Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
6
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Glückwmischun.gsrcdc

sey dem andern gleich/ weil Vernunft, Schrift und Erfahrung hierzusammen treten, und solches einstimmig versichern. Doch ich kannleicht voraussehen, daß meine Meinung bey Einigen Widerspruch fin-den wirb. Man wird mir cinwcndcn, daß nicht ein Jahr dem anderngleich seyn könne. Man wird mir die Wunder der gottlichen Allmachtentgegensehen, welche gewisse Jahre von den andern unendlich unter-scheiden Man wird die Landplagen zu Beweisen anführen; man wirdsich auf die Zeiten der Barbarei berufen. Man wird den AuSsprucheines erleuchteten Paulus entgegensetzen, welcher vorher gesagt (°), daßin den letzten Tagen gräuliche Zeiten kommen werden. Allein allediese Zweifel werden wegfallen, wenn man erwägt, daß ich hier nichtvon den außerordentlichen Wirkungen der Allmacht Gottes, welche sel-ten geschehen, sondern von den ordentlichen Wirkungen der Natur rede.Wenn man voraussetzt, daß ich nicht von einzelnen Theilen des Erd-bodens, sondern von der ganzen Welt überhaupt spreche. Und ich redemit der Erfahrung, wenn ich behaupte, daß fast kein Jahr zu finden,in welchem man nicht in einem Theile der Welt den Anfall der Land-plagen empfunden habe. Denn auch diese sind Mittel, wodurch dieweiseste Vorsehung Gottes die Welt in ihrer Vollkommenheit zu erhal-ten pflegt. Die Barbarei hat auch keine Hanptveränderung in derZeit gemacht. Die Erfahrung behauptet, daß dieselbe nur in gewissenTheilen der Welt geherrscht, so lange fast die Welt steht. Was end-lich das Zeugniß des heiligen Paulus anlangt, so widerspricht dasselbemeinem Sahe nicht. Denn der heilige Gesandte Gottes saget nichtsmehr, als daß die Tage des neuen Bundes eben so wenig als dieTage des alten Testaments von allen Irrthümern, Lastern und bösenMenschen frei seyn würden. Er führet auch lauter solche Laster an,die nicht neu, sondern alt sind, und welche er schon in dem Anfangeseines Briefes an die Römer bestrafet. Kurz, TimothcuS wird vo»ihm ermähnet, dergleichen lasterhafte Menschen zu meiden. Darummüssen sie zu TimothcuS Zeiten gelebt haben. Es bleibt atso dabei,daß ein Jahr dem andern gleich sey. Ist dieses wahr, o wie wenigGrund bleibt uns noch übrig, die Tage unserer Väter als die golde-nen, die besten, die glückseligsten mit neidische» Auge» anPisehe» undmit seufzender Stimme andern anzupreisen! Warum scheuen wir unsnicht, mißvergnügte Vcrläumder und undankbare Verächter unsererJahre zu seyn? Warum schrcicn wir dieselbe» als eiserne, als schlimme,als »»glückselige Zeiten aus? Warum seufzen wir so ängstlich voller

(°) 2. Timoth. 3,1.