Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
165
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Zum Laokoon.

XXXIII. Ideal der körperlichen Schönheit. Was eS ist? Es be-stehet i» dem Ideale der Form vornehmlich, doch auch mit in demIdeale der Sarnation und des permanenten Ausdrucks.

Die bloße Colorirung und der transitorische Ausdruck haben keinIdeal: weil die Natur selbst sich nichts bestimmtes darinn vorgesetzt hat.

XXXIV. Falsche Uebcrtragung des mahlerischen Ideals in diePoesie. Dort ist ein Ideal der Körper, hier muß es ein Ideal derHandlungen seyn. Dryden in setner Vorrede zum Fresnov. Bacobeym Lowth.

XXXV. Noch übertriebner würde es seyn, wenn man nicht bloßvon dem Dichter vollkommene moralische Wesen, sondern wohl garvollkommen schöne körperliche Wesen erwarten und verlangen wollte.Gleichwohl thut dieses Herr Winkelmann in seinem Urtheile vom Mit-ten. 28. G. d. K.

Winkelmann scheinet den Milton wenig gelesen zu haben; sonstwürde er wissen, daß man schon längst angemerkt, nur er habe Teu-fel zu schildern gewußt, ohne zu der Häßlichkeit der Form seine Zu-flucht zu nehmen.

Ein solches verfeinertes Bild der teuflischen Häßlichkeit hatte viel-leicht Guido Reni im Kopfe (v- Dr^ilell'g pretaoe to tke ^rt okpaioting p. IX.) Aber weder er noch sonst einer hat es ausgeführt.

MiltonS häßliche Bilder aber, als die Sünde und der Tod, ge-hören gar nicht zur Handlung, sondern füllen bloß Episoden.

MiltonS Kunstgriff, auf diese Art in der Person des Teufelsden Peiniger und den Gepeinigten zn trennen, welche nach dem ge-meinen Begriffe in ihm verbunden werden.

XXXVI. Aber auch von den Haupthandlungen des MiltonS las-sen sich die wenigsten mahlen. Wohl; aber daraus folgt nicht, daßsie bev dem Milton nicht gemahlt sind.

Die Poesie mahlt durch einen einzigen Zug; die Mahlerey mußalle übrige hinzuthun. In jener also kann etwas sehr mahlerisch seyn,was sich durch diese gar nicht ausführen läßt.

XXXVII. Folglich liegt es nicht an dem vorzüglichen Genie desHomers, daß bey ihm alles zu mahlcn ist; sondern lediglich an derWahl der Materie. Beweise hiervon. Erster Dewcis, aus verschie-denen unsichtbaren Gegenständen, welche Homer eben so unmahlerischbehandelt hat, als Milton, z. E- die Zwietracht :c.

XXXVIII. Zweyter Beweis; aus den sichtbaren Gegenständen,welche Milton vortrefflich behandelt hat. Die Liebe im Paradiese.