Ausgabe 
29 (5.12.1869) 49
 
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Die verwunderten Blicke wendeten sich jetzt auf die Bezeichnete, von deren Schönheitdas ganze Land erzählt, und die Wahrheit der Wundermähr begann in den vor Erstaunenstarren Herzen Eingang zu finden.

Bolcslaus mit Margareth und dem Herzog Heinrich waren jetzt angekommen undstiegen ebenfalls vom Pferde, und damit begannen die Schmiedclcutc die frenide unge-wöhnliche Scene ganz zu fasten. Es war kein Trug volle, blühend üppige Wirk-lichkeit, wie sie das des Ausführlichsten aus dem Munde des überglücklichen Ludwigerfahren sollten.

Das war ein Leben, eine volle, herzerquickende Seligkeit, was mau da Alles zusagen, zu erzählen und mitzutheilen hatte.

Das Vergangene war vergessen und als der Schmied daran erinnerte und gestand,wie sehr er es bereut, seinem armen Ludwig wehe gethan zu haben, wie er dann späterdie Schlechtigkeit Georgs eingesehen und daran auch geahnt, daß nur dieser der Ver-täuender und Betrüger, cntgegnete Ludwig freundlich:Laß das, wäre denn Alles sogekommen, wenn nicht Georg mich aus Eurem stillen Hause getrieben? Ich schulde ibmsonach mein Glück, wie wenig redlich er's auch gemeint, und dann, der arme Mensch hates büßen wüsten, wir sind versöhnt!"

Die Schmiedeleute fragten erstaunt nach den ferneren Schicksalen Georgs, und alssie von dessen Tode hörten, schien ihnen eine rechte Last vom Herzen gefallen zu sein.

Jetzt erst sah Ludwig sich seine alten Freunde näher an.

Welche Veränderungen hatte das Auftreten dieses einzigen Menschen hervorgebracht!Ulrike war nicht mehr das spielende Kind, ein strenger, herber Zug spielte jetzt um diefrüher nur lächelnden Lippen.

Es mußten harte Kämpfe gewesen fein, sie mußte viel gelitten und geduldet haben,ehe sich solch' ein tiefer, unfreundlicher Ausdruck in ihr Gesicht eingeprägt.

Und war das Wiedersehen Ludwig's nicht auch ein bitterer Tropfen mehr in ihrvergälltes, vergiftetes Leben?

Sie sah ihn, den sie zu schlecht befunden und zurückgesetzt, hoch über sie Hinweg-ragen, sich im vollsten, reichsten Strahl des Glückes sonnen, während über ihr Leben nureine ewige Nacht ausgebreitet schien, die schlimmer, dichter und dichter sich zusammenzog.Wenn sie ihm damals ihre Hand gereicht, dann wär' sie jetzt eines Herzogs Weib; sorhöricht, possenhaft der Gedanke, so quälend war er doch, denn er kam ja aus einemeitlen Weiberherzen.

Auch der Schmied hatte in dendrei Kummerjahren" mehr gealtert, als in zehnglücklichen vorher.

Des Bürgers glänzendes Ziel und Streben ist die Erreichung eines gewissen Wohl-standes. Darnach wird gerungen, geschafft und unermüdlich gespart und gedarbt. Gehtdiese Aussicht durch einen tückischen Schlag des Schicksals verloren, dann sinkt der früherso Streb- und Arbeitsame muthlos zusammen und überläßt sich dem Treiben seinesdunkeln Geschicks. So war es dem Schmied ergangen.

Georg hatte sich des Ackerbaues befleißen wollen, und zu diesem Zweck vom Schwieger-vater die sämmtlichen Ackerstücke geschenkt erhalten. Das war freilich sehr übereiltdenn kaum war der Erstere im Besitz derselben, als er eines nach dem andern zu ver-kaufen begann. Anfangs hatte er bei den Ermahnungen des Schmiedes noch Vorwände;da wollte er bester gelegene Ländercien erwerben, aber als der Schmied sah, daß dieschönen Ackerstücke seine nie rastende Gurgel verschlang, da gab es heiße Kämpfe.Georg lenkte dann gewöhnlich ein, versprach Besserung, bis er mit dem Kaufschilling desletzten Ackerstückcs selbst verschwand.

Dem Schmied wurde mit seinem Wohlstand auch Frieden, Gesundheit und guteLaune untergraben, sein Stolz und mit ihm seine Lebensfreude war gebrochen, er hatteder Rathshcrrnstelle entsagt, weil ihm der seines Düukcns nach nöthige Reichthum fehlte,