Wie 10 Borabendblatt Artgsburger Püstzeirung. «. Nooemver 1913.
Die Erledigung der
Die Königs-Proklamation in derKammer der Abgeordneten.
1 7 0, o fse n rli ch e Sitzung.
eil. M ü n ch e n, 5- 'Nov. 13.
Kammer der Abgeordneten.
Tie Abgeordneten lind nahezu vollzählig im Sit-zungssaale anwesend; nur die Sozialdemokraten sehlen.Tie Tribünen sind aber nur ip-'iriich beseht.
Am M inist-erris ch: Ministerpräsident Frhr . v o nverkling, die sämtlichen übrigen Zivilstaatsministerund der Kriegsminister sonie ein großer Stab von Re-gierungstommissären.
2er Beginn der Sitzung, der aus halb 10 Uhr sest-gesetzr war, verzögerte sich bedeutend; es war schon »,»10Uhr, als Präsident Tr. v. Orterer die Sitzung eröffneteund zunächst Mitteilung über Urlaubsgesuche m allste.Tann Dkri er fort: Tas Wort nehmen Seine ExzellenzVerr -staatsminister Freiherr von vertling.
Ministerpräsideni Dr. I^rhr von Herging:
Ich übergebe hiermit dem Herrn Präsidenten einSchriftstück mit den: Ersuchen, dasselbe sowrl zur Kennt-nis des hohen Hauses zu bringen.
Tas Vaus hur s^.-i erhoben. Im Saale herrschtlautlose Stillet
Prüsideni Dr. von Orterer.
erhebt sich und verliest das
Allerhöchste Schreiben
das die Beendigung der Regentschaft ausspricht. (Siehe aufSeite 2.)
Präsident Dr. von Orterer führte dann weiter aus:Es ist mir auch noch eine iv eitere Kundgabe zuge-gangen, welche den, Lande sofort mitgeteilt werden soll.Der Präsident verliest hieraus den Wortlaut der bereitsmitgeteilten Proklamation König Ludwigs III., die aufeiner Extra-Ausgabe der „Bayerischen Staatszeitung " inblauem Letterdruck hergestellt, im Saale an die Abgeord-neten verteilt wird.
Weiter teilte Präsident Dr. von Orterer mit, daß anras Kammerpräsidium unterm 3. November folgendeBorlage des lSesamtministeriumsgerichtet wurde:
„Seine Majestät der König haben geruht, das Gesamt-ministerium zu beauftragen, dem Landtag dieZründe,aus der sich die dauerndeRegie-cun g s u n f ä h i g k e i t Seiner Majestät desKönigs e r g i bt,zur Zustimmunganzuzei-z e n. Wir beehren uns daher, dem Landtag und zwarzunächst der Kammer der Abgeordneten drei ärztliche Gut-achten vom 85. Oktober 1886 und vom 25. Oktober und 1.November 1913 und zwar in Urschrift mitzuteilen und denAntrag zu stellen, der Landtag wolle anerkennen, daß am
1. November die verfassungsmäßigen Voraussetzungen fürdie Beendigung der Regentschaft bestanden haben.
Präsident Tr. v- Orrerer wandte sich dann mitfolgenden p e r s önli ch e n Worten an die Abgeord-neten: , .
Meine Herren! Sie haben die außerordentlich bedeut-samen Mitteilungen der K- Slawsreaftruiig midi die Pro--'klamsliön Seiner Majestät unseres Allergnädigsten Königs,Ludwig tll. vernommen. tkakoinus ivtzwinl Es trifft sichgut und glücklich, daß der Versammlung! der Abgeordnetendes bäuerischen Volkes zuerst die Gelegenheit zur .ffmi l d i-gung gegenüber dem Landeshcrrn geboten wird. Sie sei!kurz in treu-bayerischer Art dargebracht, indem ich Sie'bitte, meine Herren, zum 'Ausdruck unserer unwandel-baren Treue und der ehrerbietigsten Ergebenheit und un-serer innigen Liebe und Anhänglichkeit an unsern Alleregnädigsten Herrn und König, mit mir aus vollem Her-zen, daß es in allen Lauen unseres geliebten bayerischemLandes laut und allseitig ividerhalle, einzustimmen in denRuf: Seine Majestät, unser vielgeliebterKönig Ludwig l 11-, er lebe hoch!
Laut und getragen von freudiger Begeisterung er-scholl das brausende Hoch durch den Saal.
