Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
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Gluckivüiischuugsrcde

hcit/ eine rauhe Lebensart, wilde Sitte», eine unachtsame und fauleMuße, »»angebaute Felder und Gärten, wüste Einöden, armseligeHütten »nd Höhle», nackende Leiber, cinc elcndc und harte Kost, einMangel alles Umganges, aller Bcqucmlichkcitc» und aller Annehmlich-keiten, die wahren Merkmahle der glückseligen und goldenen Zeitengewesen sind. Wir sollen uns einbilden, als lebten wir jetzt in deneisernen, schlimmsten und elendesten Zeiten, da wir doch ganz offenbaran unsern Jahren mehrere Merkmahle der goldenen Zeiten wahrneh-men, als jene Alten gehabt haben. Denn dieses ist unstreitig cinc gol-dene, oder die glückseligste Zeit, in welcher man die meisten und bestenMittel, und die wenigsten Hindernisse findet, die wahre Zufriedenheitder Menschen, die allgemeine Wohlfahrt und die vollkommene Glück-seligkeit Aller nach Wunsche zu befördern, Sie dürfen aber nicht mey-nen, H- V , als wenn diese kindischen Vorurlhcile und abgeschmacktenIrrthümer »ut unsere» uralte» Vorfahren alle wäre» begraben worden.Nein! wir finden auch unter uns einfältige, schwcrmüthige, mißver-gnügte und undankbare Leute, welche ihnen selbst und andern mit denungerechten uud ungcgründctcn Klagen beschwerlich fallen, daß dieMenschen wirklich jetzt in den eisernen Zeiten lebten, daß die Men-schen von Jahre zu Jahre schlimmer würde», daß die Welt sich z» ih-rem völligen Untergänge neigte. So vieles Mitleiden ich mit dc» kin-dischen Klagen dcr Schwachheit habe, so gewiß getraue ich mir dochjetzt bei meine» schwache» Kräfte» zu erweisen, daß eigentlich eineZeit vor dcr andern keine» Vorzug habe, sondern, daß ein Jahr demandern völlig gleich sey. Die Zcit ist eine Ordnung dcr Dinge, diein der Welt auf einander folgen, sie wird durch die Ordnnng uiifcrecGedanken begriffen, welche sich die Sache» bald als vergangene, baldals gcgeinvärtigc, bald als zukünftige vorstellen. Alles was nach undnach geschiehet, geschieht in dcr Zcit. Ein Jahr ist cin Thcil der Zeit;dieser Theil dcr Zcit wird bald nach seiner Größe, bald nach seinerBeschaffenheit betrachtet, nachdem eS entweder von dcr Mcßkunst, odervon der Nalurlehre, oder Sittcnlchre beschrieben wird. Bei den Meß-künstlcrn heißt cin Jahr dicjenige Zcit, da die Sonne die ganze Som-merstraße durchlaufe» hat, oder eine gewisse Reihe auf einander fol-gender Tage, Wochen und Monathe. Sie hören gleich, H. V-, daßdie Meßkünstler das Jahr nur nach ihrer Größe betrachten; hier aberwerde ich nicht den geringsten Widerspruch besorgen dürfen, wenn ichsage, daß cin Jahr bis auf cincn geringen Unterschied so groß sey,wie das andere. Ein Naturverständiger hingegen versteht durch einJahr diejenigen Wirkungen, welche die Natur cincn Frühling, Som-