Zum Laokoou.
mit der Poesie vieles beytrug. Dieses aber war eine Verbindung voneiner besondern Art, indem nicht Zeichen und Zeichen mit einanderverbunden wurden, sondern bloß die Folge der einen nach der Folgeder andern eingerichtet, bey der Ausführung diese letztere aber unter-drückt ward.
II. Dieses waren die vollkommenen Verbindungen; die unvollkom-menen sind diejenigen, da willkührliche auf einander folgende Zeichenmit natürlichen neben einander geordneten Zeichen verbunden werden,deren vornehmste die Verbindung der Mahlerey mit der Poesie seynwürde. Wegen des Unterschiedes, daß die Zeichen der einen imRaume und die Zeichen der andern in der Zeit auf einander folgen,kann keine vollkommene Verbindung entstehen, woraus eine gemein-schaftliche Wirkung entspränge, sondern nur eine Verbindung, beywelcher die eine der andern untergeordnet ist.
Erstlich also die Verbindung, wo die Mahlerey der Dichtkunstuntergeordnet ist. Hiehcc gehört der Gebrauch der Bänkelsänger, denInhalt ihrer Lieder mahlen zu lassen, und darauf zu weisen.
Die Verbindung, welche CayluS angiebt, ist mehr von der Art,wie die alte Pantomime mit der Poesie verbunden war. Diese ist, dieFolge der Zeichen der einen durch die Folge der Zeichen der andernzu bestimmen.
Daß die Mahlerey sich natürlicher Zeichen bedienet, muß ihr aller-dings einen großen Vorzug vor der Poesie gewahren, welche sich nurwillkührlicher Zeichen bedienen kann.
Indessen sind bcvde auch hicrinn nicht so weit aus einander, alscS dem ersten Ansehen nach scheinen sollte, und die Poesie hat nichtnur wirklich auch natürliche Zeichen, sondern auch Mittel, ihre will-kührlichcn zu der Würde und Kraft der natürlichen zu erhöhen.
Anfangs ist cS gewiß, daß die ersten Sprachen aus der Onoma-topöie entstanden sind, und daß die ersten erfundenen Wörter gewisseAchnlichkciten mit den auszudrückenden Sachen gehabt haben. Dcrglci-Wörtcr flndcn sich auch noch itzt in allen Sprachen, mehr oder weni-ger, nachdem die Sprache selbst mehr oder weniger von ihrem erstenUrsprünge entfernet ist. Aus dem klugen Gebrauche dieser Wörterentstehet das was man den musikalischen Ausdruck in der Poesie nennet,von welchem öfters und vielfältig Exempel angeführt werden.
So weit indeß die vcrschicdncn Sprachen größtenthcils in ihreneinzelnen Worte» von einander abgehen, so viel ähnliches haben sieindeß noch in denjenigen Fällen, in welchen allem Ansehen nach die