Nr-v. 49.
ü. Decbr. 1869
ArrasLnrraer
Arrasbrrraer
Gefühl, an Inhalt reicher als an Worten,
Ist stolz auf seinen Werth, »nd nicht anf seinen Schmuck!
Nur Bettler wissen ihres Guts Betraq.
Die Hand.
(Schluß.)
„Ach, Ludwig, wie hab' ich dich gerufen, wie hab' ich geseufzt und geklagt und dieArme ausgestreckt — aber du warst immer so weit — du kamst nie bis zu mir, nureinmal, da hatte ich dich — da schloß ich dich an meine Brust, aber nur einen Augen-blick, ich hörte die Alte lachen und du warst verschwunden."
„Das war kein Traum, Mutter, ich war es selbst, den du in die Arme schlössest,»nd Sohn nanntest, — hätt' ich es damals ahnen können!?"
„Nun, Gott sei gelobt, ich habe dich jetzt und halte dich fest!"
Die Nähe ihres Sohnes that Wunder. Der Geist der armen Frau wurde immer
lichter und freier — und am Hochzeitstage deS jungen Paares schlich schon das erste, soinnige Lächeln über dies bleiche Antlitz und verkündete völlige Genesung.
Ludwig hatte nach der Hochzeit darauf gedrungen, die Heimreise nach Brieg überEprottau anzutreten, um die Spielplätze seiner Kindheit aufzusuchen — und den altenSchmicdclcuten sein ungewöhnliches Glück zu verkünden.
Waren sie auch in einer befangenen Stunde rauh und unfreundlich gegen ihn ge-wesen, er hatte ihnen ja doch so unendlich Vieles zu verdanken, und auch Margarcth'sweichem Herzen that es wohl, die guten Menschen kennen zu lernen, die ihren Sohnaufgenommen und liebevoll gepflegt, um vielleicht in Etwas ihre große Schuld, die nurein liebend Mutterhcrz würdigen konnte, abzutragen.
Die Gesellschaft langte in der glücklichsten Stimmung vor dem Schmicdehausc an,
in dessen Thür schon der von dem Geräusch herbeigelockte Schmied stand, und vor dem
hohen, seltenen Besuch ehrerbietig das Käppchcn zog, um seine Befehle zu erwarten. —Gewiß gab'S eine kleine Arbeit.
Der kleine Zug hielt und Ludwig rief lachend aus: „Kennst du mich nicht, somüssen die wenigen Jahre Euren Ludwig sehr verändert haben."
Der Schmied blickte jetzt schärfer hin, — aber er wollte kaum seinen alten Augentrauen, das waren wohl die Züge Ludwig's, jedoch das kostbare Kleid, — die Ritter imGefolge — daraus sollte ein Anderer klug werden und er lies, ohne ein Wort zu ant-worten, völlig außer Fassung gebracht, in die Wohnstube, um seiner Frau und Tochterdie Ankunft solch' wunderlicher Gäste mitzutheilen.
Diese stürzten mit weiblicher Neugicrde heraus und blieben in eben dem maß- undsprachlosen Erstaunen als der Schmied.
„Nun, Leute, seid Ihr toll?" — jubelte der Reiter, vom Pferde springend und sieAlle umarmend.
„Kennt Ihr den Ludwig nicht, der Herzog geworden ist, nicht nur Graf?"
„Herzog?" riefen die Drei wie aus einem Munde, „das ist nicht möglich."
„Und hier bringe ich meine junge Frau, — die Tochter des Herzogs Heinrich vonGlogan," fuhr der Glückliche erläuternd fort.