Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

tZ2 Zum Laokoon.

diese» beyden Arten natürlicher Zeichen nicht gleich leicht und gleichintim werden vereinigen lassen.

Daß willkührliche auf einander folgende Zeichen mit natürlichenauf einander folgenden Zeichen sich leichter und intimer werden vereini-gen lassen, als mit natürlichen neben einander geordneten Zeichen, istklar. Da aber auf beyden Theilen noch der Unterschied hinzukommenkann, daß es entweder Zeichen für einerley oder für verschleime Sinnesind, so kann diese intime Verbindung wiederum ihre Grade haben.

1. Die Vereinigung willkührlichcr, auf einander folgender hörba-rer Zeichen, mit natürlichen, auf einander folgenden hörbaren Zeichen,ist unstreitig unter allen möglichen die vollkommenste, besonders wennnoch dieses hinzukommt, daß beyderley Zeichen nicht allein sür einer-ley Sinn sind, sondern auch von ebendemselben Organs zu gleicherZeit gefaßt und hervorgebracht werden können.

Von dieser Art ist die Verbindung der Poesie und Musik, so daßdie Natur selbst sie nicht sowohl zur Verbindung, als vielmehr zu ei-ner und ebenderselben Kunst bestimmt zu haben scheinet.

ES hat auch wirklich eine Zeit gegeben, wo sie beyde zusammennur eine Kunst ausmachten. Ich will indeß nicht leugnen, daß dieTrennung nicht natürlich erfolgt sey, noch weniger will ich die Aus-übung der einen ohne die andere tadeln; aber ich darf doch belauern,daß durch diese Trennung man an die Verbindung fast gar nichtmehr denkt, oder wenn man ja noch daran denkt, man die eine Kunstnur zu einer Hilfskunst der andern macht, und von einer gemeinschaft-lichen Wirkung, welche beyde zu gleichen Theilen hervorbringen, garnichts mehr weis. Hernach ist noch auch dieses zu erinnern, daßman nur eine Verbindung ausübet, in welcher die Dichtkunst die hel-fende Kunst ist, nehmlich in der Oper, die Verbindung aber, wo dieMusik die helfende Kunst wäre, noch unbearbeitet gelassen hat.') Odersollte ich sagen, daß man in der Oper auf beyde Verbindungen ge-dacht habe; nehmlich, auf die Verbindung, wo die Poesie die helfendeKunst ist, in der Arie; und auf die Verbindung, wo die Musik diehelfende Kunst ist, im Recitative? ES scheinet so. Nur dürfte dieFrage dabey seyn, ob diese vermischte Verbindung, wo um die Reihe

* Vielleicht ließe sich hieraus ein wesentliches Unterscheidungszeichen zwi-schen der Französischen und Italienischen Oper festsetze».

Zn der Französischen Oper ist die Poesie weniger die Hlilfkunsi; und cSist natürlich, das, die Musik derselben sonach nicht so brillant werden könne.

In der italiänischen hingegen ist alles der Musik untergeordnet. Diesessieht man selbst aus der Einrichtung der Oper» des Mclaflasiv, aus der «»-