Aro. 511
Vorabendblatt
Borabendblatt
Gelte 9
Augsburger Postzeitung.
6. November 1913.
Blocks nicht völlig gleichartig ist, jedes Wahlbündnis mitder Sozialdemokratie, und trüge es noch so sehr den Cha-rakter eines reinen Geschäftsbündnisses, unbedingt verur-teilen müssen. Die Sozialdemokratie ist eine antimonar-chische Partei mit republikanischen Zielen, sie benagt mitMaulwurfseiser und Maulivurfsfreude unablässig diesenGrundpfeiler unseres durch die monarchische Staatsformaufblühenden Vaterlandes. Es gibt wohl kaum eine Ge-legenheit in den Wechselfällen der äußeren Politik derletzten Jahre, wo sie sich nicht offen und entschieden ausdie Seite unserer nationalen Gegner gestellt hätte, oft inAugenblicken, die für Krieg oder Frieden geradezu von ent-scheidender Bedeutung waren. Sie ist ferner eine ausge-sprochene Klassenpartei, die den Kamps einer einzigenKlasse gegen alle andern systematisch betreibt und dadurchden gemeinsamen nationalen und kulturellen Interessen,die ein liberaler Mann stets an die Spitze seiner Politikstellen mutz, spürbar Abbruch tut. Sieht sich deshalb einnationalliberaler Wühler in die Zwangslage versetzt, ent-weder einem Ultramotanen, oder einem Sozialdemokra-lep die Stimme geben zu müssen, so gibt es unseres Erach-:ens für ihn und so auch für die badischen Nationallibera-len am kommenden Samstag nur die eine Parole: Unrecallen Umständen gegen die Sozialdemokratie! Und alstrotzdem an diesem Tage zum ersten Male ein Wahlbünd-nis zwischen den liberalen Blockparteien und den Sozial-demokraten in den badischen Stichwahlen zustande . k im,nannten wir diesen Beschluß in Nr. 1111 vorn 25. Oktober1905 bedauerlich und beharrten auch der vollzogenen Tat-sache gegenüber bei der Erklärung, „daß uns jedes Bünd-nis mit der Sozialdemokratie für eine nationale und libe-rale Partei unbedingt verwerflich erscheint, mögen dieaugenblicklichen Vorteile eines solchen Bündnisses noch soleuchtend wirken". Als im Jahre 1909 das Thema desGrotzblocks für Baden zum zweiten Male auf der Tages-ordnung stand, schrieben wir in Nr. 1125 vom 25. Oktober1909: Und in der Tat, eine Partei, die nicht einsieht, daßdie monarchische Regierungsform für Deutschland eine poli-tische Notwendigkeit ist, die sich darauf steift, einzig undallein die Interessen des Lohnarbeiters zu vertreten, undallen andern Ständen je eher je lieber den Hals umdrehenmöchte, ist nicht bündnissähig. Sollte es wenigstens nicht sein.Unsere Parteifreunde in Baden scheinen nickt ja zu denke I.Sie sollen beabsichtigen, den „Großblock" — Liberalismusund Sozialdemokratie gegen das Zentrum — zu erneuern,sie meinen, daß der Selbsterhaltungstrieb — sie hoffen da-mit 18 Mandate zu retten — ihnen diesen Schritt gebieten,und halten es für ein kleineres Uebel, sich von der rotenWelle tragen, als sich von ihr begraben zu lassen. Eigen-artige Landssverhältnisse, die umgänglichere Form ^-:rrevisionistisch gefärbten badischen Sozialdemokratie, die Er-wägung, daß der Liberalismus dauernd in den Rückstandkomme, wenn er es dem Zentrum überlasse, die Vorteileaus einem Paktieren mit der Sozialdemokratie einzuheim-sen, mögen den badischen Nationalliberalen den schwerenEntschluß erleichtert haben. Sie mögen auch damit rechnen,daß man hier und da in nationalliberalen Reihen still-schweigend ihnen zustimmt. Das alles vorausgesetzt, wirdman Milderungsgründe gelten lassen, aber billigen kannund darf man auch in Stichwahlnöten ein Bündnis mit derSozialdemokratie so lange nicht, als diese Partei die be-stehende Staats- und Gesellschaftsordnung grundsätzlich ab-lehnt. Auf diesem Standpunkt stehen wir auch heute noch.Wir wurzeln in unserem Wirtschaftsleben und können miteiner Partei, die unser ganzes wirtschaftliches System um-stürzen möchte, keine gemeinsame politische