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König Mäwig i».
Am 20. Januar dieses Wahres richtete der Aka-demische Senat der Universität München an denPrinzregenten Ludwig anläßlich der Pollendung desfünfzigsten Jahres seit Beginn seiner Studien andieser Universität eine Adresse, in der es u. a. hieß:
. und nunmehr haben Euere Königliche Hoheit,vorbereitet wie wenige Fürsten derVergangenheit, die Regierung des Landesübernommen." An dieses stolze, aber wahre Wortdarf erinnert werden heute, wo der damalige Prinz-regent als König Ludwig III. den Thron der Wittels-bacher bestiegen hat.
Ein kurzer Blick auf Erziehung, Bildung undWerdegang des nunmehrigen Königs besagt schonjedem, wie richtig diese Charakterisierung sein muß,entschleiert auch das Geheimnis, wie es kam, daßdieser Mann schon als Prinz sich seit langem in denweitesten Kreisen großer Liebe, Verehrung und Po-pularität erfreute, daß er unbegrenzte Achtung auchbei denen genoß, die in dieser oder jener Hinsichtnicht mit ihm übereinstimmten. Die Erziehung desältesten Enkels Ludwigs I., zunächst in den Händeneiner frommen Mutter liegend, war beherrscht vomGeiste echter Religiosität, von den Prinzipien derWahrheit und Offenheit und strengen Pflichtgefühls,Grundsätzen, die sich aus lebendiger Religion vonselbst ergeben. An diese grundlegenden Anfänge derErziehung schlössen sich später vielseitige fleißigeStudien und eine tüchtige militärische Ausbildung,begleitet und gefördert von gründlicher körperlicherAbhärtung. Diese Erziehung und Ausbildung warebenso weit entfernt von stubenhockerischer Nur-gelehrsamkeit wie von übertriebener Sportbegeiste-rung, die den Muskel über die Welt der Ideen herr-schen lassen möchte.
So wuchs der gediegene, in sich selbst gefestigte,bewußt auf eigenen Füßen stehende Plann heran,der unbefangenen Blickes die Dinge und die Men-schen um sich her betrachtete und würdigte, der wil-lens und imstande war, selbst zu prüfen und sich einUrteil zu bilden und nicht darauf angewiesen war,sich an ein Schema zu halten und mit schillerndenPhrasen über den Kern der Sachen hinwegzugehen.Der Mann, der überall beliebt, geachtet und imbesten Sinne populär war, weil die Liebenswürdig-keit gegenüber den Menschen echt war, weil sie Her-zenssache war. das Produkt von Selbstzucht undwirklicher Liebe zu den Menschen, wirklicher Ach-tung vor ihnen war, nicht ein Ausfluß nur berech-nender Herablassung. Der Mann, der seine Viel-seitigkeit nicht nur zum vielfachen Spezialisten oderDilettanten machte, sondern durch den harmonischenZusammenklang der Vielseitigkeit zum universellgerichteten Geist, der, weil er die Einzeldinge richtigund gründlich kennt, sie auch in der rechten Weisezusammenzufassen versteht zur wohltuenden Ord-nung.
So wenig seine gelehrten Studien ihn im Intel-lektualismus und in unfruchtbarem Theoretisiereuausgehen ließen, so wenig ist er in der praktischenArbeit, der er sich entschlossen und erfolgreich wid-mete, der Einseitigkeit verfallen. So sehr er sichbeispielsweise der Interessen der Landwirtschaft an-nahm, in ihrer Förderung beispielgebend war undverdierite Anerkennung fand, so übersah er- dabeidoch nicht die Bedeutsamkeit anderer Interessen fürdas Ganze. Das hat er mehrfach ausgesprochen undeinmal hat er sogar ausdrücklich gegen die Auffas-sung protestiert, als sei er ein einseitiger Fördererder Landwirtschaft. Es war im Jahre 1891 bei derFeier des siebzigsten Geburtstages seines Vaters, alser, bezugnehmend auf eine Bemerkung des Bürger-tneisters v. Stromer von Nürnberg die bedeutsamenWorte sprach: „Ich glaube, Bürgermeister v. Stromerhat mich nicht ganz richtig verstanden, wenn er michspeziell als Landwirt bezeichnete — ich bin wohl eingroßer Freund der Landwirtschaft und übe sie selbstaus, mein Blick geht aber weiter: Ich wünsche, daßdie Landwirtschaft und ebenso die Gewerbe, die In-dustrie und der Handel gedeihen. Ich wünsche, daßdas Volk überall vorwärts schreite. Und wenn dieseverschiedenen Sparten in einandergreifen, ohne sich gegenseitig zu schädigen, dannwird das Land gedeihen." Und in Friedenfels sagteer im Jahre 1897: „Die verschiedenen Stände sollensich nicht als Gegner, sondern als Glieder eines Vol-kes betrachten." Das ist das Prinzip des Aus-tz l e i ch s, des harmonischen Zusammenwirkens derVertreter der verschiedenen Interessen, Stände undBerufe zürn Gedeihen des Ganzen. Von diesemGrundsätze ausgehend, der selbstverständlich ist fürdem, der das Wohl der Gesamtheit will und die un-erläßlichen Vorbedingungen kennt, wirkte er ebensoersrig für die Verwirklichung von Projekten, andenen in erster Linie Handel und Industrie ein In-teresse haben, wie im Landwirtschaftlichen Verein fürden Fortschritt in der Landwirtschaft.
