Ausgabe 
29 (26.12.1869) 52
 
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Würdenträger des heiligen Reichs gehört, ernennen wir Dich in der vollen Macht unsererkaiserlichen Gewalt zum Grafen des heiligen Palastes Lateran, unseres Hofes, unsere-Consistoriums, und geben Dir durch diesen Brief den Titel, erheben Dich zu dieserWürde und schreiben Dich ein unter die Zahl der andern Pfalzgrafen . Dich und DeineKinder und ihre Erben und Nachkommen in aller Zeit erklären wir auch für' s» adelig,als man es nur in den höchsten menschlichen Stellung sein kaun, gleich als ob sie ausdem edelsten Stamm geboren wären und vier väterliche und mütterliche Ahnen hätten.Wir verleihen Dir Schwert und Sporn und Adelsgewand und goldenen Gürtel."

Aber wie verschieden von diesem langen, glänzenden, sturmloscn Leben sollten dieletzte finstere Stunden dieses Mannes sein!

Titian hatte zwei Söhne und eine Tochter: PomponiuS, Horaz und Lavinia.

Die Pest suchte Venedig heim, und Horaz war der Ersten einer der von ihr ergriffenwurde. Titian wollte seinen Sohn pflegen, seinen geliebten Horaz, den er dazu bestimmtglaubte, der Erbe seines Ruhmes zu sein; er sank von der gleichen Krankheit ergriffenauf dasselbige Lager nieder. Hier hatte er den Schmerz seinen Horaz sterben zu sehen.Er selbst war dem Tode nahe, als PomponiuS mit Postpferden von Mailand herbeieilteund sich in den Palast Barbarigo stürzte, den sein Vater seit langer Zeit bewohnte. Erkam nicht um seinem Vater die Augen zuzudrücken, aber er raffte die werthvollen Möbelund die kostbaren Gemälde zusammen, um sie unter öffentlichem Aufgebot zu verkaufen.

Titian , der glorreiche Künstler, starb allein, ohne einen Diener, der ihm ein letztesLebewohl sagte. PomponiuS war noch schlechter als der schlechteste Diener. Er entfloh >in aller Hast aus Venedig und ließ seinen Vater unbeerdigt zurück. Der, welchen FranzI. uns Karl V. als ihres Gleichen betrachtet hatten, fand nach seinem Tode nicht einmalei» Grab.

C h r i st n a ch t.

Heil'ge Nacht, auf EngelschwiugenNahst du leise dich der Welt,

Und die Glocken hör' ich klingen.

Und die Fenster sind erhellt.

Selbst die Hütte trieft von SegenUnd der Kindlein froher DankJauchzt dem Himmelskind entgegen,Und ihr Stammeln wird Gesang.

Mit der Fülle süßer Lieder,

Mit dem Glanz um Thal und Höh'n,Heil'ge Nacht, so kehrst du wieder,Wie die Welt dich einst geseh'n;

Da die Palmen lauter rauschtenUnd, versenkt in Dämmerung,

Erd' und Himmel Worte tauschten,Worte der Verkündigung.

Da mit Purpur übergössen,Aufgcthan von Gottes Hand,

Alle Himmel sich erschlossen.

Glänzend über Meer und Land;

Da, den Frieden zu verkünden,

Sich der Engel niederschwanz.

Auf den Höhen, in den GründenDie Verheißung widerklang.

Da der Jungfrau Sohn zu dienen,Fürsten aus dem MorgenlandIn der Hirten Kreis erschienen,

Gold und Myrrhen in der Hand;

Da mit seligem EntzückenSich die Mutter niederbog,

Sinnend aus des Kinde- Blicke»Niegefühltc Freude sog.

Heil'ge Nacht, mit tausend KerzenSteigst du feierlich herauf;

O so geh' in unsern Herzen,

Stern des Lebens, geh' uns auf!Schau', im Himmel und auf Erde »Glänzt der Liebe Nosenschein:

Friede soll's noch einmal werde»

Und die Liebe König sein!