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Dieser Gedanke fuhr ihm jetzt durch den Kopf und sänftigte seinen Schmerz, dernur von dem ewigen darüber Brüten ein unheilbarer wird, dort aber stets an Machtverliert, wo neue, kräftigere Wellen ihm ein sicheres Grab betten.
Aber wie kam die still und fast gedankenlos in ihrer Jagdhütte öde, freudenloseTage hindämmernde Margarcth zu diesem Sonnentag?
Die Verzweiflung über den gewissen Verlust ihres Sohnes hatte sie in die Nachtdes Wahnsinns gestürzt, sein Wiederfinden sollte der leuchtende, freundliche Genius wer-den, der sie wieder hinauf znm Sonnenlicht deS gesunden Seins und Denkens trug.
Die Worte: „Hier ist dein Sohn, dein Jahre lang verloren r Sohn," wirktenAnfangs auf sie vernichtend. Sie zitterte am ganzen Körper, stieß einen Schrei auSund tastete in der Luft.
Als Ludwig näher trat und sie in die Arme schloß, da schob sie in ficberischer Hastdas Wams zurück, erblickte das ErkcnnungS-Zcichcn — und mit dem Ausruf: „MeinSohn, mein Sohn!" sank sie ohnmächtig zusammen.
Die Welle des Glücks war zu hoch, zu gewaltig, und Alle zitterten für ihr Leben,und doch — nur eine solch' mächtige Woge sollte glättend, sänftigend ihrer Seele denFrieden zurückbringen und die verstörte, verrückte Geisteskraft in ihre ruhige Bahn lenken.
Als sie wieder erwachte, war ihr erster, ängstlich suchender Blick nach Ludwig. Siesah ihn am Bette sitzen, strich mit der weißen, durchsichtigen Hand über die umwölkteStirn und flüsterte dann: „So ist es doch kein Traum, du bist hier — und gehst mirnicht mehr verloren?"
„Nein, geliebte Mutter, ich bleibe bei dir," cntgegnetc warm und innia Ludwig,„ich will dich lieben, hegen und Pflegen, wie du cS bedarfst. Wie bin ich glücklich, aneiner liebenden Mutterbrusl auszuruhen, nach der ich mich so heiß und innig gesehnt."
(Schluß folgt.)
Das Leben a«f dem Grunde des atlantischen Oceans.
Ueber „das Leben auf dem Grunde des atlantischen OccanS" theilt Herr Oskar-Schmidt nach den neuesten Tiefensondirungen in der „N. Fr. Pr." Folgendes mit:Schon vor mehr als drei Jahrzehnten machte Ehrcnberg die Entdeckung, daß die euro-päischen Kreidefelsen zum größten Theile aus den Schalen und Schalcntrümmernmikroskopischer Thierchen niedrigen Ranges gebildet seien, und bald darauf konnie er eineAbhandlung veröffentlichen über noch jetzt im Wasser und Schlamm der Nordsee „lebendeKrcidcthicrchen." Man erwog damals und bis in die neuere Zeit die Bedeutung einessolchen Ausspruches nicht genügend; ein verwandtes Interesse knüpfte sich aber an jeneersten Entdeckungen mit dem Beginne der Tiefensondirungen, welche am Großartigstenbehufs der Lcgung des „transatlantischen Kabels" ausgeführt wurden. Auch die schonvorher begonnene, sorgsame Untersuchung der Meeresströmungen und überhaupt der ganzenphysikalischen Beschaffenheit des Meeres zum Zwecke der Erleichterung und Sicherung derSchifffahrt, worin der berühmte Nautiker Maury seinen Namen begründete, lenkte dieAugen auf die bisher nur angeregten Poblcme. Es wau dabei von äußerster rechnischerWichtigkeit, die wahre Beschaffenheit und Zusammensetzung des Meeresbodens zu wissen,auf und in welchen das Kabel gebettet werden sollte. Es genügten die Proben nicht,welche an dem alten, — mit Talg cingericbenen Lothe hafteten, und es wurden mehreresinnreiche Apparate erfunden, um ausreichende Grundprobcn herauszubekommen. Die mitden anderen Hilfsmitteln ausgeführten Sondirnngcn erstreckten sich auf etwa 2000 Fadenoder 12,000 Fuß, und es fand sich, daß die größte Strecke des Bodens des mtantischenOceans aus feinem Schlamm besteht, von welchem theils Trümmer, theils ganze Schalenund Gehäuse mikroskopischer Wesen die Hauptmaste bilden.
Ehreuberg behauptete wiederum, aus dem Befunde dieser Gruudproben schließen zu