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und still und in sich gekehrt mied er seine Mitbürger, um nicht, was ihn am Tiefste«verwundete, beklagt zu werden.
Die Lust zum Arbeiten, — mit ihr der Verdienst, — fiel weg, und er war derVerarmung nahe.
Nur die gute Schmiedefrau hielt in Noth und Unglück aus. Sie war nicht nurdieselbe geblieben, sondern noch emsiger, — geschäftiger geworden, und mit ihrem liebe-sorgendeu Herzen suchte sie ihre Umgebung aufzuheitern und glücklich zu stimmen, so vielsie es vermochte. Sie murrte nicht, wenn manch' altmütterlicher, werthvoller Hausrathhinauswandern und geringerem Platz machen mußte.
In neuester Zeit war es durch den Beistand eines wackeren Gehülfen, der ganzin der Stille um die verlassene Ulrike warb, wieder etwas bester gegangen, das hattediese eingesehen und deßhalb den Gedanken einer Verbindung mit ihm nur ungern vo«der Hand gewiesen.
Die Nachricht von dem Tode ihres Mannes konnte daher keine Wunde schlagen,mußte ihr vielmehr neue Lebenshoffnung geben, denn damit war jedes Hemmniß beseitigtund sie konnte dem treuen Gesellen Herz und Hand bieten.
Boleslaus bot nun dem Schmied ein ansehnliches Geschenk, das dieser, — obwohlzögernd, annahm.
Margareth, die besonders von der Frau des Schmiedes sich angezogen fühlte, undin warmen, herzlichen Worten ihre Dankbarbeil ausdrückte, ließ sich's nicht nehmen, fürdie Aussteuer Ulrikens sorgen zu wollen.
Das junge Ehepaar bat, daß diese nunmehr sich zu ihrer baldigen Verbindung ent-schließen möge, um ebenfalls werkthätig eingreifen zu können.
Auch der Herzog, von Glogau wollte nicht zurückstehen und bewilligte dem Schmiedfür sich und seine Nachkommen freies Holz im Sprottauer Walde, so viel seine Schmiedebedürfe.
Das war ein Jubel ohne Ende! Dem alten Schmied liefen die hellen Thränenan den Wangen hinunter, zu viel des Glückes kam über seine hoffnungs-crstorbcne Brustund er rief jubelnd zu seiner Frau: „Siehst du, das war doch der reichste Fund, denich dir in's Haus gebracht."
Die Gäste wollten nur wenige Stunden bleiben, aber der Schmied mußte dochwenigstens mit seinem hohen Besuche Aufsehen machen und bat so lange, bis die Gästeeine Mahlzeit bei ihm einzunehmen versprachen.
Er hatte in seinem Eifer wenig auf die abwehrenden Worte seiner Frau geachtet,die ihn endlich bei Seite zog — und ihm vorwurfsvoll zuflüsterte: „Was hast du nurgemacht, wir haben ja nichts im Hause, das ganze Silbergeschirr ist fort — und solcheGäste — ich weiß nicht, was ich anfangen soll."
Margareth aber, welche die Verlegenheit der guten Leute bemerkte, ließ schnell de«mitgebrachten Mundvorrath und das Silbergeschirr auspacken, und so war bald Alles z«einem frugalen Imbiß geordnet.
Nachdem das Mahl beendet, bat Ludwig, in den Garten hinauszuwandern.
Herr Gott , wie war der zusammengeschrumpft; die Stadtmauer stieß ja schon a»die nächsten Bäume an, und wie war er früher so groß gewesen, so groß-und weit, daßihn kaum die Kinderphantasie erschöpfen und ergründen konnte!
Nur der alte Baum hing noch immer die wieder grünen Aeste über die Mauer,dorthin zeigend, sagte Ludwig bewegt zu Ulrike: „Siehst du die Zimmer unseres Schlöffe-,wie weit, wie weit ragten die nicht über die Erde hinaus! Nicht wahr, Ulrike, hiersind wir glücklich gewesen, das war einmal ein Traum — und daS Schicksal hatte garfleißig daran zu spinnen, um all' Das so reich und freundlich wahr zu machen."
Er trat jetzt allein dicht heran und blickte iu das frische, warme Grün, er lauschte