewollt, das Schwert in dieSeite. Die Wunde war keine tödtliche und mit Anstrengung aller Kräfte ergriff sie dieFlucht, mit ihr der Rest ihrer Leute, während die Angreifer hinter ihnen herstürmten.

Heinrich erblickte sogleich seine Tochter und rief jubelnd:Du lebst! o Gott,so komme ich nicht zu spät mein böses, engelgutcs Kind!" und er schloß sie inUebcrscligkcit in seine Arme.Und du, mein hartnäckiger Feind, bist endlich doch jetztbesiegt!" wandte er sich an Boleslaus.

Wohl, du hast mich überwunden," entgegncte dieser,ich bin dein Gefangener,aber eben nur ein unerwartetes großes Glück war mein Verderben! Ich habe meinenSohn wiedergefunden und deine Tochter war's, die ihn hat retten wollen!"

Dein Sohn? Meine Tochter?" rief Heinrich.

Da seht sie Beide!" und Boleslaus fügte lebhaft hinzu:Wenn die Kinder füreinander in den Tod gehen, dann dürfen sich die Alten nicht die Hälse brechen. Ichreiche dir die Hand zur Versöhnung und zum Frieden!"

Pah! Du hast nur einen Sohn, und der ist hier," entgcgnete Heinrich, indemer auf Wenzel zeigte.

Wenzel! auch dich erhalt' ich wieder? DaS ist zu Viel des Glücks!" rieffreudig Boleslaus und umarmte seinen Sohn herzlich.

Aber du glaubst mir nicht? Heinrich," wandte er sich wieder an diesen,nun,bei Allem, was mir heilig, schwöre ich vor dir und vor allem Volk, daß dies meinerstgeborener Sohn. Wie alles daö gekommen, laßt's euch von Margareth erzählen.-Doch genug, Ludwig ist mein Sohn und in wenig Tagen mit Wenzel Herzog vonBrieg , denn ich bin des Negierens müde und werbe jetzt für ihn um die Handdeiner Tochter."

Herzog Heinrich besaun sich einen Augenblick, ihm war es ja nicht um die Person,nur um den Erben des Herzogthums zu thun, und wenn Ludwig ein Herzogssohn, dannsöhnte sich ja Alles freundlicher aus, als er je zu träumen gewagt dann konnte erdieser Verbindung nicht entgegentreten, die ihm dieselben Früchte bringen mußte.

Das waren Gründe genug, Wenzel aufzugeben und den früher verschmähten Eidamfreundlich anzunehmen und er sagte daher, wie recht freudig überrascht:Ludwig, einHerzogssohn?! Daß edleres Blut in deinen Adern rollte, hab' ich wohl geahnt. Ihrseid doch nicht zu trennen, habt schon die Hände ineinander geschlagen und predigt damitFrieden, und deßhalb heiße ich dich als Eidam freudig willkommen!"

Hcdwig mußte sich erst daran gewöhnen, einen Hcrzogssohn an der Seite zu haben,damit war ja ihr Jugcndtraum zertrümmert, aber doch nur ein Traum, in Wirklichkeit,daß Ludwig ihr ebenbürtig geworden, hatte doch einen ganz anderen Zauber.

Und wir sind Brüdcr, Wenzel!" Mit diesen Worten trat der überglücklicheLudwig auf diesen zu;wir werden treue, Herzliebe Bruder sein und wollen fortan redlichzu einander halten."

IX.

Wer mit seinem LebensschiffleiuNie gescheitert nie gestrandet.

Hat auch in den sichern Hafen,Ueberglücklich nie gelandet!

An einem Frühlingstag« des darauf folgenden Jahres sprengte ein prächtiger Reiter-zug durch das südliche Thor Eprottau's und hielt vor dem uns schon bekannte»Schmiedchause.

Es war ein sonnenheller Tag, die Erde schien im ersten Entzücken der »atzend«Frühlingsboten wunderbar aufzuathmen, und mid jugendlicher Begeisterung an der Brust