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11 (1839)
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Zum Laokoon.

nachdrücklicher und schöner seyn könnte. Allein sie soll anch nicht alsbloße Poesie betrachtet werden.

Daß eine Sprache vor der andern zur Musik geschickt sey, istwohl unstreitig; nur will gern kein Volk das wenigere auf seineSprache kommen lassen. Die Unschicklichkeit beruht aber nicht bloßin der rauhen und harten Aussprache, sondern auch, zu Folge der gc.machten Anmerkung, in der Kürze der Wörter, und zwar dieses nichtweil die kurzen Wörter auch metstentheilS hart sind und sich schwerunter einander verbinden lassen, sondern auch schon deswegen, weilsie kurz sind, weil sie zu wenig Zeit brauchen, als daß ihnen die Mu-sik mit ihren Zeichen gleichen Schritts folgen könnte.

Völlig kann keine Sprache von der Beschaffenheit seyn, daß ihreZeichen eben so viel Zeit crsodcrten, als die Zeichen der Musik, undich glaube, dieses ist der natürliche Anlaß gewesen, ganze Passagenauf eine Sylbe zu legen.

2. Nach dieser vollkommensten Vereinigung der Poesie und Mu-sik folget die Vereinigung willkührlicher auf einander folgender hörba-rer Zeichen, mit willkührlich auf einander folgenden sichtbaren Zeichen,das ist die Verbindung der Musik mit der Tanzkunst, der Poesie mitder Tanzkunst, und der vereinigten Musik und Poesie mit der Tanzkunst.

Unter diesen drey Verbindungen, von welchen allen wir bey denAlten Exempel finden, ist wiederum die Verbindung der Musik mitder Tanzkunst die vollkommnerc. Denn obschon hörbare mit sichtbarenZeichen verbunden werden, so fällt doch dafür hinwiederum der Unter-schied des Zeitraumes, den diese Zeichen nöthig haben, weg, welchertn der Verbindung der Poesie mir der Tanzkunst, oder der vereinigtenPoesie und Musik mit der Tanzkunst bleibet.

3. Wie eS eine Verbindung willkührlich auf einander folgenderhörbarer Zeichen mit natürlich auf einander folgenden hörbaren Zeichengiebt: sollte cS nicht auch eine Verbindung willkührlicher aufeinan-der folgender sichtbarer Zeichen mit natürlichen auf einander folgendensichtbaren Zeichen geben?" Ich glaube, dieses war die Pantomimeder Alten, wenn wir sie außer ihrer Verbindung mit der Musik be-trachten. Denn eS ist gewiß daß die Pantomime nicht aus bloß na-türlichen Bewegungen und Stellungen bestand, sondern, daß sie auchwillkührliche zu Hülfe nahm, deren Bedeutung von der Convention abhing.

Dieses muß man annehmen, um die Vollkommenheit der altenPantomime wahrscheinlich zu finden, zu welcher noch ihre Verbindung

° Die einfache Kunst, welche sich willkührlich auf einander folgendersichtbarer Zeichen bedient, wird die Sprache der Stummen sey».