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Über den Phäder.
10. Fabel.
Auch diese Fabel ist nicht unter den Griechischen. Die Moral diePhäder daraus zieht, ist viel zu allgemein. Die eigentliche Moralist diese: daß es eine sehr kützliche Sache sey, eine Streitigkeit zuschlichten, wo beyde Theile als Belrieger bekannt sind. So hätteman, zum Exempel bey dem Processe welchen Voltaire und derJude Hirsch vor einigen Jahren hier hatten, sehr wohl zu dem Ju-den sagen können
In rioa viileris vercliäille izuoä vetis;und zu Voltairen:
1e creilo lurripuille «zuoä pulere oegas.
11. Fabel.
v. 9. 10. Huoe «Zum psventes exitus nolos pelunt,I^eonis aillliAuiitur I>orreo6o impelu.Die Art, wie der Löwe und der Esel mit einander jagen, istnicht wohl zu bcgreiffen. Der Löwe verbirgt den Esel i» das Ge-büsche und Eestrütte; da läßt er ihn schreyen; und die Thiere, diesich durch ihre gewöhnlichen Schlupflöcher retten wolle», fallen demLöwen in die Klauen. Entweder die Thiere wußten nur einenAusgang, oder der Löwe konnte überall seyn, oder er fing nursehr wenige.
Wie vortrefflich fallen alle diese Schwierigkeiten im Griechischenweg. Sie kommen beyde zusammen vor eine Höhle, in welchersich wilde Ziegen aufhalten. Der Löwe lauert an dem Eingänge,und schickt den Esel herein, der die wilden Ziegen mit seiner fürch-terlichen Stimme herausscheucht, und sie dem Löwen in dieKlauen treibt.
12. Fabel.
Diese Fabel ist vortrefflich crzehlt. lind wie sehr hat sie Christverhunzt. Phäder sagt
^6 sontem Lervus, ^uum itii^et, rellilit.Schön! als er getrunken hatte; denn alSdcnn verhinderte ihnder Durst nicht mehr daran. Christ aber sagt:
III konte Lervus eorniii» acilpexit i/6en«.Und wie elend ist das folgende ttmen-/»»» verlies nr«luo lleeus.Das timenäum verderbt alles. Das Geweih muß hier nicht vonseiner nützlichen Seite gezeigt werden.