Arbeit tun: wirfreuen uns des unternehmenden Geistes, der uns in denletzten Jahrzehnten auf eine stolze Höhe in der Welt ge-bracht hat, und stehen deshalb in scharfer Gegnerschaftzü einer Partei, die mit der Unterdrückung der Persön-lichkeit und mit der Verstaatlichung der Produktionsmittelden Unternehmergeist Knütteln will: wir leben der Hoff-nung, daß sich manche Unebenheiten in unserem, sozialenLeben durch Maßregeln einer weisen, den Schwachen stützen-den Staatspolitik beseitigen lassen, und verwerfen denStandpunkt, der die Klassen gegeneinander hetzt und eszu einer äußersten Entscheidung kommen lassen will: wirsind stolz auf unsere nationale Größe, auf unsere Staats-form, und weisen eine Partei von uns, die uns in derweltpolitischen Entwicklung rückwärts schrauben möchte,hie unsere nationalen Eigenarten verachtet und die Ein-richtung der Monarchie verlästert. Das sind einige wenigeGegensätze zwischen der Sozialdemokratie und einemnatibnal gesinnten Liberalismus, von denen jeder einzelneeine Arbeitsgemeinschaft verhindern sollte. Wen aberdiese Gründe des politischen Gewissens nicht überzeugenKönnen, der sollte sich vom reinen Nützlich-keitsstandpunkt aus veranlaßt sehen,eine Großblockpolitik im Interesse derNationalliberalen Partei zürückzu wei-sen. Wir haben in den letzten Jahren radikale Zeitengehabt, wir haben gesehen, daß die Wähler in Massen indas sozialdemokratische Lager übergegangen sind; gegen-wärtig beobachten wir aber, daß mit ruhigen Zeitenin diese Wählermassen auch die ruhigeund gemäßigte Gesinnung zurückkehrt.Verkuppelt man sie aber gewalsam immerundimmerwiederzuwahlpolitischenZwek-kenmit d er Sozialdemokratie, so erstehtdie Gefahr, daß auch die großen Gegen-sätze zwischen diesen Weltanschauungenverschwimmen, und daß die Sozialdemo-,Kratie schließlich liberale Wähler in sichaufsaugt. Anderseits haben wir gesehen,daß gerade in Baden streng nationalibe-rgle Männer, die diese Entwicklung fürch-teten, sich von der Partei getrennt undsich Gruppen angeschlossen haben, mitderen Wesen sie innerlich nicht überein-stimmen. Die N a t i n a l I i b e r a l e Partei inBaden muß deshalb trotz des Erfolges,den sie als Partei diesmal davongetra-gen hat, zu der Einsicht kommen, daß diebisherige Politik des Grotzblocks einegründliche Schlappe erlitten hat, und daßsich d i e F o I g e n, w e n n diese P o I i t i k k ü n st-lich konserviert würde, bei der nächsten
eine herrsiche .üristalusation all des Großen und Schö>-nen schauen, das im Weichbilde der ewigen Stadt geernlüsich findet. Bei solcher Eigenart des erwähnten Kunst-blattes ist dasselbe wohl geeignet, in erster Linie allenRom-Freunden und -Kennern als hervorragender, stim-mungsvoller Wandschmuck zu gelten.
Das zweite vorliegende Bild zeigt die Gesicht des!hl.Erzengels Raphael nach einem Gemälde von Fr.. Aegi-diuS Red er, 8. l». 8., einem Künstler, dem die alten,strengen Slilsormen genau bekannt sind, der dieselben so-gar mit Vorsiehe anwendet, ihnen jedoch einen Anhauchueuzeitlicher Kunst zu geben weiß. Der Versuch, Altesmit Neuem zu amalganucren, ist schon häufig gemachtworden, nur selten mit glücklichen Resultaten. Zu gün-stigen Erfolgen ist jedoch Fr. Reder hierin gekommen. Alseine mit mäch-igen Fittichen umrahmte, ernste und denN-aoch freundliche Lickwgestalt steht Raphael vor uns: inewei celiesarlig gehalrenen Bildern des Himergnmdesaus sein Schirmeramt der Familie des frommen Tobias,innig hingewiesen- Man hal den Eindruck, daß dieserkraftvolle Engel auch anderen Menschenkindern, vor allemder Jugend Schutzgeist und Führer sein könne, daher tieAnbringung des wirinngsvvtsin Bildes besonders dortsich- empfehlen dürste, wo in Familienhänsern zuwächst dieKinder ihre Woh.w und Schlafe.',»nie haben. ck.
Aus Kunst und Mssenschcrsl.
