Anmerkungen über den Acsopns,
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Fab. ci.IV.Der Fischer.
Diese Fabel ist ei» bloßes Gleichniß, weil sie keine Handlung hat;oder, wenn man das Durchschlüpfen der kleinen Fische auch für eineHandlung wollte gelten lassen, es gleichwohl ohne Absicht geschieht. —So auch Fab. 268.
Fab. ciVIII.Der hungrige Fuchs.
„Sin hungriger Fuchs erblickte in einem hohlen Eichbaum von den„Schäfern zurückgelassenes Fleisch und Brod. Er gieng hinein, und„fraß es auf. Jetzt war sein Bauch angeschwollen; er konnte nicht„wieder heraus, und fieng an zu heulen und zu schreien. Sin andrer„Fuchs gieng vorbei, und fragte, was ihm fehle. Jener erzählte, wie„eS ihm gegangen war. So bleib jetzt hier, sagte der andre, bis du„wieder so wirst, wie du beim Hineingehen warst; so wirst du leicht„wieder heraus können."
Nachahmung.
Ich bin zu einer unglücklichen Stunde geboren! so klagte ein jun-ger Fuchs einem alten. Fast keiner von meinen Anschlägen will mirgelingen. — Deine Anschläge, sagte der ältere Fuchs, werden ohneZweifel doch klug seyn. Laß doch hören, wann machst du deine An»schlägt? — Wann ich sie mache? Wann anders, als wenn mich hun-gert? --Wenn dich hungert? fuhr der alte Fuchs fort. Ja! da
haben wir es! Hunger und Uebcrlegung sind nie beisammen. Machesie künftig, wenn du satt bist; und sie werden besser ausfallen.")
Fab. VI.XXXIV.Die Otter und die Feile,veutilius ut attererer, ist nicht im Griechischen, und verderbt alles.
°) Lessing hat in diesen Anmerkungen über den Aesop vcr-schicdnc seiner Nachahmungen oder Umändnmgcn äsopischer Fabeln zuerstentworfen. Die obige ist indeß die einzige ungcdruckte, die er vermuthlich,weil sie keine Handlung hat, und mehr Gespräch als Fabel ist, in dieSammlung seiner gedruckten Fabeln nicht, gleich den übrigen, mit aufnahm.Bei diesen letztem machte mir indeß die Wahrnehmung seiner kritische» Sorg-falt in niehrer» durchstrichncn und verbesserten Stellen kein geringes Ver-gnügen. Eschenburg.