Ausgabe 
29 (28.11.1869) 48
 
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müssen, daß jene Thierchen auf dem Grunde wirklich lebten, trotz des ungeheure»Wasserdruckes. Allein man warf ein, gestützt auf die Beobachtung ganz ähnlicher Wesen,welche sich in geringer Tiefe oder an der Oberfläche schwimmend aufhalten, daß die An-Häufungen auf dem Meeresboden durch das Sinken der Schalen abgestorbener Thierchengeschehen. Auch Sccsterne wurden nicht selten bei den Lothungcn an'S Tageslicht gebracht,allein es blieb immer ungewiß, in welcher Tiefe und unter welchen Verhältnissen über-haupt sie sich an die Taue und Leinen angeklammert hätten.

So galten bis vor Kurzem die Aufstellungen, welche der frühvcrstorbene englische Zoolog Forbes nach seinen Untersuchungen in griechischen Meerestiefen angestellt hatte:daß von der Strandzonc an sich die Thiere und Pflanzen nach verschiedenen Schichtenrangirten, daß aber im Allgemeinen über 100 Faden in die Tiefe das normale Leben sichnicht erstrecke. Da machte vor zwei Jahren der jüngere SarS, der tüchtige Sohn desberühmten Zoologen in Christiania , einen sehr merkwürdigen Fund. Zur Untersuchungder Dorf-Fischereigründe an die Küsten und Umgebungen der Loffoden gesendet, wendeteer das Schleppnetz in größeren Tiefen an, als man bisher damit gearbeitet, bis300 Faden. Er fing unter Anderem eine Anzahl kleinerer Haarsterne, eine neue Gattungaus einer Familie, welche man längst und zwar seit der Kreidezeit ausgestorben wähnte.Eine nähere Beschreibung würde hier nicht am Platze sein, wir begnügen uns mit demNamen UIii 20 oririu 8 lolluckensis. Als nun die Professoren Wyville Thomson in Bel-fast und Carventcr in London an der Küste von Nordbritannicn in ähnlichen Tiefen das-selbe Krcidethier fanden, unternahmen sie im vorigen Jahre eine großartige Schleppnetz-Excurston, wozu ihnen die Admiralität einen eigenen Dampfer zur Verfügung stellte.

Ueber die Resultate derselben hat Professor Thomson in einer öffentlichen Vorlesung inDublin Rechenschaft gegeben. Man untersuchte die Strecke zwischen Schctland und denFärbern, sowohl den Bezirk des Goldstromes, als die kältere Mcereszone zu den Seitendesselben, und das Schleppnetz wurde im Golfstrombezirke auf eine Tiefe von 3180 Fußversenkt, bei welcher das sich selbst registrirende Thermometer über 6'' N. Wärme angab.Es wurde von ihnen erstens nochmals constatirt, daß der feine Kalkschlamm des BodenSin der Hauptsache aus den kleinen Schalthierchcn besteht und fortwährend gebildet wird,die namentlich zur Gattung 6Ioki^nrinu gehören. Und wenn Ehrenbcrg einst sagte,daß noch jetzt Thierchen aus der Kreideperiode lebten, so geht Thomson weiter: derheutige Boden des atlantischen Ozeans, soweit er auS jenem Kalischlamm bestehe, seigeradezu der Boden des Kreidemecrcs.Es gibt eine Ticfcnzone im atlantischen Ozean,"sagt der englische Forscher,worin der Himalaya Platz hätte, ohne daß die darüberrollenden Wogen sich an ihm brächen, und es scheint nicht, daß seit der Ablagerung derälteren Tertiärschichten jenseits der Tiefe von 1500 Fuß auf der Strecke zwischen Nord-Europa und Nordamerika Bodcnhebungcn und Senkungen stattgefunden haben. Es istsehr wahrscheinlich, daß die Hauptzüge der Contouren der Erdrinde seit dem Anfangeder mesozoischen Periode nur geringe Veränderungen erlitten haben, und daß die großeTiefe des atlantischen, pazifischen und antarktischen Ozeans ihre Bildung solchen Ursachenverdanken, welche schon vor jener so sehr entlegenen Zeitpcriode wirkten."

ES soll dabei, meint Professor Thomson, nicht in Abrede gestellt werden, daß imLaufe der Jahrmillionen kleinere Erhebungen und Veränderungen stattgefunden haben;da und dort sind die Temperaturen in Folge der durch lokale Hebungen abgeleitetenMeeresströmungen andere geworden, und die nach und nach sich vollziehenden, unwesent-lichen und leichteren Veränderungen und Umgestaltungen haben auch eine allmälige, abernicht durchgreifende Umwandlung der Thicrwclt der Tiefe» nach sich gezogen.

Zu Dem, was im Vorausgehenden über das Vorkommen deS merkwürdige»RhizoorinuS gesagt ist, ist noch hinzuzufügen, daß da- Thier auch auf dem Golfstrom-boden zwischen Florida und Kuba gefunden worden ist. In diesen Gegenden läßt dieRegierung der Vereinigten Staaten seit mehreren Jahre» Küsten^Sermeffungen und Tiefe»-