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11 (1839)
Entstehung
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110
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Über den Phädcr.

Die zweyte Zeile scheint inir nichts weniger, als lateinisch zu seyn.Alala viäere expotlt. Wessen mal»? Was für mal»? Könnte mannicht vielleicht malam lesen, und es auf das vorige lern ziehen?

17. Fabel.

Diese Fabel ist sehr schlecht; und die alte Fabel bey dem Nomulus,nach welcher Christ seine gemacht hat, ist schöner! obgleich auch nichtsehr schön.

18. Fabel.

Kömmt in dem Griechischen gleichfalls nicht vor. 8erola welchesChrist aus den alten Fabeln anstatt der andern Hündinnen gesetzt hat,ist keine gute Verbesserung. ES ist natürlicher, daß sich einer Hündineine Hündin erbarme, als daß eS eine Bache thue.

19. Fabel.

Im Griechischen ist es die 208. Fabel. Die Moral, welche Phä-druS daraus zieht, ist nicht allein höchst gemein, sondern auch ganz dieunrechte. Der Grieche trift sie weit besser.

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<^avo^><5i, zc^^rov x«?«,-a>^-rxo^vc>c. d. i. Viele, die in Hoffnung ei'ncs unsicher»! Gewinnstes, sich einer schweren Arbeit unterziehen, kom-men um, ehe sie zum Zwecke- gelangen.

Warnm Fontaine aus dem Leder einen todten auf dem Wasserschwimmenden Esel gemacht habe, ist schwer einzusehen, lind welchein elender Eingang, der uns die wahre Absicht der Zabel gan> ausden Augen bringt. Nach seiner Erzählung sollte man glauben, dieseFabel lehre weiter nichts, als, daß der Hund tot und gournianli sey.Phadrus hat Fontaine» verführt, aus einer seichten Moral eine nochseichtere zu machen. Der schöne Schluß soll den Fehler einigermaßenwieder gut machen, aber umsonst. Wenn der Schluß zu Anfangestünde, und der Anfang gar wegbliebe.

Ohne Zweifel hat Fontaine mit dem weitschweifigen Anfange eswahrscheinlicher machen wollen, daß Hunde einen so albernen Anschlagfassen können. Allein wozu diese ängstliche Wahrscheinlichkeit?