Ke Qochschulnachrichten. Als Nachfolger des a.o- Professors G. Höh ist der Privaldozeut und Assistentan der chirurgischen Klinik zu Erlangen Dr. med.Wilhelm Lobend offer znni Oberarzt der chirurgischenKlinik in Würzbnrg berufen. — In der Bonner.alholisch-theologischen Fakultät habiliiiertc sich Dr.theol. Wilhelm Nenß mit einer Antrittsvorlesung überDen .Einfluß des orientalischen Mönchlnms auf dasAbendland zur Karosinaerzsit". — Der außerordentlicheHochschulprofessor für Moral- und Pastoraltheologie amKgl. bnner- Lyzcmn in Bamberg Dr. theol. PhilippKühn ist, wie wir schon berichtet haben, rum etats-mäßigen ordentlichen Hochichuivrofessor daselbst ernanntworden. Geboren 1865 zu Bütihard (llntcrsranken),studierte er in Würzbnrg Philosopie und trat 1885 indas. Priest'erseminnr ein. um sich dem Studium derTheologie zu widmen. 1888 zum Priester geweiht, kam> als Kaplan nach Miltcnberg und erteilte zugleichReligionsunterricht an der Lateinschule daselbst. Nur
Gelegenheit anihr rächen würden. Der Ent-schluß, zu einer neuen Politik überzugehenund die alte als einen Irrtum zu ver wer-fe n,wird ihr nicht leicht werd en ; aber siemöge dabei an Gutzkows Weisheit denken:Bon einem Irrtun, erlöst, aber auch sorecht von ihm erlöst sein, gewährt größereFreude, als eine neue Wahrheit gesundenzu haben.
Zum Kartell der schaffenden Arbeit. Ge-genüber den fortlaufenden Berichten über den an-,geblich erfolgten Zusammenschluß öer drei schaffendenStände — Industrie, Landwirtschaft und Handwerk— zur .Gemeinschaftsarbeit" stellt der geschäftsfüh-rende Ausschuß des Deutschen Handwerks- und.Ge-werbekammertages fest, daß bisher die gesetzlichenInteressenvertretungen dieser drei Stände, derDeutsche Handelstag, der Deutsche Landwirtschaftsratund der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammer-tag, zu dieser Frage offiziell überhaupt noch nichtStellung genommen haben. Zur Sache selbst würdeder geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Hand-werks- und Gewerbekammertages eine Arbeit derberufenen Interessenvertretungen der drei schaffendenStände, die je unter vollster Wahrung der eigenenSelbständigkeit von dem Streben nach gemeinsamerVerständigung und gegenseitiger Rücksichtnahme aufdie Interessen der einzelnen Gruppen getragen ist,in der Erwartung begrüßen, daß die berechtigtenInteressen des deutschen Handwerks und seiner Ar-beit auch bei den anderen Berussgruppen ein gleichesVerständnis und gleiche Rücksicht finden. Insbeson-dere erklärt der geschäftsführende Ausschuß desDeutschen Handwerks- und Gewerbekammertages,daß er es als seine Aufgabe betrachtet, bei. der Vor-bereitung der neuen Handelsverträge in vollem Um-fange gemäß der den Handwerks- und Gewerbekam-mern gesetzlich übertragenen Pflicht der Vertretungsämtlicher Interessen des Handwerks alle einschlägi-gen Fragen zu behandeln, um möglichst aus eineAusgleichung entgegengesetzter Interessen hinzuwirkenund die vorhandenen -berechtigten Wünsche in jederWeise, insbesondere auch durch persönliche Verhand-lungen, zu fördern.
Eine Abänderung der Reichsdersicherungs-orönung durch ein Notgesetz wird mit einer Petitionbeim Reichstag und Bundesrat nachgesucht. DerVerband der Büroangestellten (Sitz Berlin ) willnamens der ihm angeschlossenen 4000 Kravkenkassen-angestellten in letzter Stunde aus diesem Wege er-reichen, daß die Schädigung weiter Schichten dieser.Angestellten durch-die organisatorischen Aenderungender Krankenversicherung abgewendet wird. Am 31,Dezember 1913 werden infolge der Reichsversiche-rungsordnung zahlreiche Ortskrankenkassen geschlos-sen. Dadurch werden allein nach einer Feststellungdieses Verbandes bei 227 zu schließenden Ortskrcm-kenkassen 883 Angestellte stellenlos. Weil nach An-sicht des Verbandes der Büroangcstellten eine sach-liche Notwendigkeit für die Anwendung dieser Be-stimmungen auf die jetzigen Vorgänge nicht besteht,schlägt er in der Petition ein Notgesotz vor, das dieWeiterbeschästiguNg der jetzt durch die Kassenschlie-ßungen gekündigten Angestellten bei den neuen Kassenund die Weiterzahlung der Renten an Invaliden,Witwen und Waisen von Kaffennngestellten sichert.