Präsident Tr. v. Orterer sägte dann noch hinzu:Es entstrich! dem denkwürdigen Moment, in dem wirstehen, daß wir die Sitzung aufheben. Ich bitteaber die Herrku, noch einen Augenblick zu verweilen, umdie ärzklichm Gutachten und die Unterlagen entgegenzu-nehmen. Tie Beratungen darüber schlage ich Ihnen vor,am morgigen Donnerstag nachmittags 4 Uhr vorzu-nehmen.
Tas Hans ist damit einverstanden. Es folgte daraufeine kurze geheime Sitzung.
Kurz du c aus'wu rden am S tändehaus diebayerischen Flaggen ausgezogen und über-all in den Straßen wurde die Proklamation-des Königs Ludwig lll. angeschlagen, um diesich zahlreiche Gruppen- drängten.
Tie Landeslmldigung
im Thronsaal der Residenz, findet am Mittwoch, den 12.November statt.
Die Erklärung über die Beendigungder Regentschaft.
Das Gesetz und Verordnungsblatt vom 5. November(57) veröffentlicht die Bekanntmachung über dieRegentschaft, die wir hiermit im Wortlaut veröffent-lichen:
Allerhöchste Erklärung über die Regentschaft.
Ludwig, von Gottes Gnaden Königlicher Prinz vonBayern, Regent.
Seine Majestät König Otto waren schon bei Anfallser Krone durch schweres Leiden gehindert, die Regierungdes Landes zu übernehmen.
Während der nun 27jährigen Regentschaft ist eineBesserung des Leidens nicht eingetreten; es besteht auchKeinerlei Aussicht, daß Seine Majestät jemals regierungs-fähig werde.
Gemäß Titel II 8 21 der Verfassungsurkunde desKönigreichs Baysrn vom 26. Mai 1818 in der Fassung desGesetzes vom 4. November 1913 erklären Wir hiemit dieRegentschaft für beendigt und den Thron als erledigt.
Wir beauftragen Unser Gesamtstaatsministerium, demgegenwärtig versammelten Landtage die Gründe, aps de-nen sich die dauernde Regierungsunsähigkeit Seiner Ma-jestät des Königs ergibt, zur Zustimmung anzuzeigen.
Gegeben München , den 5. f'November 1913.
Ludwig, Prinz von Bayern , des Königreichs BayernVerweser.
Dr. Freiherr von Hertling . Dr. Freiherr von Soden-Fraunhofen. v. Thelemann. v. Breunig. v. Seidlein.Tr. v. Knilliug. Freiherr v. Kreß.
Ein Amnestieerlcch des neuen Königs.
Die Korrespondenz Hossmann veröffentlicht nach-stehenden
Gnadenerlaß:
König Ludwig lll.
von Gottes Gnaden König von Bayern, Pfalzgraf bei RheinHerzog von Bayern. Franken und in Schwaben usw. usw.
W i r haben Uns entschlossen, Unseren Regierungs-antritt durch einen umfassenden Gnadenerweis zu bezeich-nen, und verfügen deshalb, was folgt:
.4.
I. Erlassen sind alle noch nicht vollstreckten Strasen,die von einem bayerischen bürgerlichen Gericht oder Mili-tärgericht ausgesprochen sind
1. wegen Beleidigung Seiner Majestät des KönigsOtlo. Unserer Person oder eines Mitgliedes Unseres König-lichen Hauses nach den M 95, 97 des Strafgesetzbuches;
2. wegen Verbrechen und Vergehen in Beziehung aufdie Ausübung staatsbürgerlicher Rechte nach dem fünftenAbschnitte des zweiten Teiles des Strafgesetzbuches;
3. wegen Vergehen und Uebertretungen nach den §Z 18.19 des Gesetzes über die Presse:
4. wegen Beleidigung einer Behörde, eines Beamten,eines Religionsdieners oder eines Mitgliedes der bewaff-neten Macht während der Ausübung des Berufs und inBeziehung auf den Beruf mach den 88 135, 186, 196 desStrafgesetzbuches;
5. wegen Ungebühr po,r .Gericht nach den. 88!.17.9,180 des Gerichtsverfässnngsgesetzes und des K 290 Abs. 3und' 4; der Militärstrafgerichtsordnung.
Ist die Strafe mit einer wegen einer anderen straf-baren Handlung ausgesprochenen Strafe zu einer Ge-samtstrafe zusammengefaßt,-sö ist von der Gesamtstrafe dervolle Betrag bet Einzelstrafe erlassen.
