Ausgabe 
29 (5.12.1869) 49
 
Einzelbild herunterladen

389

büßenden Eifer verordnet, daß für immer eine brennende Kerze an seinem Grabmalgehalten werden sollte.

Ein Jahr darauf folgte ihm die arme Margareth nach, um an seiner Seite vondem wilden Geräusch des Lebens auszuruhen, das ihre zarte Seele so tief verletzt.

Das waren die Wermuthstropfen, die nun einmal selbst in dem golden, hcllschäu-mendsten Becher nicht fehlen dürfen.

Viele Jahre verlebten die klebrigen in Frieden und Glück.

Die weiteren Schicksale der beiden Herzöge erzählt die schlesischc Geschichte.

Ein Schreckensbild aus Litthauen.

Jenseits des am Vorwerk Beresina vorbeifließcnden FlüßchenS liegen einige Dörferund der herrschaftliche Wald Soli. Auf den zwischen dem letzteren und dem Dorfe Pocieliegenden Bauernfcldern arbeiteten kürzlich gegen Abend vereinzelt einige Fraueu, als sichplötzlich aus dem Walde ein ungewöhnlich großer Wolf stürzte und ciue derselben inwenigen Minuten zerriß. Die übrigen Frauen, dies von Weitem sehend, eilten nach demDorfe, allein bevor die Männer herbeikamen, war der Wolf verschwunden. Die Leichezeigte einen entsetzlichen Anblick. Gesicht und Schädel waren bis auf den Halsknoche«zerbissen; Brust und Bauch aufgerissen, die Eingeweide zerstreut. Der Aeltcste der Bauer-schaft gab von dem Vorfall sofort der Polizei Nachricht und stellte bis zum Herbeikommenderselben sechs Wärter in der Nähe der Leiche auf. Einige Stunden später, als dieselbenam Feuer lagen, erschien der Wolf aufs Neue. Nur mit der verzweifeltsten Gegenwehrgelang es den Männern, bis zu der am Waldrande liegenden Wohnung des herrschaft-lichen Buschwächtcrs Jalewski zu retirircn, wo sie Thür und Fenster verrammelten.Einer von ihnen, ein starker Bauer, war auf der Flucht etwas zurückgeblieben. DerUnglückliche wurde von der Bestie gepackt und zerrissen. Gleich darauf kehrte der Busch-wächter aus dem Walde zurück. Auch ihn faßte der Wolf am Halse und riß Fleischvom Kinnbacken ab. Mit großer Mühe und halb todt gelang es ihm, nach seinerWohnung zu kommen. Der Wolf begab sich von dort nach den Dörfern Pocie undPtoranie, überfiel förmlich einige Bauernhöfe, drang in die Stuben ein, welche, so langeim Ofen gefeuert wird, wegen des Rauches in der Regel offen gehalten werden, undverwundete Menschen und Vieh. Dann sprang er auf die Dorfweidc, beschädigte dreiKnechte und viele Pferde und lief auf die Wiese, dicht an dem Vorwerke Beresina, wodie herrschaftlichen Pferde weideten. Hur verwundete er zehn Stück derselben, und alsdie Hirten zu Hilfe eilten, warf er sich auf diese, zerfleischte dem einen den Kopf, demandern die Hand, deßglcichen der Magd des Buschwächters Mankiewicz, welche das Pferddes letzteren weidete. Hals und Oberschenkel. Dann lief der Wolf nach den DörfernChonytony und Makanynienta, tödtetc dort noch eine Frau, verwundete Hunde, Menschenund Vieh und verschwand im benachbarten Walde. Im Verlaufe weniger Stundenhatte die Bestie drei Menschen getödtet, ciuunddreißig Personen (aber durchweg Erwachsene)und vierundsünfzig Stück Vieh mehr oder weniger stark verwundet. Es ist dies einegrausige Erscheinung und noch mehr, wenn man bedenkt, wie alle Anzeichen dafür sprechen,daß der Wolf toll gewesen sei. Der Hcrzschlag will Einem stocken, stellt man sich dieweiteren Folgen dieses Unglückes vor. Die Aussagen der Verwundeten stimmen darinüberein, daß der Wolf Schaum vor dem Maule hatte und den Schwanz hängen ließ.Nur beim Angriffe richtete er den letzteren auf and sprang auf die Hinterbeine immergleich nach dem Kopfe beißend. Wie stark dabei der Anprall war, beweist z. B. der eineFall, wo er mit dem Gebiß einem jungen Bauer fünf Zähne einschlug. Sehr verdächtigist der Umstand, daß der Wolf die Leichen nicht fraß, also nur aus reiner Wuth anfielund mordete. Da es Nacht war und die Menschen ganz unverhofft überfallen wurden,so konnten sie auch nur wenig zu ihrer Vertheidigung thun.