Ausgabe 
29 (5.12.1869) 49
 
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auf das Rausche» der Blätter, aber sie sprachen nicht mehr, eS war Alles stumm nudschweigend.

Eine Thräne stahl sich ihm in's Auge und er seufzte:Vielleicht war ich damal-glücklicher als heute, wo alle Hoffnung in dem einen Wunsch erstirbt: Möge meinGlück von Bestand sein! Gottes Hand hat wunderbar über mir gewaltet, ich will nichtnach verlorenen Träumen haschen, sondern mich des Sonnenlichtes freuen, das hell undglänzend um meine Seele spielt I"

Ulrike bemerkte jetzt:Sieh, die Hand auf der Brust war doch eine recht freund-liche, denn ohne sie wärest du nie zu deinen Eltern gekommen."

So hat mich in Wahrheit eine Hand geführt," erwiderte Ludwig,eine wunder-same Gotteshand, und ich will mein Geschick segnen. Aber welcher Ursache danke ich ihrEntstehen?" wandte er sich fragend an Margareth,das möchte ich doch gerne wissen."

Es war noch im Kloster zu BreSlau, " erzählte diese,als ich, in düstere Gedankenversunken, in meiner Zelle saß, denn ich trug dich bereits unterm Herzen.

Bei meinem Fenster stand ein Lindenbaum, der meinen verweinten Augen so wohlgethan. Da zog eines Tages ein fürchterliches Gewitter herauf, die Blitze zuckten nichtmehr, nur ein einziger gerader Strahl schien aus den Wolken zu dringen.

Schon schien sich das Gewitter vergrollt zu haben, die Schläge folgten langsamerauf die niederrauschcndcn Fcuergarben und ich athmete hoch auf.

Plötzlich fuhr ein noch heftigerer, gewaltigerer Blitz als die früheren hernieder, ei»fürchterlicher Donnerschlag folgte, ich hörte es prasseln und krachen, als ob das ganzeKloster in seinen Grundfesten erschüttert worden, und schlug erschrocken mit der stachenHand an meine Brust.

Das Gewitter war, wie dieß in schwülen Tagen oft der Fall, mit verdoppelterGewalt zurückgekehrt. Ich sah hinaus und erblickte den schönen, prächtigen Baum, derso kühn und gewaltig sein Haupt in die Höhe gestreckt, zersplittert und völlig zermalmtam Boden. Ich hatte den Vorfall über manch' anderen Sorgen und Schmerzen ver-gessen, erst als du das Licht der Welt erblicktest und ich das sonderbare Mal, die Handauf deiner Brust, gewahrte, kam mir das sonderbare Ereigniß wieder in Erinnerung."

Ludwig erwiderte hierauf warm und bewegt:Nun, ich will dieser Hand auf meinerBrust vertrauen und der leitenden dort oben über den Wolken."

Man reiste endlich unter herzlichem Lebewohl ab.

Wenige Wochen später gab eS in der Schmiede Hochzeit und zum Erstaune»Sprottau's waren die herrlichsten Hochzcitsgeschenkc aus weiter Ferne angelangt.

Jetzt erst wurde den Schmiedclcuten geglaubt, daß Herzöge bei ihnen eingekehrtwaren. Ludwig und Wenzel traten wirklich in friedlicher Gemeinschaft den Besitz derHerzogthümcr an, residirten aber Brieg , den Sitz so vieler düsterer Erinnerungenweidend, in dem rasch ausblühenden Liegnitz

Nur einmal wäre es fast zu Zerwürfnissen gekommen, als der Glogaucr sich jetztdie abgerissenen Lande zurückerbat.

Wenzel und BoleslauS schienen nicht abgeneigt, dem Wunsche Hcinrich's zu will-fahren, aber das junge Ehepaar wies das Begehren mit Bestimmtheit von der Hand.Der kluge Schwiegervater hätte nimmer geglaubt, daß gerade an dem Widerstände seinerKinder die liebsten Pläne scheitern sollten. >

Dem armenMünstcrberger" war dagegen ohne Verzug sein Ländchcu zurück-gegeben worden.

Nur das Glück Margareth's sollte, wie sie wohl geahnt, nicht von Bestand sein.

BoleslauS, der jetzt durch einen frommen Wandel das Vergangene gut machen wollte,hatte im allzustrcngen Eifer in der Charwoche zu viel gefastet, und holte sich au dererste» kräftigen Mahlzeit den Tod.

Er wurde §uf seinen Wunsch im Kloster LeubuS bestattet und hatte im frommen.