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Kollcktanecn zur Literatur.
dem Katalog noch Geld schuldig geblieben war. Der alte Teufel wirdeinmal über das andre citirt; aber, ohne jemals zu erscheine», ohnedie geringste Erklärung wegen des ausgewirkten AdjunktS zu thun,bleibt er ruhig auf seiner Bibliothek/ und fragt nach allem nichts;versichert/ daß die Obcraltcn zu gut rechnen können, als daß sie einemManne sollten Unrecht geben, der die Stadt enterben kann.
Hierauf sprach ich mit Goczen über seine Streitigkeit mit Sem-ler, in welcher G- nun wohl offenbar Recht hat. Scmlcr hat vondem Komvlutciisischcn Neuen Testamente gesprochen, ohne eS gesehenund untersucht zu haben. Die Spanier müssen allerdings Manuskriptegebraucht haben, und die Stelle im Johannes ist aus der Vulgatanicht übersetzt worden. Sie würden sonst, wie die Vulgata liefet, ge-wiß überseht haben, und nickt ES ist zwar wahr,die noch übrigen Codices haben diesen Spruch gar nicht, bis auf denBerlinischen, welchen Christian Rau dem Churfürsten verkaufte.Aber das geht sehr weit, diesen Rau darum zum Betrüger zu machen,und vorzugeben, daß ihn Rau selbst aus der Komplutcnsischcn Ausgabeabgeschrieben habe. Goeze hat eine vortrcfliche Sammluug von Bi-beln, und besonders den ersten Ausgaben von Luthers Ucbcrsctzung.Luthers letzte Revision seiner Bibel ist von 1545, welche denn auchbei Beurtheilung seiner Sprache in meinem Lcrikon zum Grunde ge-legt werden müßte. In seinen übrigen deutschen Schriften ist Lutherbis an sein Ende weit nachlässiger geblieben, und er hat auf keine der-selben den Fleiß verwandt, den er auf die Bibel wandte. — Ein NeuesTestament nach seiner Ucbcrsctzung in Nicdersächsischcr Sprache, dochohne seinen Namen, ist zu Hamburg 1523 in Oktav gedruckt, undäußerst selten, weil damals das Papstthum in Hamburg noch herrschte;wie denn auch die katholische» Prediger damals sehr eiferten, daß dergemeine Mann dieses deutsche Testament mit in die Kirche brachte.Die Druckerei muß in Hamburg sehr spät in Gang gekommen scvn.DaS älteste, was Goeze gesehen, und selbst hat, ist ein kleines Buch:De vccr Uterstcn, d.i. die vier letzten Dinge, in kl. 8. gedruckt,1515, und so gothisch und schlecht, als kaum eines, daS zwanzig oderdreißig Jahre früher gedruckt ist. Doch soll Maittairc ein zu Ham-burg gedrucktes Buch anführen, das zehn Jahr älter ist. — Die Nie-dcrsächsische Bibel, welche unter Bugenhagcn's Aufsicht übersetzt,und zu Lübeck 15Z4 gedruckt worden, und die man das Ei vor derHenne nennt, weil damals selbst Luthers obcrsächsische noch nichtzusammengedruckt war, hat er auch.