II. Erlassen sind alle noch:nscht vollstreckten Geld-strafen von rächt mehr als 100 Mark und. alte nochnicht vollstreckten Freiheitsstrafen von nicht mehr alseinem Monat, ,die von einem .bayerisäM bürgerlichen Ge-richt oder Militärgerichte.wegen Vergehen und Uebertre-tungen,-die nicht unter Ziffer I genannt sind, und wegenForstfrevel und Forstp-clizeiübcrttetungcn erkannt sind.
Sind in einer oder in mehreren Entscheidungen daye>.rischer Gerichte mehrere- Strasen ausgesprochen, so sinddiese in jenen Fällen, in denen ausschließlich aü-f Geld-strafen oder ausschließlich auf Freiheitsstrafen erkannt ist,Nur dann erlassen, wenn sie insgesamt Las itn ersten Ab-sätze bezeichnete Maß nicht übersteigen, und in fernstFällen, in denen auf Freiheitsstrafen und auf Geldstrafenerkannt ist, nur dann, wenn die Summe der an ersterStelle erkannten Freiheitsstrafen und der für den Fallder Uneinbringlichkeit der Geldstrafen festgesetzten Frei-heitsstrafen nicht mehr als. einen Monat beträgt. Tabeibleiben die Strasen per Ziffer l außer Betracht.
III. Ist auch aus Verlust der bürgerlichen Ehrenrechteoder aus Zulässigkeit von Polizeiaufsicht oder auf Ueber-weisung an die Landbspolizeibehörde oder aus eine mili-tärische Ehrenstrafe erkannt, so ist der Verurteilte von demGnadenerweis ausgeschlossen
IV. Der Gnadenerlaß erstreckt sich nicht auf Nebenstra-
ftn- ,
Die Ehrenrechte 8r. Majestät des,Königs Otto.
ek. Das mittags ausgegebene Gesetz- und Ver-ordnungsblatt für das Königreich Bayern bringtnachstehende königliche Entschließungüber die Ehrenrechte Seiner MajestätdesKönigsOtto: Wir tun kund und zu wissen,daß durch Unsere Erklärung von heute, wodurch Wirdie Regentschaft beendigt und die Regierung als Kö-nig angetreten haben, der Titel und die EhrenrechteSeiner Majestät des Königs Otto nicht berührt wor-den sind.
Gegeben in Unserer Haupt- und ResidenzstadtMünchen am 5. November 1913.
Gez. Ludwig.
Die erste katholische Königin von Bayern .
ek. Die--Gemahlin des Königs Ludwig lll. 'MariaTheresia ist die erste bayerische katholische Königin.
Die Beglückwünschung des Königspaares.
Ihre Majestäten , der Ast n i g und die Köni-g i n empfingen heute nachmittag 2 Uhr 30 M,>.im Wittelsbacher Palais Seine Königl. Hoheit denKronprinzen und sämtliche! Prinzen und Prinzes-sinnen des Königl: Hauses, welche dem Königspaarihre Glückwünsche zur Thronbesteigung z.um Aus-druck brachten. Um 3 Uhr wurden sämtliche Kgl.Stäatsminister, um halb 4 Uhr die sämtlichen Hof-chargen, der Chef des Zivilkabiuens, die General --und Aügeladjiitanten, die Ordonanzossiziere,, LerGeneralkäpitän und. die.Lberoffiziere der Leibgardeder Hartschiere und die -Herren des K'amnrerdiensttsvom Königspaartz.das von den Prinzessinnen-Töch-tern umgeben war, empfangen.
Se. Kgl. Hoheit der Kronprinz empfing um4 Uhr das-Staatsministerium und um halb ö Uhrden Kgl. großen Dienst im Lnitpold-Palais zurGratuläti-ou. '
Die Bekanntmachung der Ihronbesteigungin der Hauptstadt.
ek. München , 6 . Nov.. 13. Nach der Verlesungder Prok lamatiou des Königs Ludwigs in derKammer der Abgeordneten wurde sie in den S t.r a -tzen der Stadt angeschlagen. Auch Extra-blätter der Zeitungen verkündeten der Bevölkerungdie Thronbesteigung des Königs Ludwig. Auf demWittelsbacher Palais wurde alsbald die große baye-rische Küni-gsflagge gehißt. Bald zeigten auchdie Straßen der Stadt, nachdem staatliche undstädtischeGebäudedie Konsulate und privatenGebäude beflaggt, hatten, reichen Flaggen-schmuck.