Zur Arbeitslosenversicherung. Ueber dieFrage der Arbeitslosenversicherung steht nach der„Tägl. Rundschau" alsbald nach den, Zusammentrittdes Reichstages eine große Debatte zu erwarten. DieNeichsregierung wolle sich allem äußeren Anscheinnach völlig ablehnend verhalten.-
Bassermanngroßblockmüde? Die Rastatter Nationalliöeralen haben den schleunigen Zusammen-tritt einer badischen Landesoersammluug der na-tionalliberalen Partei verlangt. Davon will der.Mannheimer Generalanzeiger", der dem Abg. Was-sermann nahesteht, nichts wissen: „Wir brauchenheute etwas ganz anderes als eine Abrechnunginnerhalb der Partei über die Großblvcktaktik, einegroße Aktion in diesem Augenblick, die uns nurzwecklos innere.Unruhen schaffen müßte. Tritt späterim Laufe des Winters die gewohnte Landesver-sammlung zusammen, so wird und soll sie eine et-was weniger sensationelle Tagesordnung für dieNeuorientierung der Politik der nativnallibcralenPartei erhalten. Die Tagesordnung wird sein: Wierichtet sich die nationalliberale Fraktion im neuenLandtag ein und was .sind die nächsten Ausgaben.dernationalliberalen Partei im Land? Zum erstenPunkte wird man sich dahin entscheiden, daß mandie Richtlinien der Jahre 1909 bis 1913 innehaltenkann, nach denen man praktisch liberale Politik invollster Freiheit nach links wie nach rechts gemachthat. Zu letzterem Punkt wird man erklären, daß esnur wenig Sinn haben würde, die Talt-k der Wahlvon 1917 jetzt schon festlegen zu wollen. Aber ebensoklar ist es, daß die Grvßblocktatik für uns keinDogma ist und daß wir uns der unleugbaren Fes-seln, die sie der Partei auferlegt, gern entledigen
kurze Zeit hatte er diese Stelle inne. Schon im Januar1890 kericf ihn der damalige Bischof von Würzburg Dr. Franz Joseph v. Stein als Assistent in das Würz-burger Priesterseminnr- 1892 promovierte er zum Dr.theol. mit einer Dissertation: .Leos I. des GrobenChristologie. in systematischer Darstellung" und wurde1898 als Nachfolger des Domkapitulars Dr. Emmerichzum Regens des bischöfl. Knabenseminars Chiliancumin Würzburg berufen. Am 29 Oktober 1903 erfolgteseine Ernennung znm a- o- Professor aur Lyzeurn zuBamberg als Nachfolger von Pros. Dr. Heinrich Reuter.
!! München , 3. Nov- 13. Die Anmeldungen um Neu-aufnahme in die Akademie der bildenden Künste für das Wintersemester 1913/14 waren auch diesmalwieder sehr zahlreich. Für Aufnahme in. die Malklassenhatten sich 167 Schüler angemeldet, von denen aufGrund des Prüfungsergelmisses jedoch nur 62 aufge-nommen werden konnten: in die Bildhauerklnssen konntenvon 23 geprüften Schülern 12 Aufnahme finden. MitRücklicht auf den Dochschnlcharakter der Akademie hatdie Prüfungskommission die Anforderungen an dasKönnen und an die Vorstudien der Neunnszunchmendenbeträchtlich gesteigert und auch eine strengere Prüfungder eingereichten Arbeiten vorgenommen. Das Bestrebender Direktion der Akademie der bildenden Künste gehtdahin, die Frequenz der Anstalt nach Möglichkeit zu ver-mindern, dagegen die künstlerische Qualität der Schülermehr und mehr zu erhöhen.
Nö Zum Gedächtnis Anton von Verfalls. DenDichter nnv Jugendschriftsteller Anton Freiherrn vonPorfall im Schlierseer Gebiet, in dem er gelebt, gewirktund geschrieben, durch Errichtung eines Denksteinsdauernd zu ehren, das war die dankbare Aufgabe, diesich der Bayerische Jägervercin mit Unterstützung andererKreise wie des Milchner Journalisten- und Schriftsteller-vereins gestellt hatte. Ein herrlicher Spätherbsttag, der>ie Berge in ganzer Pracht zeigte, begünstigte den2 November, den Tag der Enthüllungsseier- Die Mehr-zahl der Gäste wanderte von Neuhaus zu Fuß zu derStätte, andere folgten zu Wagen. Wenn man die Höhedes Spitzingsattels erreicht, so grüßt zur Rechten einErinnerungszeichen an den frohen Wanderer Tr ant-wein. der durch seine Alpenführer^ unsere Bergwelt sovielen erschlossen. Da wo die Straße sich senkt und eineWaldzunge dicht an den lieblichen See herantritt, ist eingroßer Fi nd l ings b lo ck aufgerichtet, der ein Medaillondes Verewigten von Adolf von Hildebrand trägtz. Nicht,in Gehrock und Zylinder war man zu dieser intimen
werden, je früher um so besser/" Das sieht doch soaus, als hätte auch der Abg. Wassermann nachgeradeden Geschmack am Großblock verloren.
