bey dem Eintritt des 1743stcn Jahres. 5
aller Menschen, sie mögen leben wo sie wollen, einander gleich; so wer-den mich die Jahre, in denen sie leben, und in welchen sie geschehn,einander gleich seyn. Ich behaupte dieses um so viel mehr, da ich einenZeugen auf meiner Seite habe, welchen Dero Glaube und Frömmigkeitnicht verwerfe» kaun. Ein Zeuge, durch den der Geist der Wahrheitredet, der König, dessen Weisheit nicht nur ehemals die Welt bewunderte,sondern welchen auch noch jetzt Juden und Christen in tiefer Ehrerbie-tung verehren, ein Salomo, durch welchen uns Gott den Predigeraufzeichnen lassen, versichert uuS eben dieses (°). Was ist es, sprichter, das geschehen ist? Eben das, das hernach geschehen wird. Wasist cS, daß man gethan hat? Eben das, was mancher noch wiederthun wird; und cS geschiehet nichts ncucS unter der Sonnen. Ge-schiehet auch etwas, davon man sagen möchte: Siehe, das ist neu?Denn cS ist zuvor auch geschehn in den vorigen Zeiten, die vor unsgewesen sind. Kann ich nicht hieraus recht sicher schließen? geschiehetnichts ncucS unter der Sonnen, geschiehet in unseren Zeiten nichts,das nicht schon in den vorigen Zeiten geschehen wäre; thut man in un-sern Tagen nichts, das man nicht schon in den vorigen Tagen derWelt gethan halte: so müssen auch die Jahre, in welchen cS geschiehtund gethan wird, einander gleich seyn. Doch sollte sich auch jemandfinden, welcher sich nicht schcuctc, Vernunft und Schrift in Zweifelzu ziehen, so würde sich doch niemand getrauen können, der Stimmeder Erfahrung zu widersprechen. Man lese nur die alten und neuenGeschichten, welche geschickte und redliche Männer mit Sorgfalt auf-zeichnet haben; man halte sie gegen einander, und man urtheile un-partheiisch. Wird man nicht gestehen müssen, daß uns in beiden ei-nerlei Bewegungen und Wirkungen der Natur, einerlei gute und böseHandluugcn der Menschen, einerlei glückliche und unglückliche Zufälleund Begebenheiten vorgestellt werden? Werden wir nicht mit Ueber-zeugung ausrufen müssen, cS geschiehet nichts neues unter der Son-nen; darum ist ein Jahr dem andern gleich! Ja ich frage euch, ihrBrüder, die ihr jetzt durch Gottes Gnade ein neues Jahr zu lebenanfangt, sprecht selbst, ob in dem vergangenen Jahre etwaS vorgefallen,geschehen und gethan scv, welches nicht auch in den vorigen Tagengeschehen, und in den künftigen Jahren sich zutragen wird? Wenn cSgleich nicht in unserm Vaterland-, in unserm Wclttheilc geschehe»ist; denn bei dieser Betrachtung müssen wir die Welt als einen Ortansehen. Wird man also nicht aufrichtig gestehen müssen, ein Jahr
(°) Prediger Sal, t, 9. 1».