Heute abend L Uhr findet aus Anlaß derThronbesteigung eine -öffentliche Festsitzungde r beiden: st ü d t-i s chp n Kollegien statt..
Die ,Bay e-r i sch e Sta ats zs itung bringtin ihrer heutigen Nummer einen „Unserm König"überschrft-benen, herzlichen- Huldig ungsar t'i ,7ksl, der mit dem'Wünsche für ein langes und glückt-liches Wirken 'des- Königs, und der Königin zumWähle des geliebten Vaterlandes.schließt.
Die Mitteilung der Thronbesteigung an die au-ft. Mrtigeii Regierungen.
eb. Kö n ig'L.udw i g' hüt kurz nach 9! Uhrden sämtlichen Bundesji'irsten telegraphisch die. An-nahme dec neuen Würde bekanntgegeben, ebenso hatdie bayerische Stüalsregicrung sämtlichen aus-wärtigen Regierungen die Thronbesteigung des Klftnigs notifiziert.- -
Besuch des Königs von Lachsen bei8r. Majestät dem König.
Seine Majestät der König von Sa ch-se ntrifft am 14. abends 5 Uhr 52 Min. zu Besuch desbayerischen Königspaares in.München ein. Es fin-det am Hauptbahnhof großer Empfang durch SeineMajestät König Ludwig III .. die Kgl. Prinzen, dieStaatsminister und den großen.'Dienst statt. EineEhrenkömpagnie des : Infanterie-Leib-Regimentsnimmt mit Fahne und Musik auf dem Perron Auf-stellung. In Begleitung des Königs von Sachsenbefindet sich der sächsische Minister der AuswärtigenAngelegenheiten Graf.Bitzthum von Eckstädt. derKämmerer Generalleutnant von Erlegern, Generala Is suite Generalmajor von TetteNborn, LeibarztDr. Seile, die Flügeladjütanten Major Freiherr ohnKoenneritz und Hauptmann von Schweinitz. ZstmEhrendienst bei dem König von Sachsen sind kom-mandiert der kommendierende General des 1. Ar-meekorps General der Infanterie von Xylander, der
.Kommandeur des 15. Inf.-Regts., dessen Inhaber derKönig ist, Oberst Tutschek, und Oberleutnant vonWachter, Regimentsadjutant im.1. Feld-Art.-Regt.Der König von Sachsen wird in der Residenz vonIhrer Majestät der Königin und den Prinzessinnenempfangen. Er bewohnt'die sog. Trierzimm'er. Am14. abends findet zu Ehren des. Königs bei demKönigspaar eine Familientafel statt, woraus ditz Fest-,vorstellttug im Residenztheater besucht wird. Am 15.beabsichtigt der König, das Alpine Museum und dasDeutsche Museum zu besichtigen: Nachmittags istgroße Galatafel in der K. Residenz. Abends erfolgtdie Abreise des Königs. tz
Telegramme und letzte Posten.
X Washington, 4. Rov. 13. Von wohlunterrich-teten'Kreisen wird zugegeben, daß im.Einklang mitWiIs 0 ns Entschlossenheit den AusschlußHüertas herbeizuführen, in der mexikanischen Haupt-stadt ein Schriftstück übergeben 'wurde.. Es wird je-doch erklärt, daß diese Mitteilung nicht den Charük-ter eines Ultimatums hätte.
Eine greuliche Mordtat,
x Wien, 5. Nov. 13. Das . Neue Wiener Tagblatt meldet aus Krakaue In..der OrtschaftJämischki bei Wilna ermordeten Banhitey die aus12 Personen bestehende Familie'.des jüdischen Kauf-manns Monczewski. Zwanzig Verdächtige wurdenverhaften .
Ein Eisenbahnzusammenstoß bei Melun .
X M clun ,,4. Nov. 13. Tickt vor dew Bahnhöfe klonMelun stieße in Eilzug mit einem Postzugezusamm e 11 . Die Trümmer gerieten in Brand, meh-rere Personen wurden getöteftund verletzt.Tie Rettungsarüeiten sind im. Gange.