Ausiand.
Oesterreich.
-Q- Oesterreich und Mexiko . Der bisherige Chefdes literarischen Bureaus im Ministerium des Aeu-ßern, Freiherr von Kania, eine wegen ihrer Energiebekannte Persönlichkeit, ist bekanntlich kürzlich zumösterreichischen Gesandten in Mexiko ernannt wor-den. Man bringt diese Ernennung mit der bevor-stehenden Wahl des Parteiführers Blanquet, einesAnhängers Huertas, zum Präsidenten oder Vizeprä-sidenten der mexikanischen Republik in Zusammen-hang. Blanquet, der jetzt bereits Kriegsminister ist,war einer der sechs Soldaten, welche seinerzeit Kai-ser Maximilian , Erzherzog von Oesterreich, erschossenhaben. Oesterreich will gegen die beabsichtigte WahlBlanquets Protest erheben lassen.
X Neuerliche Parlamentskrawalle. Im Abgeordneten-hause verlas Graf Ap-ponyi eine Erklärung sämtlicherFraktionen der Opposition, in welcher gesagt wird, daßdie' Opposition in diesem Parlament, in welchem die mitmilitärischer Gewalt ' ausgerüstete Parlamentswache dieRedefreiheit verletze, an den Verhandlungen grundsätzlichi picht teilnehmen könne. Mit Rücksicht jedoch, daß, hier
- ein. förmlicher Feldzug gegen sämtliche Versassungsgarcui--tien und die auf der Tagesordnung stehende Vorlage übereine Resorm des Schwurgerichts, welche die Geschworcnen-iustitution iu verhüllter Form aufhebe, eine hervorragendeVerfassung-garantie vernichten wolle, wolle die Oppositionunter Wahrung des grundsätzlichen Standpunktes ihreStimme bei der Beratiing der Vorlage erheben. — DerPräsident erklärte, daß der Protest gegen die durch die.Hausordnung eingeführte Parlameniswache keine Bedeu-tung und Wirksamkeit besitze. — Hierauf hielt der Oppo-sitionelle Bendet eine Rede, in der er gegen die Vorlageüber die Reform des Schwurgerichtsversahrens eingehendpolemisierte. Gegen Schluß der Sitzung erhob sich eingroßer Tumult, weil bei' der Festsetzung der Tagesord-nung der oppositionelle Abgeordnete Loväszy die Beste-chnngsasfäre zur Sprache brachte. Trotz der wiederhol-ten Mahnungen des Präsidenten verzichtete Redner nichtaus die Abschweifung von dem Gegenstand und ergingsich in Schmähungen gegen die Majorität. Nach wieder-holten Mahnungen des Präsidenten wurde die Sitzungaufgehoben. Die Parlameniswache erschien im Saal, umdie hauptsächlichsten Ruhestörer, die Abgg. Lovaezy undAbraham und Jöhaun Justh zu entfernen. Jedoch ver-ließen sämtliche Mitglieder der Opposition den Beratungs-
- -saal, woran? die Sitzung geschlossen wurde.
X Das französische Budget für 1914. Die Ge-samtsumme der im Budget sür 1914 gefordertenKredite' beträgt rund 5,373,300,000 Ircs. Die Ver-mehrung der Ausgaben beträgt ungefähr 681 Millionen.Die durch die Einnahmen nicht gedeckte Summe wirdaus 794 Millionen geschätzt. Die hauptsächlichen Ver-mehrungen werden hervorgerufen durch die Mehr-kosten sür Marokko mit 202, durch die Anwendungdes Gesetzes über die 3jährige Dienstzeit mit 170 unddurch andere Kapitel für die nationale Verteidigungmit 157 Millionen. Der Finanzminister schlägt vpr-läufig vor, 404 Millionen für Marokko anzusetzen,i für deren Aufbringung ein Anleiheentwurf vorgelegtWird. Der Ueberschuß von 100 Millionen aus den° Einnahmen für 1912 wird auf das Budget 1914übertragen. Der noch aufzubringende Rest von un-gefähr 288 Millionen soll Lurch Taxberichtigung undneue Steuern beschafft werden. Darunter sind her-vorzuheben cine.Zusatzsteiier für den Verkauf vonSteinkohlen, eins Verdoppelung der Steuer aufBörscnoperationen, eine einprozentige Herabsetzungdes Paffiergewichts in den Zollerklärungen, dieAusdehnung der Stempelsteuer auf fremde, an derBörse nicht gebündelte Wertpapiere.
