Ausgabe 
29 (28.11.1869) 48
 
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Sonderungcn vornehmen. Die Expedition ist von dem Zoologen Grafen Pourtales be-gleitet, und die wissenschaftliche Bearbeitung des mit größter Sorgfalt gesammelte»Materials ist theils von Pourtales selbst und den Professoren Agasiz, Vater und Sohn,in Cambridge in Massachusetts übernommen, theils dem Verfasser Dieses übertragen.Bon Pourtales wurden interessante Schwämme gefunden, und Thomson förderte aus denTiefen zwischen Shelland und den Faröern auch eine Anzahl sehr zierlicher, in ihremmikroskopischen Detail bewunderungswürdiger Spongicn oder Schwämme herauf, und hatin dem erwähnten, in Dublin gehaltenen Vortrage es wahrscheinlich zu machen gesuckt,daß gewisse Versteinerungen der Kreide, die Ventrikulitcn, mit diesen heutigen Schwämmenin direktem Zusammenhange stehen. Er kommt dabei zurück auf die schon oft aus-gesprochene Vermuthung, daß die Kieselknollcn und Feuersteine der Kreide dadurch ent-standen seien, daß die Kieselsubstanz der Krcidcschwämme aufgelöst und dann wieder zuFeuerstein konzentrirt worden sei. Die Frage über die Beziehungen der lebenden zu denfossilen Spongicn hat in neuerer Zeit einige Aufhellung gefunden. Zuerst handelt essich um den Zusammenhang der lebenden Schwämme. Wenn Zoologen heute vomZusammenhang der Organismen sprechen, so meinen sie darunter den der Abstammungund Blutsverwandtschaft. Zu den Spongicn, welche einer rationellen Systematik Trotzzu bieten schienen, gehört ein wundersames Produkt der japanestschcn Gewässer, welchesals ächter Japanese mit einem Zopf von über fußlangen gedrehten Kieselfäden versehenist (ll^ulonoma), und ein zweites, röhrenförmiges Gebilde von der Küste der InselKuba , dessen Kicsclnetz mit der feinsten Stickerei und Filigranarbeit wetteifert. Das istdie berühmte Euplektella, welche noch vor wenigen Jahren mit zwanzig Pfund bezahltwurde, seitdem aber in ziemlich vielen Exemplaren in unsere Museen gekommen ist. Zudiesen vereinzelten, durch ihre Kicselkörperchen auf einander hinweisenden Arten wurdennun sowohl an der portugiesischen Küste als auf dem Golsstromboden nördlich vonShctland Pendants gefunden. Und die ergänzenden systematischen Glieder liegen mirvon Kuba und Florida und von den Kapverdischen Inseln vor. Noch mehr. MancheEigenthümlichkeiten der sogenannten GlaSspongien mit zusammenhängendem Kieselgerüstwiesen auf die enge Verwandtschaft mit der Euplektella und Hyalonema.

Eine neue Gattung von Florida zeigt nun zu der vollsten Evidenz an einem unddemselben Exemplare den Uebcrgang der isolirten Nadeln in das kontinuirliche Geflechte,und wenn auch noch manche erläuternde Beobachtungen und Funde fehlen, so ist überdie Zusammengehörigkeit aller dieser Organismen entschieden. Bevor dieser Zusammen-hang nachgewiesen, ließ sich schwer über die eigentliche Natur und die natürliche systema-tische Stellung der fossilen Schwämme urtheilen. Man war noch vor Kurzem geneigt,sie als eine ganz besondere, mit den jetzt lebenden Schwämmen kaum verwandte Gruppeniederster Organismen zu halten, bis Professor Thomson wieder die Behauptung auf-stellte, daß die heutigenGlaSspongien," das sind die Schwämme mit zusammenhängen-dem Kiesclgcflechte, ganz nahe Verwandte jener das Jura- und Kreidemeer bevölkerndenGebilde seien. Dieß kann nun, auf Grund sehr spezieller mikroskopischer Verglcichungcn,mit völliger Gewißheit ausgesprochen werden. Die beiden Hauptgruppcn der fossilenSchwämme, die mit dem sogenannten wurmförmigen und die mit dem gittcrförmigcnGewebe, existircn uoch heute.

Die geographische Verbreitung dieser lebenden Fossile ist, wie aus den obigen Mit-theilungen hervorging, eine sehr merkwürdige; sie scheinen nicht bloß im nördlichen atlan-tischen Ozean, sondern auch in den tropischen Meeren die größeren Tiefen zu lieben, undhaben diese Wahl des Standortes aller Wahrscheinlichkeit nach von ihren Urvorfahrenererbt. Ihre Genossen in jenen Tiefen-Plateau's sind und waren fast ausschließlichWesen, gleich ihnen zweifelhafter, unentschiedener Natur, sogenannte Protoplasma-Organismen, und zwar in so ungeheurer Fülle, daß der ganze Meeresboden nicht alsri» todter, sondern als ein zusammenhängendes Lebendiges erscheint. Protoplasma ist