X Melun, 5. Nov, isi, .Bei.'dem- Eisenbahnzu-sammeniloß, wurden drei Wagen des Eflznges,' davon zweider zweiten Wagenklasse, vollständig zertrümmert. TerPostzng setzte sich zusammen kus sieben Wägest, die eben-falls zertrümmert würden. Tiefer'Aug führte zwei Pack-wagen mit, in denen-sich etwa fünfzig . Postbeamte befan-den. Ter Postzug, der nach Marseille ging, fuhr demvon Marseille kommenden Eilzug schräg in die Seite.11 m Mitternacht brannten die Magen -nochi .Etwa 15Opfer, wurden, aus den Trümmern hervorgezogen. ZehnPersonen sollen getötet sein- Der.Lokowtvtivsührer desEilznges, - der die Haltesignale' überfahren habensoll, wurde -verkästet. Nach ftiuer weiteren. Mel-dung aus Paris wick ..-noch -'Mitgeteilt, .daß, dieMehrzahl der Verunglückten Postbeamte sind,- die insge-samt verschwunden sind. Alan hält es für möglich, daßeinzelne von ihnen von Panik und Schrecken ergriffen,verschwunden sind, befürchtet jedoch, daß. die meisten vonihnen den Verbrennungstod erlittSntzhabenl. Bis 2 Uhrwurden unter den Trümmern neun fast-gänzlich-verkohlteLeichen und 17 meist schwer Verletzte hervorgezogen. Vonden Leichen konnte bisher nur die eines Lyoner Kauf-mannes erkannt werden. -
>< SchiiSw-ig, 4. Nov. 13. -In Sachen desgeplant gewesenen Vp.rtrags ch.es Polarfor-sch e rsA in un d se n wird bestätigt, daß mit Rück-sicht auf bestehende nationalpolitische Gegensätze,, diefür Fltznsbu.rg apf-Grund des-. 8 12 des--Reichsoer-einsgesetzes für eine öffentliche Versammlung bean-tragte Genehmigung zum Gebrauch der der däni-schen verwandten norwegischen^ Sprache- abgelehntwurde. Ein Bortrag des Forschers in deutscherSprache- würde nicht beanstandest
Die deutsche Myschinenindustrle auf dem Weltmarktsim September 1913. Irst September'1913 bekies .sich die Ein-sicht an cigenckschen Mfschünen nach Deutschland , wie einenoritz Verein öeütschrr, M-äs-chmenbau-Anstalten bearbeiteteAusstellung zeigst auf 4738 Tonwen im-Werte von Mark4 734 009 und--hälr damit annähernd denStand der.An-sangsmonaie des Jahres; die in den Sommermonaten sehrhohe Einsuhrzissest der landwirtschaftlichen Maschinen, istweiterhin ganz erheblich zuxückgcgangen. Tie Ausfuhrder-eigentlichen Maschinen-ist gestiegen um eine Gefamt--zisier von 47 616 Tonnen im Werte von 54911000 Mark..Tie Monate Januar--bis September 1913 zusammenge-nommen brachten es in den eigentlichen.Maschinen aufeine Einfuhr von insgesamt 72519 Tonnen im Werte, von65912000 Mark und- auf eine Ausfuhr von 418235 Ton-nen iin Werie von 486461 009'Mark. Täs Gesamt-,ergebnis des ganzen Jahres 1912 stellte sich-demgegen-über in der Einfuhr aus 77 937 Tonnen niit 73278000Mark an Wert, gegen 536 676'Tonnen mit einem Wert-beträge von 628071000 M. in der Ausfuhr.
Lhariiaiwe Neugründungen in PalästinaVorsicht!
Gelegentlich eines. kurzen Aufenthaltes in Baalbek im Juni 1911 hörte ich zum ersten Male'.bou einem Ge-rüchte über eine „wunderbare", in ihren .Einzelheiten;sehr lächerlich und läppisch dargestellte' Erscheinung derMadonna in der Nähe von Schon, diesem griechisch-katholischer Priester gehabt haben -soll. NichtkatholischenKreisen gab dieses,. auch än einer Beiruter Zeitung ge-meldete Gerücht hinlänglich Anlaß, zu - hämischen Kom-mentaren. Ich. hielt die beschämende Geschichte -längst-auch .an ihrem llrsprnngsort der verdienten Vergessenheitanheimgefallen, da wurde ich vor kurzem unverhofft eines!andern belehrt durch d ie noch beschämendere Tatsache, daß dieGeschichte nun auch uns deutschen K ath oliken u ri-ll n g e n e h m zu werden droht, . ;
Es kam mir ein „Aufruf" in -die Hände, datiert ausdem Hotel Bristol in Wi-'en, ausgegeben von einerBaronin U exku e l l, geschiedenen Rftpenhansen, worinzunächst die W,irllichkcit jener „Erscheinung" zu beweisenversucht, dann ein Grüuöuugsprojekt dargelegt und zurUnterstützung desselben eingeladen wird.. DieErscheinungs-' geschichte, die sich gelegentlich eines Ausfluges- einer grö-->ßeren Gesellschaft von Herren und T-amen aus SidouoSaida) in einer Mantara genannten Höhle auf einem.