X Die Wiederaufnahme der Parlaments-verhaudluugen. Das Parlament hat seine Sitzungenwieder anfgenvmmen. In der Kammer legte derFinanzminister den Etatsentwurf für 1914 vor.Trotzdem Barthou erklärte, es sei unmöglich, dieWahlreform der beiden Kammern vor Ende derLegislaturperiode znm Abschluß zu bringen, beschloß, die Kammer mit 291 gegen 273 Stimmen, an ersterStelle die Wahlresorm zu erörtern. Barthou tratfür die Erörterung der Entwürfe zur Verteidigungder Laienschule ein. Im Senat hat der Kriegs-minister einen Ergünzungscntwurf zum DAijahres-gesetz eingebracht. '
-s- Die Ulsterrebellen. In einer Versammlungvon über 6000 Geschäftsleuten, die ein Kapital vanfast 100 Millionen Pfund Sterling vertraten, wurdeeinstimmig eine Resolution angenommen, nach derdie Zahlung sämtlicher Steuern verweigert wird,sobald irgend ein Versuch zur Anwendung der Ho-merule-Bill gemacht werden sollte, und in der dieSympathien mit der Organisation von Freiwilligensür Ulster ausgedrückt wird.
Feier gekommen, nein, im Jagdanzug oder in der kurzenWich-, in der auch der Gcbirgssckützenberein von Schlier-see ausgerückt war, der mit seiner Fahne neben demDenkmal Aufstellung nahm. Nachdem der Sängerchordes Bayerischen Jägerbererns Mendelssohns prächtigesLied „O Täler weit, o Höhen" vorgetragen- hielt Schrist-steller Karl Graf S capiuelli die Festrede, in dererdem feinsinnigen Künstler gerecht wurde, dein Dichtermit dem warmen Herzen, aus dem die Liebe zur Naturquoll, dem ausgezeichneten Beobachter und Schilderet',der auch im Kleinen das Große sah, dem auch inSchmerzen lächelnden Dichterphilosophen. dem der Todfrühe. Büchse und Feder aus derHnnd nahm- DerRednerweihte einen Kranz namens des MüuchnerJournalisten-und Schriftstellervereins. Der Vorsitzende des bayerischenJägerd.ereiAs. Recht-anwalt Schäfer, der auch persön-lich an der Errichtung des Denkmals sich große Ver-dienste erwarb, feierte den weidgerechten Jäger als leuch-tendes Beispiel für alle Hubertnsjiinger- und Widmeteihm seinen Kranz. Rührend war, wie Verfalls Jäger,der den Siebziger schon überschritten hat. der alteJackl— in vielen Romanen Versalls erscheint seine Figur —an den Stein trat, um seinem Jagdkavalier einen Straußzu widmen. Weiter wurden an dem Denkmal nochKränze niedergelegt im Auftrag des Fürsten von Thurnund Taxis, der „Frnukonia" des VerschönerungsbereinsSchliersee . Zu der Feier, die mit einem Jägerchor ans-klang, waren auch die Angehörigen Versalls erschienen,seine Witwe, ehemals die große Tragödin Magda Jrschick,und seine Schwiegersöhne. Em intimerer Kreis der Fest-gäste war bei der Witwe des Freiherrn v. Verfall zumTee geladen. Die übrigen Teilnehmer stärkten sich inder nahen Wnrzhütte, wo man im Gespräch noch mancheErinnerungen an den lieben Menschen und den bedeu-tenden Schriftsteller tauschte, dessen letzte Ueberreste indem von ihm so geliebten Schlierseer Gebiet ruhen.
