!)4 Bcmcrklmgc» über Bnrkc'S philosophische Unlcrsuchnngcn
Zwischen diesem unsern Selbst und einer andern Person könnenwir Zlchnlichkeitcn der Empfindung und der Urtheile wahrnehmen.Je mehrere und größere dergleichen Achnlichkeitcn wir wahrnehmen,desto stärker wird der Grund unserer Liebe zu dieser Person.M e 6. .
Und je mehrere und größere dergleichen Achulichkcitcn wir zwischeneine» andern Person und unserm Selbst wahrnehmen/ desto schwererwird es uns (besonders im Stande der confuscn Ideen) diese Personvon unserm Selbst zu unterscheiden.
7.
Und aus dieser Schwierigkeit, diese Person von unserm Selbst zuunterscheiden, kömmt eS, daß wir ihre Empfindungen für die unsrigcn,und unsere für die ihrigen halten, daß wir an ihrem Vergnügen oderMißvergnügen Antheil nehmen, und verlange», daß sie tS auch anlinscrm Vergnügen und Mißvergnügen nehmen solle.
8.
Die Schwachheit, schon bei geringen und wenigen Achnlichkeiten,die eine andere Person mit uns hat, diese Person mit uns selbst zuverwechseln, heißt die Sympathie °).
9.
Die Sympathie wirkt daher plötzlich, und verräth allezeit einensehr geringen Grad von Scharfsinn °°).
10.
Die ganze Liebe der Thiere gegen einander ist Sympathie. Undman sollte sagen, daß man, vermöge der Sympathie, nicht sowohl sichan eines andern, als den andern an seine Stelle setze.
11.
Was hat aber der Genuß der venerischen Wollust mit der Liebe ge-mein, daß man ihn des Namens der Liebe gcwürdigct hat? Setzt erdie wahre Liebe voraus? oder sollte er sie doch wenigstens voraussetzen?Kcins von beiden. Das Wesen der Liebe besteht vartn, daß ich dasVergnügen der geliebten Person sür das mcinige, und mein Vergnü-gen für das ihrige halte. Nun aber findet sich eine ähnliche Erschei-nung bei der venerischen Wollust, die angenehmen Emvfindungcn dereinen Person sind von den angenehmen Empfindungen der andernunzertrennlich; die einen reihen und unterhalten die andern; keinS von
°) Diese Erklärung vo» der Sympathie macht mich etwas stutzen. Ichwünschte sie amichmcn zu können. Mendelssohn .