. nahest Berge zugetragen. haben soll, wird mit den Wor-ten jenes Priestersj namens tzälabi, der dort die hl.Messe las, breit und umständlich, erzählt. Auch die Namendxr beteiligten Personen werden genannt, übrigens.eine-nach Nationen, und Konfessionen sehr gemischte -Gesell-schaft.; ein Freimaurer,'der vor'allere übrigen der Erschei-nung der Mutter.Gottes mit dem. Kinde gewürdigt wurde,wird besonders hervorgehoben. Ter Berichterstatter bezw.auch die nacherzähfttwe Berrchterstatterin glauben bei-fügen zu müssen, daß „an jenem unvergeßlichen Tage"alle beteiligten Zeugen „normal"- gewesen seien.Tep „Fürsterzbischof".iso!> pon Schon — die Erzählerinscheint die hierarchischen Verhältnisse ihrer österreichischenHeimat einfach aus'den Orient zu.übertragen — soll dieSache untersucht und approbiert haben. Eine authentischeAeußerung irgendeiner offiziellen kirchlichen Behörde wirdnicht beigebracht.
Aus Grund des vorgefallenen „Wunders" „muß" 'nun laut Aufrufs folgendes' geschehen: -„1.-Tie Grottemuß, dem Privatbesitz entzogen werden. 2., Ta sie alsidreiteiliger Raum, als Schlaft und Speiseraum und- Stall,allen Vorbeiziehenden rechtlich offensteht, so muß für dieseein Ersatz geschaffen werden. 3. Tie umgebenden Grund-stücke müssen angekauft -werden. 4. Ein Hahrweg muß inZickzacklinien hinaufgeführt-werdech 5. Eine Kirche mußüber der Grotte gebaut werden. 6 . Ein Pilgerhaus mußfür Fremde errichtet werden." Und schließlich heißt es!noch, daß aus den eventuellen Neb^rschüssen „auf denangekauften Terrains und später auch in änderen Teilen!Syriens die Errichtung von Waisenhäusern, Schulen,Krankenhäusern in Aussicht genommen sei" (von wem?)— Umfang und Tringlichkeit dieser „Bedürfnisse" lassenalso nichts zu wünschen übrig. Zur Finanzierung derGründung ist bereits an orientalischen Banken ein Kontoeröffnet unter dem Titel „Oeuvres divines daNotre T-ame de Mantara". Verwünderlicherweiseglänzt im Ausruf bereits eine ganze Reihe von klingenden-Namen österreichischer und bayerisch sr-"Höcharisto-kratie, die mit „allergnädigsten Beiträgen" Las
Vorabendvlatr Mö.511
„Wert" zu beginnen ermöglicht haben. Tiefe illustreZahl bisheriger „Wohltäter" wäre wohl beträchtlich, ver-ringert, hätte inan sich etwa an- die deutschen Konsulatein Jerusalem und Beirut gewendet, welche wohl gerne,mit Auskünften auch persönlicher Art zur Verfügung ge-standen wären. Leider bietet, nebenbei gesagt, die Urhebe-rin durch ihre bisherige Tätigkeit im -Orient auch keinreBürgschaft für die erfolgreiche Durchführung eines auch.nur ähnlichen und weniger seltsamen Unternehmens. AlsoVorsicht!
Durchaus nicht auf die gleiche Stufe mit dem eben,gekennzeichneten Gründungsobjekte möchte Einsender die-ses die folgenden beiden gestellt wissen, die bereits durchAufrufe in der deutschen katholischen Presse einer größe-ren -Oeffentlichkeit zur . Kenntnis gelangten. Immerhin be-nötigen auch diese eine sachliche Prüfung auf ihre Not-wendigkeit und Durchführbarkeit.