Dieselbe Unbefangenheit, die ihn in d e n mehrpraktischen Dingen auszeichnet, ist ihm auch eigenin der Betrachtung der geistigen Fragen, in der För-derung der ideellen Kultur. Der Kunst brachte erstets volles Verständnis entgegen und mit Eifer trater, wo sich Gelegenheit dazu bot, für die Erfüllungihrer berechtigten Wünsche,' für die Befriedigungihrer Bedürfnisse ein, wobei er sich gern auf seinenGroßvater Ludwig I. , den er als den Wiedererweckerder deutschen Kunst feierte, und seinen Vater, denPrinzregenten Luitpold , berief. Die Zeitungsleuteerinnern sich noch gern der Rede, die er gelegentlichdes Deutschen Journalisten,- und Schriftstellertagesin München im Jahre 1893 hielt, in der er den Rit-tern von der Presse hohes Lob zollte, ihnen volle Ge-rechtigkeit widerfahren lieh, ihnen freilich auch ausehrlichem Herzen einen beherzigenswerten Rat mitauf den Weg gab. Besonders bemerkenswert aberwar das, was er bei dieser Gelegenheit über die Wich-tigkeit der Kunst des Z e i t u n g s l e s e n s für hoch-stehende und höchststehende Personen sprach, überdie Kunst, „sich von den Einflüssen ihrer Umgebungfreizumachen und Dinge zu erfahren und zu hören,die ihnen sonst bei ihrer unvermeidlichen Isolierungmehr oder weniger verborgen bleiben".
. Die R ede n. die König Ludwig als Prinz ge-halten hat, sind überhaupt, neben dem Einblick inseinen Erziehungs- und Werdegang, ein wichtigerSchlüssel zu seinem Wesen und Charakter. DieseReden sind ziemlich zahlreich. Sie wurden teils beibesonderen Gelegenheiten, bei Veranstaltungen vonVereinen und Korporationen, teils im Reichsrat ge-halten, dem er fast volle fünfzig Jahre angehörte,wobei er reichlich Gelegenheit hatte, sich mit deinGang der Politik und der Staatsgeschäfte vertrautzu machen und auf Grund seiner umfassenden Kennt-nisse und seiner praktischeil Erfahrung den Interes-sen und Bedürfnissen von Land und Volk zu dienen.Pfn besonderes Charakteristikuin all dieser Reden,»<«e Eigenschaft, die man an so vielen Reden heutzu-tage immer mehr und immer schmerzlicher vermißt,ist ihre Kürze, und es bestätigt sich hier das Wort,daß in der Kürze die Würze liegt. Dieser beredteund wortgewandte Mann ergeht sich nicht in hohlen
Phrasen und ewigen Wiederholungen, kurz undknapp, einfach und schlicht, sagt er klar und deutlichund treffend das, aus was es ihm ankommt. Erredet nicht, um zu reden, sondern uM etwas zu sa-gen, was ihm am Herzen liegt, was er im Interessedes Volkes beherzigt und befolgt sehen möchte.
