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11 (1839)
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Zum Laokoon.

dcm/ das Lazarus lebendig wird, muß auch der Gestank nicht mehr vor-handen sein. IMergl. Band VI/ S. 524,^

p. 89. Exempel/ daß selbst Naphael und Hannibal Caraccio derSchrift in ihren Gemählden nicht ganz entbehren können. Zum Be-weise, wie sehr sich die Mahlerey vor allen Zusammensetzungen, diesie nicht durch sich selbst verständlich machen kann, zu hüten habe.Indeß ist es ohne Zweifel immer ein sehr großer Unterschied, wennRaphacl oder Caraccio schreibt, und wenn es ein andrer thut. Ohnedie Schrift wird man zwar die eigentliche Geschichte des Raphaclsnicht verstehen, aber sein Gemählde wird doch noch immer als Ge-mählde eine vortreffliche Wirkung thun. Anstatt daß die meisten an-dern Geschichtmahler bloß das Verdienst haben, die Geschichte ausge-druckt zu haben.

I>. 93. Michael Angela soll seinen Charon aus einer Stelle desDanteS genommen haben,

Llu'vn, ilomooio von occlii cli liro^ia,

Lalle col i-emo <ju!>Iun<zu,e t'llila^Ia.In dcm Kupfer vom jüngsten Gerichte läßt sich nur die Action, welchein dcm letzten Verse ausgedruckt ist, erkennen; ob Angclo aber auch dieAugen von glühenden Kohlen ausgedruckt hat?

9Z. Von der Wirkung welche ein Gemählde auf daS Auge vonferne machen soll, noch che dieses die Gegenstände dcßclbe» unterschei-den kann. Dieses ist cS, was Coypel mit dcm Exordio einer Redevergleicht.

p 07- Ich kann in der wolle <lel Lori-e^io, in welcher sichalles Licht von dcm gcbohrnen Heylandc ausbreitet, nicht mit Richardsoneinerley Meinung scyn, daß der Mahler dcSwcgen den vollen Mondhätte weglassen sollen, weil er nicht leuchtet. Eben dieses Nichtlcuch-tcn ist hier ein sinnreicher Gedanke des Mahlers, der sich darauf grün-det, daß das große Licht das kleinere verdunkeln müsse. Dieser Ge-danke ist mehr werth, als der kleine Anstoß den daS Auge dabey hat,welcher Anstoß noch dazu uns eben auf die Sache aufmerksam macht.

Was Richardson p. 120 u. f. von der Vortreflichkeit der Hand-zcichnungcn sagt, ist sehr dienlich, den Wcrth der Coloristc» zu bcstim-