Zum Laokoon.
die cinc Kunst der ander» subservirct, in cincm und ebendemselbenGanzen natürlich sey, und ob die wollüstigere, welches ohnstrcitig dieist/ wo die Poesie der Musik subservirct/ nicht der andern schadet, undunser Ohr zu sehr vergnüget/ als daß es das wenigere Vergnügen beyder andern nicht zu matt und schläfrig finden sollte.
Dieses Subservircn unter den beyden Künsten, bestehet darin,,,daß die eine vor der andern zum Hauptwerke gemacht wird, nicht aberdarinn, daß sich die eine bloß nach der andern richtet, und wenn ihreverschiedne Regeln in Collisio» kommen, daß die eine der andern soviel nachgicbt als möglich. Denn dieses ist auch in der alten Verbin-dung geschehen.
Aber woher diese verschiedne Regeln, wenn es wahr ist, daß bey-der Zeichen einer so intimen Verbindung fähig sind? Daher, daß bey-der Zeichen zwar in der Folge der Zeit wirken, aber das Maaßder Zeit, welches den Zeichen der einen und den Zeichen der andernentspricht, nicht einerley ist. Die einzelnen Töne in der Musik sindkeine Zeichen, sie bedeuten nichts und drucken nichts auS; sondern ihreZeichen sind die Folgen der Töne, welche Leidenschaft erregen und be-deuten können. Die willkührlichen Zeichen der Worte hingegen bedeu-ten vor sich selbst etwas, und ein einziger Laut als willkührlichcS Zei-chen kann so viel ausdrücken, als die Musik nicht anders als in einerlangen Folge von Tonen empfindlich machen kann. Hieraus entspringtdie Regel, daß die Poesie, welche mit Musik verbunden werden soll,nicht von der gedrungenen Art seyn muß; daß cS bey ihr keine Schön-heit ist, den besten Gedanken in so wenig als mögliche Worte zu brin-gen, sondern daß sie vielmehr jedem Gedanken durch die längsten ge-schmeidigsten Worte so viel Ausdehnung geben muß, als die Musikbraucht, etwas ähnliches hervorbringe» zu können. Man hat denCompouisten vorgeworfen, daß ihnen die schlechteste Poesie die bestewäre, und sie dadurch lächerlich zu machen geglaubt. Alber sie ist ih-nen nicht deswegen die liebste, weil sie schlecht ist, sondern weil dieschlechte nicht gedrengt und gepreßt ist. ES ist aber darum nicht jedePoesie, welche nicht gedrengt und gepreßt ist, schlecht; sie kann viel-mehr sehr gut seyn, ob sie gleich freylich, als bloße Poesie betrachtet,
nöthigen Häussnug der Personen z. E. in der Zcuobia, welche noch weil ver-wickelter ist, als Crcbillons; aus der üble» Gewohnheit, jede Scene, auchdie allcrpassionirtcstc, mit einer Arie zu schliefzen. (Der Sänger will beymAbgeben für seine Cadcncc gcklalscht ftp».)
Man miisjte in dieser Absicht die bcstc» sranzbsischcn Oper», als Alps,mid Armidc, gegen die besten des Mctasiasio »nlcrsuchc».