Ü..5V. In der Galerie Baum (Maximilianstr. 32)in München findet man zurzeitzweiKollektib-Ausstellnngen.Die eine ist von Paul Bürck, die andere von HansLicht . Ich hätte gewünscht, daß dieser in seinem Raummehr natürliches Licht hätte- Dieser schönheits- undfreudevolle Landschafter mit seinen leicht zugänglichenStimmungswerten verdiente es- Paul Bürck aber, deruns sc..on von der Modernen Kunsthandlung her bekanntist, zählt unter die problematischen Naturen. Bilder wieder Verkaufte „Abend im Tal" mit seiner klaren, reinenHöhenluft und.gut entwickelten Naturformen lassen denKünstler vonffeiner- besten Seite erkennen. In anderen
Parlameniarische Notizen
— München, 4. Növ. 13. Zum außerordentlichenBudget sür die Jahre 1914 und 1915, hier AusgabenZiffer 4 „Auf Rechnung desStaatseiseilbahnan-letzeus" sind nachträglich folgende Petitionen ein-gelaufen: 1. der Magistrate und Gemeindeverwaltungenvon Garmisch, Kohlgrub, Mittenwald , Murnan, Ober-ammergau, Partenkirchen, Starnberg, Tutzing und Weil-heim, der Verschönerungs-, Verkehrs- und Wintersport-vereine dieser Orte, sowie von Feldafing und Pöcking, -der Alpenvereins-Sektionen Garmisch-Partenkirchen, Mit-tenwald , Tntzing, WeilheimMurnan, des Rodel- und Ski-klubs Partenkirchen, des Bobklubs Garmisch, der Ge-werbevereine Garmisch-aPrtenkirchen, Mittenwald undWeilheim und der Bade- und Kurverwaltung Kohlgrub mit der Bitte, beim Umbau des Starnbcrger BahnhofesVorsorge für die Herstellung einer oberirdischen größeremVerlehr dienlichen bequemet:, gedeckten Verbindung zwi-schen dein Hauptbahnhof und dem neuen StarnüergerBahUhof zu treffen: 2. des' Magistrats der Kreishaupt-stadt Augsburg um Erbauung eines neuen Haupt-bahnhofs, Verbesserung des Güterbahnhofs .daselbst, so-wie der Bahnhöfe in Angsburg-Oberhausen und Augs-burg-Hochzoll. Der Au trag des Ausschusses lau-tet: Die Kammer wolle beschließen, die erste der beidenPetitionen sei der K. Staatsregierung zur Würdigunghinüberzugebeil, die zweite auf nachträglichen Antrag desAbgeordneten Dir. Dirr (lib.) zur Berücksichtigung.
Aus der katholischen A)eit.
Der 25. Internationale EucharistischeKongreß in Lourdes.
kw. Zum 25. Eucharistischen Welt-Kongreß, der 1914in dem berühmten Gnadenort Lourdes abgehalten wird,liegen bereits Anmeldungen aus allen Ländern der Weltvor. Auch Bayern wird dabei vertreten sein. Vlon Bay-ern aus fährt ein offizieller S-onderzug zum Eucharisti-schen Kongreß^ Voraussichtlich wird sich auch ein hoher,kirchlicher Würdenträger daran beteiligen, auch der baye-rische Adel ist vertreten. In den katholischen Kreisen wirddem Unternehmen großx Sympathie entgegengebracht. Wasfür diesen Kongreß, der wohl der größte wird, den die Welt-je gesehen, die Hmrptsache ist, ist schon gelungen: ein siche-res, gutes und billiges Quartier zu erhalten. Schon sinddie ersten Vorkehrungen sür den geplanten Nationälsonder-zug gemacht. Unter anderen bedeutenden Orten wird auchParay-le-Monial, Ars, Lyon, Marseille, Annecy besucht.Voraussichtlich keine Nachtfahrt. Alles Nähere wird zurrechten Zeit in der Presse und iu speziellen Programmenbekanntgegeben. Dieser Jubelkongreß verspricht einen herr-lichen, großartigen Verlaus zu nehmen.
!! M ü nchen, 4. Näov. 13. Die neuerbäute Pfarr-kirche zu St. Margareth in Sendling , derenGrundsteinlegung am 6. Juli 1902 in Gegenwart desPrinzregenten Lnitpold erfolgte, wird am Sonntag den16. ds. Mts. durch Erzbischos Dr. von Bettinger feierlicheingeweiht werden. Se. Kgl. Hoheit der Prmzregent haltsein Erscheinen zu dieser Feier zugesagt.
Amtliche Nachrichten.
Der Adelsmatrikcl wurde einverleibt: am 17. Okt.1913 der Kaiserliche u. Königliche Oesterreich.-UngarischeKämmerer Friedr. Graf v. Stadion-Rzyszczcwskiin Thannhausen als bayerischer Staatsangehöriger inerblicher Weise bei der Grafenklasse.
Armee und Marine.
Der Schutz des „Kaiser-W i l helm-Ka nals"im Kriege.