Oft und gern kommt er zu sprechen auf das Ver-hältnis zwischen den Wittelsbachern und den Bay-ern , zwischen Dynastie und Volk. Er weiltgern unter seinen Bayern , und mit Stolz hebt erimmer wieder hervor, daß die Dynastie der Wittels-bacher aus dem Volk hervorgegangen ist, daß Wit-telsbach und Bayern seit vielen Jahrhunderten zu-sammengehören und sich stets, in guten wie in bösenTagen, die Treue gehalten haben. König Ludwig istein echter WittelsbachA, selbstbewußt und stolz aufdie Geschichte und die Traditionen seines Hauses,und ein echter Bayer. Aber auch ein guter Deutscher,und auch hier beruft er sich gern auf das Beispielseines Großvaters, Ludwigs 1. Die „Vasalienrede'von Moskau im Jahre 1896 hätten kleine Geister,die für die Großzügigkeit des Wesens des PrinzenLudwig kein Verständnis hatten, als Ausfluß einesgleichsam grundsätzlich oppositionellen Partikularis-mus hinstellen mögen. Das war sie aber nicht. Sie ^
wird er denken und handeln auch als König, alsWittelsbacher und Bayer und als Deutscher . '
In seinen Reden als Prinz hat König Ludwig nicht nur gern indirekt seine persönlichen Auffas-sungen und Ansichten, seine Absichten und Grund-sätze kundgegeben, er hat bisweilen auch über siegesprochen und dabei wertvolle Aufschlüsse überseine Persönlichkeit gegeben. So sagte er in einerRedezu Landau in der Pfalz im Mai 1894 u. a.: „Und ichdarf in Wahrheit sagen, daß ich n ur d a s ö f s e n t -liche Wohl bei aller meiner Tätigkeit im Augehabe. Ich für meine Person habe nur sehr ein-fache Bedürfnisse und will nichts für mich."Sein Wahlspruch war eben: Luluk publieu snprenmlex v8to! Und er treibt nicht persönliche Liebhabe-reien, wie er in Landau damals ebenfalls betonte:„Ich ü b e r I e g e r e i f l i ch nach allen Seiten, bevorich einen Entschluß fasse, dann aber suche ich den-selben auch durchzu führe n." In derselben Redesagte er noch: „Ich bin der Letzte, der das Alte ab-schaffen wollte, wöil es alt ist. Das gute Altemuß erhalten werden. Aber wo das Alte sichüberlebt hat und nicht mehr gut ist, da muß esabgeschafft und geändert werden. DasNeue aber, soweit es gut ist, verdient die
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war weiter nichts als eine notwendige Richtigstel-lung eines zwar wohl nicht bös gemeinten, aber un-überlegten Wortes bei einer Gelegenheit, wo frei-lich Unüberlegtheiten nicht vorkommen sollten.Lange vor dem Jähre 1896 hatte Prinz Ludwig ge-nau so, wie er es auch später zu gegebener Zeit tat,immer, wieder die d e u t s ch e E i n i g k e i t, die Not-wendigkeit treuen Zusammenhaltens zwischen dendeutschen Fürsten und Stämmen laut betont und da^zu aufgefordert. Dabei freilich auch mit berechtig-tem Nachdruck gegenüber gedankenloser Schwär-merei für Gleichmacherei bisweilen bemerkt, daßdeutsche Gesinnung und Freude am Reich Kein An-laß zu sein brauche, dem engeren Heimat- und Vater-lande untreu zu werden. So ist er auch in dieserHinsicht stets den gegebenen Verhältnissen gerecht ge-worden als gerecht denkender und weitblickenderMann, dem das Deutsche Reich ein hehres Ideal, dersich aber auch bewußt ist, daß des Reiches Festigkeitund Unerschütterlichkeit nicht zuletzt in der solidengesunden Eigenart der deutschen Stamme und Staa-ten begründet ist. Neben dieser allgemeinen Ten-denz hat er auch mehrfach bekundet, wie sehr es seinWunsch ist, daß das deutsche und das bayerischeHeer und die Marine auf der Höhe sei, damitDeutschland immer stark genug bleibe, um die Geg-ner nicht an einen Angriff denken zu lassen und soein mächtiges Bollwerk des Friedens in Europa zusein. Wie er als Prinz gesprochen, so sprach er auchals Prinzregent in Berlin und in Kelheim , und so
Einführung." Das ist wahrhaft konservati v undzugleich wahrhaft fortschrittlich, das ist imguten Sinne modern. Darin spricht sich weder starreReaktion noch blinde Neuerungssucht aus, sondernweise Zweckmäßigkeit, die nach Gründen handelt undnach Zielen strebt, eine gesunde Staatsweisheit, dienur das Gute will und es nimmt, wo es ihr sich bietet.
