Kollcktanccn zur Literatur.
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5.
Der Bürgermeister Greve hat eine schöne Sammlung von Ge-mählden, meistens aber von deutschen und niederländischen Meistern.Aus der italiänischen Schule habe ich einen einzigen Luca Giordano bemerkt, welcher die Fabel von dem Satyr und dem Wanderer vor-stellt, der auS Einem Munde kalt und warm bläst. Der Wandrer sitztbei dem Napf, und bläst in den Löffel; der Satyr steht voll Unwillensauf, und zeigt gegen seine Frau, die ein Kind auf dem Arm hält,auf den Wanderer. — Das vorzüglichste in diesem Kabinet sind dieStücke von Dcnner, der, wie bekannt, lange in Hamburg gearbeitethat, und dem dieser Kunstliebhaber viel zu verdienen gab. DaZ vor-nehmste von diesen Stücken ist ein alter Fraucnskopf, an welchem D-länger als zwanzig Jahre soll gearbeitet haben, und der, wie mir der jungeGreve sagte, seinem Vater 1200 Dukaten gekostet hat. ES sind auchda vcrschiedne junge Köpfe, von eben diesem Meister, die eben so fleißigund gegossen gearbeitet sind; daß man also nicht sagen sollte, Oenncrhabe nur Runzeln mahlen können. — Außerdem sah ich Blumenstückevon Rachel Ruvsch, und ihrem Lehrmeister, Wilhelm von Aclst;Landschaften von Poelcmburg, mit allerliebsten weiblichen Figuren,von Hcrrm. Zaftlccven, und von Ferg, einem gebornen Wiener ,der 1740 zu London starb, und dessen Stücke sehr selten sind. EinvortreslichcS Stück von Hugtcnberg, den Entsatz einer von denTürken belagerten Stadt vorstellend, hat mich ganz bezaubcrt. Welchei» Ausdruck der Affekten, der Furcht, des Schreckens, der Wuth, desSchmerzes, der Todesangst! und welche Gradationen in diesem Aus-drucke! Eugen kommt auf der Seite ruhig hereingeritten, ohne diegeringste Miene, anzugreifen, oder sich vertheidigen zu wollen. EinigeSchritte von ihm, der Fürst von Dessau mit einem andern Generale,der schon mit gezücktem Degen drohender aussieht, und zwei auf ihnsprengende Feinde, einen Türken und Mohren, erwartet. Hngtcn-burg starb 173Z zu Amsterdam; der Prinz Engen ließ ihn seineSchlachte» mahlen. — Ein schönes Küchenstück, ansscrordcntlich fleißiggemahlt, von Thcod. Nalkenburg; auch ein Blumenstück vonTaun», welcher ein gcborncr Hamburger war, und zu Wien 172»starb. Er studirtc Anfangs nach Mario Nuzzi , und hernach nachder Natur. — Ein schöner Laircsse: die Umarmung der VcnnS unddes MarS , von dem ganzen Himmel erblickt; Merkur auf sie hcrabfah-rcnd, um ihnen zu sagen, daß sie bemerkt werden. Ein kleiner Amorstößt den Merkur zurück, als ob er sie mit dieser Nachriclit nicht störensollte; andre AmorS mit den Waffen des MarS spielend; auf der SeiteLcmngS Weite XI.