^Zunächst handelt es sich um ein Auss ä tzi g e n heimin Jerusalem . Mit dieser Anregung konnte man sichnoch eher befreunden, nicht nur aus sachlichen Gründen,sondern weil einerseits der Name der Unternehmerin,, di«sich in der Münchener Fnrs 0 rgebewegung unbe-strittene Verdienste erworben hat, und andrerseits die Be-fürwortung durch die Benediktiner vom Berge Sion einegewisse Garantie zu bieten imstande waren, wie dennauch tatsächlich der Aufruf offene Ohren und Hetzengesunden haben soll- Einem Kenner der palästinensischenVerhältnisse muffen aber doch bezüglich der Dringlich-keit Kragen gestattet sein wie diese: Wieviele Pfleg-linge denkt man für das zu schaffende und gewiß sehrbeträchtliche Mittel erheischende Anssätzigenheim zu ge-winnen, nachdem bereits von der türkischen Regie-rung ein Aussätzigenhaus geschaffen ist underhalten wird, das orientalischen Ansprüchen vollauf ge-nügt und regelmäßig den Besuch französischer B i st-zenz-S chwestern zur Waschung, Verbindung undPflege der Inwohner erhält, nachdem auch die Prote-stanten ein wohlgeleitetes Anssätzigenheim unterhalten,und da bekanntlich eine oft unüberwindliche Scheu vorKasernierung und Abschließung auf feiten dieser'„Aerm-sten der Armen" eine freiwillige Aufnahme, erschwert ödergar nicht ermöglicht (eine zwangsweise ist selbstverständlichausgeschlossen), und da endlich in den genannten Häusernauch für die seelsortzlichen Bedürfnisse etwa dort vorhan-dener katholischer Pfleglinge hinreichend gesorgt ist. Wäredie Organisierung einer ambulanten Pflege der nicht!in einem Heim schon Untergebrachten, je nach Lage dessOrtes von verschiedenen karitativen Anstalten aus, eheram Platze? Sonderlich groß dürfte die Zahl der letzteremohnehin nicht sein.
Eine der wichtigsten ist aber die Platzfrage, dienoch nicht gelöst ist. Sollte der, wie ich höre, in Aussicht,genommene Platz endgültig gewühlt werden, so wäre dasjMißlingen des Unternehmens von vorneherein be-siegelt. Es handelt sich um eine Stelle vor dem TorfeKubebe, das seit den Kreuzzügen als das biblischeEmmaus gilt, drei Stunden nördlich von Jerusalem —ein Hans als künftige Wohnung der Tirectrice im Ortsselbst ist bereits angekauft. Denke man sich: dreiStun-den von der Stadt entfernt, nur 'zu Fuß oder reitend-auf einem denkbar schlechtesten Wege erreichbar! Wie be-schwerlich und kostspielig müßte sich die Beschaffung allerLebens- und Unterhaltsmittel und dazu die Jnanspcucch-nähme der ärztlichen Hilfe stellen! Tie einsame, allemVerkehr ferne Lage müßte übrigens auch auf die noch»zu gewinnenden Aussätzigen, die durchaus nicht vomLeben gänzlich abgeschnitten sein wollen, eher abschreckendals einladend wirken. Eine bessere Lösung der Platzsragemüßte also vor allem gesucht werden, sollte dein ge-planten Unternehmen'ein einigermaßen günstiges Horoskopgestellt werden können. Auch im Interesse der Almosen-spender wäre es zu wünschen, daß überhaupt die AussichSauf die Durchführbarkeit und die Lebensfähigkeit des ansich guten Werkes mehr gesichert wäre.
. Aller guten Tinge sind drei, mochte sich ein Herr P.Nitsche denken, und so lanzierte er in die katholischedeutsche Presse fliehe Augsb. Postzeitung Nr. 458> einenAufruf zur Gründung eines Blindenheims in Ir-rn s a l e m, zu -dessen Errichtung er 100000 Mark benötigtund verlangt, die Unterhaltungskosten nicht gerechnet. Abermit Erlaubnis: Wer ist denn der „Bauherr" P. Nn-sche? Heißt er Peter oder Paulus, oder will das P.besagen, daß er als Pater einem Orden angehört? unddann welchem -Orden? Und welckfe kirchliche Be-hörde hat Ihn zu einer f olchcn Gründung autorisiert?.Herr P. Nitsche hat sich bisher dem katholischen deutschen Publikum in keiner Weise vorgestellt, und fo ist man zuder Frage berechtigt: Ist Herr P. Nitsche der Mann, derdurch seine Persönlichkeit allein der Oeffentlichkeitirgendwelche Garantien zu bieten imstande ist? Ister wenigstens in Jerusalem ejne Persönlichkeit, die ineiner für ein solches Unternehmen unbedingt erforderlichenAchtung stehftä überhaupt eine dort bekannte und mit »den dortigen Verhältnissen vertraute Persönlichkeit? Seinguter Wille und seine guten Absichten in allen Ehren!Aber das Publikum, dessen Wohltätigkeit in Aksponchgenommen werden will, hat doch auch ein Recht aus Ga-rantien über die sichere Zuführung feiner Almosen zudem bestimmten Ztoeck, über die Ausführbarkeit des Pro-fettes und die Lebensfähigkeit des einmal geschaffenenWerkes. Mit welchen Garantien kann der „Bauherr"aufwarten, die ihn berechtigen, sich mit einem solchenAusruf an das katholische Deutschland zu wenden?