Dem Bilde unseres Königs fehlte der wichtigsteZug, wenn darauf nicht auch seine Stellung zur R e -Iigion entsprechend zum Ausdruck gebracht wäre.Religiös und fromm, wie er erzogen wurde, ist ergeblieben. Echte Religiosität und Frömmigkeit hatsein Leben und vor allem sein Leben in seiner Fa-milie und das Leben seiner Familie beherrschend be-einflußt und harmonisch und vorbildlich für hoch undniedrig gestaltet. Sie hat ihm wohl auch ein stren-ges Pflichtgefühl zur zweiten Natur werden lassen,das ihm die Antriebe gab, sich für das Leben, fürseinen hohen Beruf so vorzubilden, wie er es getanhat. AIs aufrechter Mann, der aus dem, was er ist,was ihn beseelt, auch der Welt gegenüber kein Hehlmacht, hat er in seinen öffentlichen Reden gelegent-lich auch sein Verhältnis zur katholischen Kirche ,deren treuer Sohn er immer war, und zu den deut-schen Katholiken berührt. Im Januar 1899 spracher unter Hinweis auf die Ierusalemfahrt des deut-schen Kaisers und die damalige Schenkung derüormitio K6krti88imge virgini8 von den Gefühlen derFreude und des Dankes der Katholiken über dieseTat des Kaisers und fuhr dann fort: „Die deut-
schen Katholiken verlangen ja nichts anderesals v o l l e G I e i ch b e r e ch t i g u n g mit den deut-schen Protestanten, und zwar vom Reiche, im Reiche,in jedem einzelnen Staate des Reiches dieselbeGleichberechtigung, deren sich in dem zweitgrößtenStaate des Deutschen Reiches die Protestanten, ob-wohl eine Minderheit der katholischen Mehrheitgegenüber, erfreuen." Und vor ungefähr einemJahre, am 13. Oktober 1912, hielt er in Altötting jene Rede, in der es u. a. hieß: „Es ist eine selbst-verständliche Sache, daß ich katholisch bin, das binich durch die Taufe und ich bin es auch aus Ueber-zeugung. Ich lasse mir das übrigens ebenso wenignehmen, wie andere es sich nicht nehmen lassen." Erbezeichnete es weiter als wünschenswert, „wennjede Äeligionsgesellschaft ihre eigenen Angelegen-heiten selbständig regeln und sich möglichst wenig indie anderen einmischen würde . . . Aber darin be-steht die wirkliche Toleranz, daß man sichan der Ausübung nicht stößt. Wir Katholiken stoßenuns nicht an der Ausübung anderer Religionsbe-kenntnisse.. Ich wünsche, daß der Friede derKonfessionen bleibe und daß keitie von ihnenUrsache zu berechtigter Klage habe." Darin sprichtsich neben der katholischen Ueberzeugung die wahreToleranz aus, die Toleranz, die sich an der Ausübungnicht stößt, nicht die „Toleranz. die sich zwar überkatholische Prozessionen ärgert, die aber nichts da-gegen einzuwenden hat, wenn im Fast-nachtszug u. dgl. zum Höhne katholischePriester und andere kirchliche Personennachgebildet werden". Es bekundet sich indiesen Worten auch ein feines Verständnis fürden konfessionellen Frieden, der auf Gleichberech-tigung und gerechter Behandlung, nicht aber aus ge-hässigen Ausnahmegesetzen und bewußter und ge-wallter Unterdrückung aufgebaut werden kann. ,
So steht die erhabene Gestalt unseres Königsvor uns als die eines wirklich modernen Herrschers,als die eines Mannes, der seine Zeit versteht und indie Zeit hineinpaßt: Treu und überzeugt am gutenAlten festhaltend, das gute Neue freudig und dank-bar hinnehmend. Zum guten Alten gehört für ihndie Religion, das Verhältnis der Menschheit zuihrem Gott, das durch Jahrhunderte bewährte Zu-sammenhalten von König und Volk, von Wittelsbachund Bayern , das friedliche Nebeneinanderbestehen,aber auch das zum Wähle der Gesamtheit unerläß-liche einträchtige Zusammenwirken der verschiede-nen Stände und Berufe, kurz gesagt: Die christ-lich monarchische Staatsordnung inBayern wie im Reiche. Auf dieser Basis sucht erdem Fortschritt der Menschheit zu dienen, einemFortschritt, der die Menschen nicht im Irdischen auf-gehen, nicht an der Erde kleben lassen, sondern siedurch Vervollkommnung der irdischen Verhältnissevollkommen machen soll auch für das Streben nachdem höchsten und letzten Ziele und Ideal der Msn-schenbrust, das nur im Jenseits zu erreichen ist,'nurdort seiner Vollendung entgegengehen