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Zum Laokoon.
diesen gehörig vollendet, so hätten sich die Vögel vor ihm scheuen müs-sen. — Wie sich ein bescheidner Mann doch oft selbst chiquanirct! Ichmuß mich des ZcuxiS wider den Zcuxis annehmen. Und hättest du/lieber Meister, den Knaben auch noch so vollendet/ er würde die Vögeldoch nicht abgeschrecket haben, nach seiner Traube zu fliegen. ThierischeAugen sind schwerer zu täuschen als menschliche; sie sehen nichts, alswaS sie sehen; uns hingegen verführet die Einbildung, daß wir auchdas zu sehen glauben/ was wir nicht sehen.
VIII.
Die Schnelligkeit ist eine Erscheinung zugleich im Raume/ als inder Zeit. Sie ist das Product von der Länge des erster»/ und derKürze der letzter».
' Sie selbst also kann kein Vorwurf der Mahlerey seyn; und wennCaylus* dem Künstler bey allen Gelegenheiten, wo schneller Pferdegedacht wird/ sorgfältig empfiehlt/ alle seine Kunst anzuwenden/ dieseSchnelligkeit auszudrücken: so kann man sich leicht einbilden/ daß manbloß die Ursache derselben, das Anstrengen der Pferde/ und den Anfangderselbe»/ den ersten Satz der Pferd-/ zu sehen bekommen würde."
Hingegen können die Dichter diese Schnelligkeit, auf mehr als eineWeift/ ungcmein sinnlich ausdrucke»/ nachdem sie 1) entweder/ wen»die Länge des Raums bekannt ist/ vornehmlich auf die Kürze der Zeitunsere Einbildungskraft heften; 2) oder einen sonderbaren ungeheuernMaaßsiab des Raumes annehmen; >?) oder auch/ weder der Zeit nochdes Raumes erwähnen/ sondern bloß die Schnelligkeit aus den Spu-ren schließen lassen/ die der bewegte Körper auf seinem Wege zurückläßt-
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°° Ich erinnere mich indeß hier einer Anmerkung, die ich bey Gelegen-heit eines der alten Gemähldes aus dem Nasonischc» Grabmahle gemacht babe.l veliorius i'sb. xii.) Es stellet den Raub der Proserpine vor. Plutoführet sie auf seinem vierspännige» Wagen davon, und ist bereits a» demEingänge des Zlvcruus. Merkur leitet die Rosse, deren egale Schnelligkeitsehr wohl ausgedruckt ist. Aber durch eine» ganz besondern Kunstgriff, hatder Künstler selbst i» den Wage» etwas zu legen gewußt, welches uns seineBewegung, auch ohne auf die Pferde zu sehen, sehr sinnlich macht. Er zeigetdie Räder nelmilich etwas von Seite und verschoben, durch welche Verschie-bung ihre Ciikclmäßige Figur in ein Oval verwandelt wird; und indem erdieses Oval ein wenig außer seiner Pcrpcndikul-Linie gegen den Ort zu, wo-hin die Bewegung geschehen soll, stellet, so erregt er dadurch den Begriff desUmfalleiis, mit welchem Umfalle» des Rades die Bewegung noll'wcndig ver-bunden ist.