U. Zugleich mit dem endgültigen Ausbau ist auch,wie uns aus Mariuekreiseu geschrieben wird, eine Ver-mehrung des Schutzes des „Kaiser-Wilhelm-Kauals" zurDurchführung gelaugt. Zumal im Kriege ist ein vermehr-ter Schutz des Kanals und der Durchfahrt von größterBedeutung. Aus diesem Grunde sind in letzter Zeit mehr-fach Verstärkungen der Befestigungsanlagen durchgeführtworden,^ die zum Schutz des Kanals dienen. In ersterReihe ist bemerkenswert, daß; die Befestigung von Bruns-büttclloog bedeutend verstärkt worden ist. Besonders dieKanaleinsahrt von der Elbe aus hat mehrfache neue Siche-rungen erfahren. So wurde bei Brunsbüttel ein neuesFort erbaut, und andere Befestigungen sirrd in der Gegntdgeplant. Die Molen der Kanaleinsahrt haben auch einenweiteren Schutz durch neue Geschütze erhalten, deren Ait-zahl nicht mitgeteilt werden kann. Die FortisilationlHelgolands und Cuxhavens ist im allgemeinen der einzigeSchutz der Elbmündung und des Kanals. Es werdendarum Maßnahmen getroffen werden müssen, durch dieder Schutz der Elbmündung noch weiter als bisher ver-stärkt werden wird. Besonders Brunsbüttelroog steht daan erster Stelle, wo die Verstärkung einsetzen muß undman darf erwarten, daß in der nächsten Zeit Brnnsbütiel-kvog zu einen: wichtigen Stützpunkt der artilleristischenVerteidigung der Elbmündung und des Kanals werdenwird. ^ Besonders im Hinblick auf die Vermehrung derUnterste- und Torpedoboote in der englischen und fran-zösischen Marine erscheint die Verstärkung dieses Stütz-punktes als durchaus notwendig im Interesse unsererKüstcnvertcidigung. Die letzten Ereignisse haben gezeigt,daß auf diesem Gebiete umfassende Maßnahmen durchausnotwendig sind. Die Ausbildung der Mannschaften in derSperrung des Kanals gehört iu zweiter Linie zu denSchutzmaßnahmen, die sür den Kriegsfall vorgesehen wer-den müssen. Llltch wahrend der aiwereu Arbeiten sindmamiistsache Maßnahmen getroffen worden, die für dieVerwendung des „Kcsistr-Wilhelm-Kanals" im Kriegs-falle von Bedeutung werden können. So sind alle Vor-bereitungen getroffen, um dieses wichtige Kriegsinstrwment im Falle der Gefahr brauchbar zu erhalten.
Landschaften überwiegt eine gewisse Kälte der Formüber das Malerische. Aber diesem Weltmystiker, dernicht zufällig in der Graphik seine Phantasien nieder-gelegt hat, genügt die Kunstform der Landschaft nicht-Er greift zum Figurenbild, zeigt da im Porträt mituntereine frische, scharfe Beobachtung, die seinem an die Naturgewöhnten Äuge liegt, aber dann stürmt er zu seinenmystischen Gebilden, wie der Nacht, die zwei zagendeMenschen einander in die Arme führt, oder rhythmischenFiguren, die sicherlich auch mehr bedeuten sollen als siedarstellen. Aber dabei gerät Bürck in eine Art der Dar-stellung, die sich beinahe in- die Regionen des Trivial-Minderwertigen verliert. Auch mehr solides, handwerks-mäßiges Können wäre dem Künstler im Figuralen nochzu wünschen. Es ist immer vom Uebel, wenn man ohnevolle Beherrschung der Natur zum Besonderen undAußerordentlichen eilt. Dasür wäre noch zu helsen. Abereine andere Seele wird sich der Künstler schwerlich schaffenkönnen, und es will uns scheinen, als ob darin seinProblem liege.
A)eli und Mssen.
* Walburgisbtätter. Soeben, zu Beginn des No-vember, ist das zweite Heft dieser neuen ansprechendenMädchenzeitsckrift zur Ausgabe gelangt. Es enthält Auf-sätze und illustrierte Geschichten, wie sie sich ein Mädchennur wünschen kann; auch nützliche Winke sürHausund Küche sind nicht vergessen und eine reizendeBrief-vlauderei, ein richtiger Heimgarten , fehlt erst recht nicht.Jeder wahreFreund und Förderer der weiblichen Jugendmuß das Unternehmen des Stiftes St. Walburg be-grüßen, das mit dem neuen Müdchenblatt ein vortreff-liches Mittel der freien katholischen Jugendpflege ge-schaffen hat- Nebtzn denOrganen der katholischen Jugend-vereine haben die „Walburgisblätter" ein gutes Recht zuexistieren, weil sie ja in allererster Linie an diejenigenMädchenkreisesich wenden, die nochwerktagschul-p Nichtig sind und deshalb noch keiner eigentlichenOrganisation angehören können, und an diejenigen derSchulentwachsenen, die tatsü chli ch nicht organisier!sind. Solcher gibt es in Stadt und Land noch viele undwird immer diele geben- Sie zu erfreuen, sie zu fördern,haben sich die „Walburgisblätter" als Aufgabe gesetzt.Dlögen sie die wohlverdiente Beachtung aller Berufenen,der Eltern, Lehrer und namentlich der Seelsorger fin-den l Bestellungen beim Stift St- Walburg in Eichstätt i. B. Der Jahrgang mit 12 Heften Tostet U30 W-