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Zu»I Laotoon.
„Oft, wenn gleich die Weisheit wacht, schläft der Argwohn an„ihren Thüren, und giebt sein Amt der Einfalt, maßen die Güte„nichts Böse» vermuthet, wo nichts Böses hervorblickt."
Und so gefallen mir die allegorischen Fiktionen; aber sie wcitläuf-tig ausbilden, die erdichteten Wesen nach allen ihren Attributen derMahlerey beschreiben, und auf diese eine ganze Folge von mancherleyVorfällen gründen, dünkt mich ein kindischer, gothischer, mönchi-scher Witz-
Die einzige Weise indeß, wie eine wcitläuftigcre allegorische Fictionnoch erträglich zu machen ist, ist von dem CcbeS gebraucht worden:er crzchlt nicht die bloße Fiction, sondern so wie sie von einem Mah-ler behandelt worden.
Blindheit des Milwn.
Ich bin der Meinung, daß die Blindheit des MiltonS auf seineArt zu schildern und sichtliche Gegenstande zu beschreiben einen Ein-fluß gehabt hat.
Außer dem Exempel, welches ich bereits von den Flammen, welcheFinsterniß von sich strahlen, angemerkt habe, finde ich eines (p-i^iM»!lolt L. III. 722) welches vielleicht gleichfalls hierher gezogen werde»kann. — Uriel will dem in einen Engel des LichtS verstellten Satan,den Erdball, die Wohnung des Menschen zeigen, und sagt:I^ooli 6»v?li^v!>ril oo Iliat ßlolie, vvliol'e Iiillier sllleWilli tiglit lrom tienee, tkougl» but resleetecl, sliines.„Siehe auf jenen Ball nieder, dessen Seite, die nach uns gewandt„ist, mit Lichte scheinet, das von hier entlehnet ist." — Man merke,daß beyder Gesichtspunkt in der Sonne war, von da aus sie nichtmehr von dem Erdballe sehen konnten, als eben die Seite, welche derSonne zugekehrt war. Aus den Worten des Dichters aber sollte esscheinen, als ob sie auch von daher die andere uncrleuchtcte Hclfte hät-ten erblicken können, welches unmöglich ist. An dem Monde könnenwir zwar öfters die eine erleuchtete und die andere uncrleuchtcte Helftcerblicken; aber das macht, weil wir uns an einem dritten Orte befin-den, und nicht in dem Punkte, von welchem die Erleuchtung ausgehet.
Die allgemeine Wirkung seiner Blindheit aber scheinet die geflis-sentliche Ausmahlung sichtbarer Gegenstände zu sey». Homer mahltdergleichen selten mehr, als durch ein einziges Beywort, weil eine ein-zige Eigenschaft eines sichtbaren Gegenstandes hinlänglich ist, uns dieandern auf einmal crinncrlich zu mache», indem wir sie alle Tage