Zur Sache selbst ist zu sagen: Es entspricht nichtin allweg den Tatsachen, wenn es in dem Ausruf ohne.Einschränkung heißt, daß die meisten Minden Palästina?in unsäglich traurigem, menlchenunwkrdigem Zustande le-ben, und niemand für die Blinden etwas tue. Und dochwird in gleichem Atemzüge ein protestantisches und einjüdisches Blindenheim naüihaft gemacht, während die mitErfolg der Mindensürsorge sich widmenden Häuser der ka-tholischen Vinzenzschwestern gar nicht genannt wer-den. Mit der Schaffung immer neuer Blindenheime alleinwird übrigens dem B-lindenclend im-Orient nicht abgehol-fen. Es müssen Vorkehrsmaßregeln getroffen werden,welche der so häufigen Erblindung vorbeugen. Im be-sagten Aufruf selbst heißt es, daß die hauptsächlichste Ui>fache des,Elends die G-leichgültialeit und Unsauberkeit desVolkes ist. Aber gerade ^ur Bekämpfung dieses Uebelswird in den vielen und mcht zuletzt katholischen Schulenund Anstalten mit Erfolg gearbeitet und damit inwirksamster Weise >der Erblindung gesteuert, also einewahrhaft rationelle Blindenfürsorge, unvergleichlich bes-ser als die nachträgliche Pflege in kostspieligen Anstalten.
Aber selbst angenommen, daß die alarmierende „bren-nende Notlage" bestände, so kann es immerhin noch nicht„beschämend" für die deutschen Katholiken sein, kein eigefnes Blindenheim zu besitzen. Es ist schlechterdings ebensounmöglich wie unnötig, im Orient jede Seite derc a r i r-a t i v e n B e tä ti g un g zu na ti 0 nalisierenund namentlich in Anbetracht des geringen Prozentsatzesder katholischen Bevölkerung zu ko n fes sio n a l isi e^-reu. Tas hieße nur eine ohnehin schon beklagte schäü-liche Hypertrophie des palästinensischen Wohltätigkeitsw---sens fördern.
Mir deutsche Katholiken tonnen wohl berechtigt dar-auf stolz sein, im Heiligen Lande in ganz bedeutendemGrade in materieller wie geistiger Richtung an carftativenMerken beteiligt zu sein. Es mag zugegeben werden, daßdie Wohltätigkeit für Las Heilige Land noch gesteigertwerden könnte und sollte. Mußte doch in den letzten Jahreneine Reihe von katholischen deutschen Instituten die ihnensonst regelmäßig zufließenden Unterhalts- bezw. Untec-stntzungsbeiträge erheblich gekürzt und damit das Feldihrer Wirksamkeit be-chränkt, f'a sogar ihre Lebensfähigkeitbeeinträchtigt sehen. Tas Ansehen des katholischen Deutsch-lands erheischt es aber, mehr die bestehenden Insti-tute lebenskräftig zu erhalten und zu stärken, als durchneue, und dazu so ungesicherte Unternehmen wie die ge-nannten, die Kräfte der Mildtätigkeit zu zersplittern undso den bisherigen Bestand noch zu gefährden. Es kannfür unseren deutschen katholischen Namen im Orient wohlkeine Ehre sein, wenn ein schon seit Jahrzehnten bestehen-des Haus nun vor der Alternative steht, entweder seinHospital oder seine blühende Schule auszugeben oder ein-zuschränken oder ein in guter Entwicklung befindlichesSanatorium wieder zu verkaufen.
Auch das bflchämend mißlungene Unternehmen einesdeutschen latholftchen Kolonisationswerkes am See Ge-nesgreth - jetzt im jüdischen Besitz! — vor wenigenJahren wäre Ursache genug, mit mehr Vorsicht neuenProjekten gegenüberzutreten. Merkwürdigerweise — auch.das darf betont - werden — gehen alle drei im Voraus-gehenden besprochenen, projektierten Unternehmungen vonallein stehenden Laien aus.