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der ihr wieder freundlich zugewendeten Sonne zu ruhen. Aber in dem Herzen der dortKommenden war es noch hellerer, wärmerer Sonnenschein, — denn in ihnen wogte derZauberstrahl des Glückes auf und nieder.
Voran ritt ein stattliches, jugendliches Paar. Eine im Glanz der Jugend und desGlückes strahlende junge Frau, die auf dem weißen Zelter im schwarzen Neitkleid einesehr anmuthige Erscheinung abgab.
Ihr Begleiter trug ein reich mit Gold verbrämtes Wams, — das seine schlanke,blühende Gestalt in ein noch vortheilhaftcrcs Licht hob. Auf seinem, mit wcrthvollenSteinen geschmückten Barett schwankte eine stolze Feder und bekundete den Edelmann.
Man sah der ganzen Erscheinung des Reiters an, daß sie von Glück und Liebegehoben und begeistert war.
Welch' seliges Lächeln spielte nicht um seine Lippen, wie leuchteten nicht die Augen,als suchten sie überall ein thcilnchmcnd Herz für die Fülle seines Glücks
Ihnen folgten ältere Personen. Eine bleiche — halb zusammengebrochene Frauen-Gestalt, die leicht und ätherisch nur noch mit wenigen Fäden an diese Erde gefesselt schien.ES war Margarcth — an ihrer einen Seite ritt Herzog Heinrich, — an der anderenBolcslaus, und sein sorgend-freundlicher Blick verrieth, daß sich die Herzen ausgesöhnthaben mußten und die Sonne der alten Liebe noch am Abend durch die dunklen Wolkengedrungen und mit ihrem Strahlenlicht die entfremdeten, erstarrten Herzen erwärmt unddurchleuchtet.
Man sah der armen Frau noch immer an, daß der tiefste Scclenschmcrz sie heim-gesucht haben mußte, denn nur dieser unterwühlt so tief und unaufhaltsam die innerstenWurzeln des Lebens, um doch zugleich den ganzen Menschen wunderbar zu durchgcistigenund für eine höhere Welt geschickt zu machen.
Nur in ihrem Auge lag eine wunderbare Seligkeit, als habe eine gütig-freundlicheMacht mild-vcrsöhnend die Hand aus ihr gequältes Her; gelegt.
Und so war cS auch. Nachdem sich durch die jüngsten Erlebnisse Alles so wun-derbar ausgeglichen, war man versöhnt und glücklich nach Glogau abgereist, nm die armeMargarcth abzuholen und dort die Hochzeit glänzend und prächtig zu feiern.
Dem verarmten Wenzel war es unmöglich gewesen, sie zu begleiten und er hatteseinen Vater gebeten, ihm während seiner Abwesenheit die Verwaltung des HcrzogthumSallein zu übertragen, bis dieser nach der Rückkehr auch Ludwig mit in die Herrschafteingesetzt.
Nicht einmal Lebewohl zu sagen, hatte er vermocht, denn der jetzt sichere VerlustHcdwig's war doch ein zu harter, — grausamer Schlag für seine leidenschaftlich bewegteBrust, und als die Karavane heiter und glücklich über die Schloßbrückc zog, da sah erihr von seinem Fenster düster nach und seufzte bitter: „Sie sind Alle frei und glücklich,nur ich — ich schleppe die Ketten und darf nicht einmal Diejenigen Haffen, die sie mirangelegt; ich kann, ich darf es nicht! Es ist ja mein Bruder, der mir den theuerstenSchatz entwendet, es ist die heiß und einzig Geliebte, die mir so tiefe Wunden schlägt."
Er versank in düsteres Hinbrüten. „Wie leicht und glänzend hat nicht mein Lebenbegonnen? Die Sonne schien'warm und hell — Alles bog sich zu mir hernieder, michweich und glücklich zu betten. Diese'Hedwig? — welch' ein herrliches Wesen! Sieschien für mich geschaffen. Wie tanzte das stolze Lebcnsschifflein so keck und frei hinausauf die See und jetzt — wie dürftig und zertrümmert kehrt es nicht zurück! — Ich binarm geworden — wie anders mein Bruder — er ist der Glückliche, ich möchte ihn nichtnur um dies Weib, auch um seine Vergangenheit beneiden. DaS Geschick trug ihn ausdem Staube hinaus zum höchsten Glück, er hat im Fluge erreicht, was seine kühnstePhantasie sich nur träumen konnte. Hch fühle eS jetzt, nur wer vorwärts kommt, istreich und glücklich, wer stehen bleibt —schon Bettler. Ich will nach Ruhm uud Ehregeizen, in mir kocht des Vaters dunkleres Blut!"