kann. Dasist und muß sein wie das Ziel jedes denkenden Men-schen, jedes Menschen, der sich nicht für so überflüs-sig und erbärmlich hält. daß er seinen Zweck imKonsum von Eß- und Trinkwaren und derlei Ge-nüssen erfüllt und erschöpft sieht, so auch des christ-lichen Monarchen. Indem er die Menschheit ausdem Wege wahren irdischen Fortschritts auch demHimmel näher bringen hilft, verdient sich der christ-liche König stets von neuem den Ehrentitel einesKönigs von Gottes Gnaden. Mag man den Inhaltdieses Begriffes so oder anders zu erklären suchen,mag man damit mehr das Verhältnis des Monarchenzu Gott oder mehr die Unabhängigkeit von irgend-welchen irdischen Instanzen und die alleinige'Ver-antwortung vor Gott betonen wollen: So lange derTitel überhaupt einen dem Wortlaut irgendwie ent-sprechenden Inhalt haben soll, so lange, bleibt einVerhältnis des Monarchen zu Gott bestehen, bleibenbestehen Pflichten, die sich aus diesem Verhältnis zuGott und aus deni Herrscheramt über die Menschenergeben, Pflichten gegenüber Gott und Pflichtengegenüber den Menschen im Aufblick zu Gott . Dasist der tiefere Sinn des Gottesgnadentums, das nurder leugnen oder hinwegdisputieren wollen kann.dem Gott nichts mehr ist und der König nicht vielmehr. Ein erhabener Sinn fürwahr! Und ein er-habenes Amt ist auch das Amt des christlichen Herr-,schers, des Königs von Gottes Gnaden.
König Ludwig ist ein christlicher Herrscher, einüberzeugter Katholik, der seine Ueberzeugung be-kennt und im praktischen Leben daraus die Kon-sequenzen zieht. Ein konsequenter Katholik aberauch insofern, als er die wahre Nächstenliebe undToleranz übt, die sich an der Ausübung eines ande-ren Bekenntnisses nicht stößt. Er ist stolz darauf,ein Katholik zu sein, aber auch stolz darauf, daß inBayern die Protestanten gerecht und auf dem Fußeder Gleichberechtigung behandelt werden. Er meintes mit allen Landeskindern gut und bietet dadurchund mit seiner vielseitigen Bildung, seiner Klugheitund reichen praktischen Erfahrung, mit seinem Ver-ständnis und Interesse für alle Bedürfnisse mensch-licher Wohlfahrt die sichere Gewähr, daß er alles tunwird, um allen Landeskindern ein wirklicher Vater,Beschützer und Förderer in allem Guten und Schönenzu sein. So wird denn das Bayernvolk ihn, auf denes schon lange mit Wohlgefallen und Sympathie,mit Verehrung und Liebe geschaut, mit größtem Ver-trauen, mit herzlicher Freude, mit Jubel und Be-geisterung auf dein Thron der Wittelsbacher als denfünften Bayernkönig begrüßen. Es wird sich freuen,daß er, der einst für den griechischen Thron bestimmtschien, nunmehr die bayerische Krone trügt. Und wiees ihn als das Muster eines christlichen Monarchen,eines deutschen Fürsten begrüßt, so begrüßt es nebenihm aus den: Throne mit den gleichen herzlichen Ge-fühlen als das Vorbild einer echten christlichenK ö n i g i n die hohe Frau, die weithin als das Idealeiner christlichen deutschen Frau und Mutter schonlange erschien, die es wahrhaft verdient, eine Köni-gin, eine Landesmutter zu sein, verehrt und geliebtvon allen treuen Bayern , Prinz Ludwig und Prin-zessin Marie Therese waren ein vorbildliches, einideales christliches Ehepaar und Fürstenpaar von je-her, und sie werden nunmehr sein ein ideales christ-liches Herrscherpaar, ein Vorbild christlicher und da-rum auch königlicher und bürgerlicher Tugenden.Und wenn heute Bayen glücklich ist, wieder einenwirklichen König zu haben, einen König, der regiertund repräsentiert, so ist es nicht minder glücklich,nach langer, langer Zeit auch wieder eine Königin zubaden. An diesem Glück Bayerns werden Millionenim ganzen Deutschen Reich und darüber hinaus, so-weit die deutsche Zunge klingt, innigen Anteil neh-men. Weithin erbraust heute der Iubelruf: Es lebeder König! Es lebe die Königin! Und es hebt sichder Blick himmelan zum Lenker der Geschicke derFürsten wie der einfachen Sterblichen, und im Gebetesteigt zu ihm der heiße Wunsch empor: Gott segneund schütze unser Königspaar und sei mit ihm, mitLand und Volk für heut' und immerdar! D